Translation © Robert W. Eshbach 2014


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Robert Schumann to Joseph Joachim [i]

Düsseldorf, June 8, 1853

Many thanks for your dear letter, and for the music enclosed with it; above all for your overture, which captured my deep interest from the first bars. I was greatly surprised; — Since you had not told me the name of the tragedy, I had expected to find a cheerful concert overture, and found something so very different. As I read it, it was as if, page by page, the scene was illuminated for me, and Ophelia and Hamlet emerged in physical form. There are moving places in it, and the whole is presented in such clear and imposing form, as befits such a noble task. I would like to tell you a great deal about it; but words are inadequate to express what one feels. Above all, music should be appealing in its effect, and when I say that yours was that for me, you may believe me. What now, apart from the poet in us, is of specifically musical interest — for that, you have abundantly provided. The elaborate interweaving of the motives, the way in which you repeat in a new manner what you have said before, and, above all, the handling of the orchestra and its distinctive application for light and shadow effects — all this seems to me praiseworthy. And it is not lacking in individual bold and venturesome turns, as the particular subject requires: for example the harsh interval in the third measure (the E-flat) somewhat astonished me at first reading. But in the course of the piece, it was precisely this interval that seemed marvelously characteristic, and not to be replaced by any other. Other passages which especially please me are the 1st entrance of the principal theme [Schumann’s word is “principal song”] in F Major (does the oboe penetrate sufficiently here?), and then the entrance of the same theme [“song’] in D Major (in the horns), before that the chord progression

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and then the whole extended moderato in the middle must be of magical effect — then, too, the last pages with the low-lying horn tones, and the final cadential chords — and then the whole thing.

Accept my congratulations on the completion of this work. Do not change any of it before you have heard it repeatedly. I would very much like to perform the overture in one of our first concerts. Would you perhaps help us by lending us the score and the parts, if you have them?

I found my name written in your handwriting on the score of the Beethoven Concerto. I assume you meant it for me as a present, which I gladly accept, all the more since it reminds me of the magician and sorcerer who led us, with expert hand, through the heights and depths of this miraculous marvel, which most people try in vain to fathom. And, in reading the concerto, I will very often remember that unforgettable day.

Farewell, honored and dear one, and remember me well.

R. Schumann

 Today I entered my 43rd year of life.

[In Clara Schumann’s hand] Please be so kind as to accept my heartfelt greeting as well, dear Mr. Joachim! we still live in the memory of the glorious hours that you gave us. See that those past hours lead to new ones very soon.

 Clara Sch.


Düsseldorf, den 8. Juni 1853

Vielen Dank für Ihren lieben Brief, wie für die Musik, die ihm beilag, vor allem für Ihre Ouverture, die von den ersten Tacten an mir tiefes Interesse einflößte. Sehr überrascht war ich; — ich vermuthete, da Sie mir den Namen der Tragödie nicht genannt hatten, eine heitre Concertouverture zu finden, und fand so etwas ganz Anderes. Es war mir beim Lesen, als erhellte sich von Seite zu Seite die Scene, und Ophelia und Hamlet träten in leibhaftiger Gestalt hervor. Es sind ganz ergreifende Stellen darin, und das Ganze in so klarer und großartiger Form hingestellt, wie es einer so hohen Aufgabe gemäß ist. Vieles möchte ich Ihnen darüber sagen; aber Worte sagen nur unvollkommen, was man empfindet. Sympathisch vor Allem muß die Musik wirken, und wenn ich das von Ihrer auf mich sagen kann, so mögen Sie das glauben. Was nun, außer dem poetischen Menschen in uns, den speciell musikalischen interessirt, dafür haben Sie auch reichlich gesorgt. Die kunstreiche Verwebung der Motive, die Weise, wie Sie schon früher Ausgesprochenes in neuer Art wiederbringen, und vor Allem die Behandlung des Orchesters und dessen eigenthümliche Verwendung zu seltenen Licht- und Schatteneffecten — dies Alles scheint mir sehr preiswürdig. Auch fehlt es nicht an einzelnen kühnen und verwegenen Wendungen, wie der besondre Stoff verlangt, wie mich denn beim ersten Lesen das scharfe Intervall im 3ten Tact (das es) [sic [ii]] etwas frappirte. Aber im Verlauf des Stückes erscheint gerade dieses Intervall vorzüglich charakteristisch, und durch kein anderes zu ersetzen. Welche Stellen mich noch besonders anmuthen, das ist der 1ste Eintritt des Hauptgesanges in F dur (dringt hier die Hoboë genug durch?), dann der Eintritt desselben Gesanges in D dur (in den Hörnern), vorher der Accordenwechsel

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 wie denn das ganze größere Moderato in der Mitte von zauberischer Wirkung sein muß — dann auch die letzten Seiten mit den tieflagenden Horntönen, und die letzten Schlußaccorde — und dann das Ganze.

Nehmen Sie denn meinen Glückwunsch zur Vollendung dieses Werkes. Ändern Sie auch nichts daran, bevor Sie es nicht mehrmals gehört. Gern wünschte ich die Ouverture in einem der ersten unserer Concerte aufzuführen. Würden Sie uns vielleicht durch Überlassung der Partitur und der Stimmen, wenn Sie in deren Besitz sind, dazu behülflich sein?

Auf der Partitur des Beethovenschen Concerts fand ich meinen Namen durch Ihre Hand eingezeichnet. Ich vermuthe, Sie haben mir dies als Geschenk zugedacht, was ich mit Freuden annehme, um so mehr, da es mich an den Zauberer und Geisterbeschwörer erinnert, der uns durch die Höhen und Tiefen dieses zauberischen Wunderbares, den die Meisten umsonst ergründet, mit kundiger Hand geleitete. So will ich mich beim Lesen des Concerts jenes unvergeßlichen Tages recht oft erinnern.

Leben Sie wohl, Verehrter und Lieber, und behalten Sie mich in gutem Andenken.

R. Schumann

 Heute trat ich mein 43stes Lebensjahr an.

[Von Clara Schumann’s Hand] Auch meinen herzlichen Gruß nehmen Sie, lieber Herr Joachim, freundlich an! noch immer leben wir in Erinnerung der herrlichen Stunden, die Sie uns geschaffen. Machen Sie, daß recht bald zu den vergangenen neue kommen.

Clara Sch.

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[i] Joachim/BRIEFE I, pp. 60-62.

[ii] Jansen, in Robert Schumanns Briefe, 2nd edition, p. 374, reads des-es.