Bonawitz, Johann Heinrich. “Meine Reise mit Joachim. I.” Wiener Signale. Wochenschrift für Theater und Musik 3, no. 12 (March 20, 1880): 92–93; part II: Bonawitz, Johann Heinrich. “Meine Reise mit Joachim. II.” Wiener Signale. Wochenschrift für Theater und Musik 3, no. 13 (March 27, 1880): 98–100.
See also: Joachim in Italy (1880) ; Joachim in Venice ; Joachim at the Società del Quartetto (Milan, 1880)


Johann Heinrich Bonawitz (1839 – 1917)
Johann Heinrich Bonawitz’s “Meine Reise mit Joachim” offers an unusually vivid, insider’s view of Joseph Joachim at the height of his European fame, seen not from the perspective of an admiring critic or distant biographer, but through the eyes of a trusted colleague at the keyboard and on the road. Born in Dürkheim am Rhein in 1839, Bonawitz trained as a pianist and composer at the Liège Conservatory, emigrated to the United States as a teenager, and fashioned a career that oscillated between the Old and New Worlds: as a struggling immigrant musician in 1850s Philadelphia, as a concert entrepreneur and opera composer in post–Civil War America, and later as an established figure in Vienna, and in London, where he founded a Mozart Society and contributed to the city’s chamber-music life. His long professional life brought him into contact with many of the century’s most powerful musical personalities — Liszt, Brahms, and especially Joachim. “Meine Reise mit Joachim,” first published in two installments in the Wiener Signale in March 1880, distills that experience into a richly detailed narrative of a winter tour that led the two musicians from Berlin through Innsbruck and the major Italian centers to Graz, Vienna, Budapest, and into the Hungarian provinces. What emerges is a portrait of Joachim that complements and sometimes gently corrects the familiar image of the severe “priest of art”: Bonawitz shows him in railway compartments and hotel parlors, joking in every imaginable dialect, relishing practical jokes and absurd provincial mishaps, yet everywhere upholding the highest ideals of repertoire and style while tirelessly championing Bach and Brahms before new publics in Milan, Venice, and beyond. At the same time, the article is a self-portrait of Bonawitz as Joachim’s partner and foil — an adaptable touring pianist who shares Joachim’s commitment to “serious” German instrumental music, but who also records with wry humor the logistical improvisations, social pressures, and inadvertent comic episodes that defined life on the road for late nineteenth-century virtuosi. Read today, “Meine Reise mit Joachim” is not only a primary document for Joachim’s concert activity and reception in Italy, Austria-Hungary, and Galicia around 1880, but also a finely textured contribution to the broader history of German musical cosmopolitanism, written by an émigré musician whose own career bridged conservatory culture, the American musical marketplace, and the London chamber-music scene.1

Johann Heinrich Bonawitz: Meine Reise mit Joachim
[English translation below]
I.
Am Abend des 2. Jänner fanden sich am Anhalter Bahnhof in Berlin eine große Anzahl Schüler der dortigen Hochschule ein, um von ihrem verehrten Meister Josef Joachim, der eine mehrwöchentliche Kunstreise nach Italien, Oesterreich-Ungarn, Galizien und Böhmen antrat, Abschied zu nehmen. Nachdem Joachim die diversen Blumenspenden entgegengenommen und noch einige freundliche Worte an seine getreuen Schüler gerichtet, gab die Glocke das Zeichen zum Einsteigen und einige Augenblicke später führte uns das Dampfroß gegen Innsbruck zu, wo am 4. das erste Concert stattfand. Kaum hatten wir einige Stationen zurückgelegt, so bemerkte ich, daß der sonst so ernste Mann sehr heiter und humoristisch sein kann. Alle Dialecte, vom sächsischen angefangen bis auf den deutsch-ungarischen, sprach er mit einer Vollkommenheit, die mich in Erstaunen und Heiterkeit versetzte.
Das Reisen scheint für Joachim eine förmliche Erholung zu sein. Die fast übermenschlichen Anstrengungen, welche ihm seine Stellung als Director der Hochschule, verbunden mit den fortwährenden Proben und Productionen seines Quartetts und Orchesters auferlegen, lassen ihn zu keiner rechten Sammlung gelangen, und so lernt man den großen Künstler in seiner vollen Lebenswürdigkeit eigentlich erst unterwegs, auf Reisen kennen.
Bei unserer Ankunft in Innsbruck, am 3. Jänner 11 Uhr Abends, fanden wir die für uns bestimmten Zimmer im Hotel zur „goldenen Sonne“ sehr comfortabel und geheizt. Dank der Fürsorge unseres Agenten in Wien durften wir uns während der ganzen Tournée weder um Hotels, noch um Abgang oder Ankunft der Bahnzüge bekümmern. Alles war von Wien aus besorgt. Wir brauchten bloß den von demselben ausgearbeiteten Reiseplan zu consultiren.
Ueber das im Innsbrucker Theater stattgehabte Concert wüßte ich weiter nichts zu erwähnen, als daß Joachim’s Auftreten die gewohnte Begeisterung hervorrief. Neu jedoch war eine uns bisher unbekannte Vorsichtsmaßregel der umsichtigen Direction, welche auf das eingestrichene „a“ des Concertflügels einen blauen Streifen Papier hatte kleben lassen, um dem im Clavierspielen nicht besonders gewandten Theaterdiener das „A-Angeben“ zum Stimmen der Violine zu erleichtern. Praktisch!
Am 5., Nachmittags 1 Uhr, traten wir die Reise nach Mailand an, wo wir am andern Morgen, 7 Uhr, halb erstarrt von Kälte ankamen. Die Eisenbahnwagen waren nicht geheizt und hofften wir bei der Ankunft im Hotel wenigstens warme Zimmer zu finden. Doch vergebens! Der Italiener ist nicht auf den Winter eingerichtet, unsere deutschen Oefen kennt er nicht und bei dem luftigsten Kaminfeuer kann der abgehärtete Nordländer erfrieren. Daher auch der schlaue Sohn des Südens selten zu Hause bleibt, wenn die Kälte anfängt ihm unbequem zu werden. Er steckt heiße Kastanien in die Taschen, um sich die Hände zu erwärmen, und geht auf der Gasse spazieren, der Sapormenter!
In Mailand wirkt seit etwa 20 Jahren ein Musikverein „Società del Quartetto“, an dessen Spitze der um die dortigen Musikverhältnisse hochverdiente holländische Consul Emil Struth steht. Diese Gesellschaft von Kunstfreunden läßt alljährlich Einladungen an ein oder mehrere Kunstgrößen ergehen, die (mit Ausschluß des übrigen Publikums) in den von ihr veranstalteten Concerten mitwirken. Dieses Jahr war Joachim der Auserwählte und ich denke, die Mailänder Kunstfreunde dürfen sich dazu gratuliren, denn mit dem ersten Bogentrich eroberte Meister Joachim sein Publikum und besiegte das Vorurtheil, daß deutsche Musiker wohl gründliche, aber trockene, langweilige Gesellen, ohne jedes wärmere Empfinden seien. Die „Gesangscene“ von Spohr war die erste Nummer, welche Joachim den Mailändern zum Besten gab. Kaum hatte der Edelste der Violinvirtuosen die ersten Tacte des Recitativs gespielt, als ein Beifallssturm losbrach, der sich im Verlaufe des Stückes wohl noch unzähligemale wiederholte und steigerte, wie ich ihn noch nie und nirgends erlebt.
Nach dem ersten Concerte war ganz Mailand in ein „Joachimfieber“ versetzt. Man unterhielt sich von nichts mehr als von ihm. Visitenkarten, Gratulationsschreiben, Sonetten, Einladungen und unvermeidliche Stammbücher regnete es förmlich. Den einzig freien Abend in Mailand widmete Joachim unserem Freunde Emil Struth. Im Kreise seiner liebenswürdigen Familie und einer Anzahl Gäste, worunter auch Bazzini und Boito, verlebten wir herrliche Stunden. Joachim spielte zum Entzücken Aller Bach’sche Suiten und Sonaten und schließlich vereinigte sich noch der liebenswürdige alte Maestro Bazzini mit Joachim und mir, um das Trio in Es-dur von Mozart zu Gehör zu bringen.
Unter den großen, Joachim erwiesenen Ehren hebe ich noch besonders eine Aufführung der 2. Symphonie von seinem Lieblingscomponisten Johannes Brahms durch das Orchester der „populairen Concerte“ (welche Sonntag Nachmittags stattfinden) unter Andreoli hervor. Die Compositionen dieses Meisters haben auch hier rasch die Gunst der Musiker und der Musikfreunde gefunden. Von den drei in Mailand stattgehabten Concerten waren die zwei ersten dem Solospiele und das letzte der Kammermusik gewidmet. Joachim spielte Compositionen von Bach, Tartini, Leclair, Spohr, Mendelssohn, Schumann und Max Bruch und ich war so frei den Italienern Mozart, Chopin und Schumann ohne Extraspesen vorzusetzen. Im Kammermusik-Concerte spielte Joachim mit den Herren De Angelis, Cernichiaro und Mattioli die Quartette in C-dur Op. 59 von Beethoven und G-dur von Haydn und mit mir Schumann’s A-moll-Sonate.
Die Mailänder Zeitungen überboten sich förmlich in ihrem Enthusiasmus für Joachim und auch ich kam nicht schlecht weg dabei. — „Hier ischt etwas sehr Gutes über Sie“, mit diesen Worten kam mir unser schweizerischer Hotelportier, die „Perseveranza“ in der Hand, entgegen. „Verstehet Sie italienisch?“ — „Kein Wort!“ — „Nu so will ich’s Ihne übersetze“. „Es steht hier“, fuhr er fort, „daß die Herre „Kopin“ und Schumann in der letztezte Zeit hier ware, daß aber keiner“ — „So geschwitzt hat“ unterbrach ich ihn — „Nein, keiner so gut „gegeigt“ hat wie Herr Bonawitz.“
Ich war natürlich von der Mittheilung, daß die vor 25—30 Jahren verstorbenen Herre „Kopin“ und Schumann in der letztezte Zeit gegeigt hatten, so ergriffen, daß ich augenblicklich beschloß, dem gefälligen Manne ein gutes Trinkgeld zu geben, was auch ganz gewiß geschehen wäre, wenn ich zufällig 5 oder 10 Centimes kleines Geld in der Tasche gehabt hätte.
Nach Mailand war Venedig die bedeutendste italienische Stadt, die wir berührten. Wir „wasserten“ daselbst gegen 8 Uhr Abends und wurden von Frontali (einem ehemaligen Schüler Joachim’s) und Consul Baron Texeiria de Mattos, dem liebenswürdigen Besitzer des Palastes der Desdemona, empfangen und in der Gondel des Letzteren nach dem „Grand Hotel“ gebracht.
Gleich beim Eintritt ins Hotel begegnete uns der Pianist Leopold von Meyer, der mit seiner jungen Frau und einem Hündchen nach Venedig gekommen war, um seine Gesundheit zu pflegen. „Erinnern Sie sich noch, wie ich Sie als ganz jungen Menschen in London kennen lernte?“ sagte er zu Joachim, „Sie waren damals schon ganz classisch und ich nur halb, deshalb verkehrten wir auch nicht viel miteinander.“ „Während Sie eigentlich jetzt erst recht anfangen, muß ich bald ins Gras beißen“, sagte er schmerzlich. — Wir waren sehr gerührt und wurden erst wieder heiter als uns Meyer’s bekannte Rechtfertigung einfiel. „Warum spielen Sie nichts von Beethoven?“ soll ihn irgend Jemand gefragt haben, worauf er erwiederte: „Hätte Beethoven was von mir gespielt!“
Nachdem wir uns umgekleidet und etwas genossen hatten, gingen wir ins Theater „Fenice“, wo sich die „Favoritin“ bereits im 2. Acte befand. Das Haus ist wunderschön und das Orchester vorzüglich. Das Solopersonal dagegen war durchwegs unzulänglich, der Chor desgleichen. Ich hatte so was selbst in L. nicht erlebt. In Deutschland verlasse ich gewöhnlich nach dem 3. Acte das Theater, aber in Venedig gingen wir Alle nach dem 2., um den St. Marcus-Platz bei Nacht und ohne Mondenschein zu sehen. — Das am darauffolgenden Tag stattgehabte Concert wurde mit demselben Beethoven’schen Quartett eröffnet, welches Joachim in Mailand gespielt hatte. Erstaunt waren wir über die ausgezeichneten Instrumentalkräfte in Italien. Die Gesangskunst scheint dagegen noch größere Rückschritte zu machen als bei uns, was bei dem ungleich begabteren Volke nur schwer zu begreifen und zu entschuldigen ist. Das vor wenigen Jahren gegründete „Liceo Benedetto Marcello“ erfreut sich eines tüchtigen Lehrkörpers und strebsamer Eleven, die den Joachim’schen „Bach-Vorträgen“ mit begeisterter Aufmerksamkeit lauschten. Joachim erzielte überhaupt mit den Vorführungen der Werke unseres Altmeisters die allergrößten Erfolge in Italien, was uns zugleich überraschte und hocherfreute.
Venedig ist, wie Mailand, auf dem besten Wege, eine Heimstätte deutscher Kunst zu werden. In der „Fenice“ wurde gerade „Lohengrin“ vorbereitet und das „Liceo Benedetto Marcello“ thut das Uebrige, um unsere deutsche Instrumental-Musik einzubürgern.
Die venetianischen Blätter waren ebenfalls sehr liebenswürdig, bis auf eines, welches fand, daß Joachim zu viel deutsche (das heißt zu wenig melodische) Musik spiele, und man meinem Spiele zu sehr die deutsche Genauigkeit und Gründlichkeit anmerke. Wer hat nun recht, der Leipziger Kunstgelehrte, der mir „Nonchalence“ und „Salonausdrücke“ vorwarf, oder der Venetianer? — Dem einen bin ich zu solide, dem Anderen zu liederlich!
Erkläre mir, Graf Oerindur!
J. H. Bonawiz.
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Musik.
Meine Reise mit Joachim.
II.
Von Venedig reisten wir direkt nach Graz, wo wir am 16. Jänner kurz vor Mittag eintrafen. Da das Concert schon um 4 Uhr Nachmittags anfing und wir einige Stunden später wieder weiter, nach Wien, reisten, blieb uns, Dank der vielen Besuche, die Joachim empfing, auch kein Moment zur Erholung übrig.
Erstes Bild. In das mit Verehrern gefüllte Zimmer tritt eine schwarz verschleierte Dame. „Ich weiß nicht an welchen der anwesenden Herren ich mich wenden soll?“
„Wen wünschen Sie denn zu sprechen?“
„Herrn Professor Joachim.“
„Der bin ich.“
„Ach, das sieht man ja gleich!“
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Zweites Bild. Ein Vater tritt mit seinem „Wunderknaben“ herein. „Dürfte mein Sohn die Ehre haben, dem Herrn Director etwas vorzugeigen?“
Drittes Bild. Abermals ein Herr mit einer Violine unter dem Arm. „Würden Sie, Herr Professor, wohl die Freundlichkeit haben, sich meine neueste Verbesserung an der Violine anzusehen?“
Viertes Bild. Ein angehender Beethoven, mit einer 7 Pfund schweren Partitur, stellt sich Joachim vor und bittet um die Erlaubniß, ihm seine neueste Composition widmen zu dürfen. Natürlich hofft er, daß Joachim sie bald öffentlich spielen werde.
Fünftes Bild. Ein alter Herr, mit einer blauen Brille auf der rothen Nase, will wissen, wie Joachim von der Zukunftsmusik denkt.
Nun war mir’s aber denn doch zu toll. Ich ging zum Portier und band ihm auf die Seele, vor dem Concerte Niemanden mehr bei Joachim vorzulassen. Er that wie ich verlangte, schickte aber dafür die Leute zu mir. Als ich das endlich merkte, schloß ich die Thüre zu und ließ Alle nach Herzenslust klopfen. Einem besonders Zudringlichen jedoch mußte ich zuletzt öffnen, nachdem sich folgender Dialog durch die verschlossene Thüre entsponnen hatte: „Wer klopft denn gar so arg?“
„Ich möchte Herrn Joachim sprechen.“
„Herr Joachim ist nicht zu sprechen.“
„Ich muß aber Herrn Joachim sprechen, ich habe ihn seit 20 Jahren nicht gesehen.“
„Wenn Sie ihn so lange nicht gesehen und nicht gesprochen haben, dann können Sie wohl noch bis nach dem Concerte warten.“
„Sie denken doch nicht etwa, daß ich eine Karte geschenkt haben will?“
„Ich denke gar Nichts!“
„Nun, so machen Sie auf, ich werde Ihnen dann mein Concertbillet zeigen“
Während dieses Gespräches hatte ich meine Toilette beendigt und ließ den Zudringlichen herein.
„Warum wollen Sie mich nicht mit Joachim sprechen lassen?“
„Weil er noch mit seiner Toilette nicht fertig ist.“ Ist denn Ihre Angelegenheit gar so wichtig?
„Ja, ich will ihm einen Violinbogen verkaufen.“
Ich sah nun den Mann sehr ernst an und sagte: „Hüten Sie sich, Joachim vor dem Concerte zu belästigen, er wird sonst leicht grimmig wie ein Tiger (Gott verzeihe mir diese grobe Lüge!) und weiß dann nicht mehr was er thut.“
Das wirkte. Der Mann ging und ward nicht mehr gesehen. — Wenige Stunden nach dem Concerte, in welchem wir ein liebenswürdiges Publikum und ein recht tüchtiges Orchester kennen lernten, reisten wir nach Wien, wo Joachim allein in einem Gesellschafts-Concerte mitwirkte.
Bei dieser Gelegenheit hörte ich zum erstenmale Joachim’s neue Variationen mit Orchester, die mich ebenso sympathisch berührten wie alle seine übrigen mir bekannten Compositionen. Schade, daß Joachim so wenig schreibt! Die Leitung des Orchesters hatte Director Hellmesberger übernommen. Es war mir immer unbegreiflich, wie man in Wien, von verschiedenen Seiten, diesem Manne die Fähigkeiten ein Orchester zu leiten, absprechen konnte. Ich habe in meinem Leben vielleicht ein halbes Hundert verschiedene, größere und kleinere Orchester geleitet und glaube daher mit einiger Berechtigung sagen zu dürfen, daß Hellmesberger nicht bloß ein tüchtiger, sondern sogar ein ganz vorzüglicher Dirigent ist. Um die Joachim’schen Variationen so zu dirigiren, wie Hellmesberger mit einer Probe gethan, dazu gehört schon etwas mehr als bloße Routine.
Nachdem wir inzwischen in Linz concertirt hatten, fand am 21. das zweite Concert in Wien, im Bösendorfer’schen Saale statt. Joachim und ich eröffneten dasselbe mit Schumann’s A-moll-Sonate, dann folgten diverse Violinstücke von Spohr, Hiller, Paganini, sowie einige ungarische Tänze und den Schluß des Abends bildete Beethoven’s E-moll-Quartett Op. 59, vorzüglich executirt von den beiden Hellmesberger (Vater und Sohn), Herrn Hummer und dem Concertgeber. Der Andrang zu diesem Concerte war so außerordentlich, daß Hunderte abgewiesen werden mußten und Joachim dem allgemeinen Wunsche, ein 3. Concert zu veranstalten, seine Zustimmung ertheilte. Um dies zu ermöglichen, mußten jedoch zwei von den bereits in Galizien angekündigten Concerten rückgängig gemacht werden.
In Pest wurde Joachim durch die Verwechselung mit einem ungarischen Violinvirtuosen in die größte Heiterkeit versetzt. Es geschah dies im Restaurant des „Grand Hotel Hungaria“, wo eine Zigeunerbande spielte, welche, da sie erfahren, daß der „Geigerkönig“ anwesend, immer näher rückte, bis sie sich endlich unserem Tische gegenüber befand.
Joachim, der großen Gefallen an ihrem Spiele hatte, ließ nun für jeden der Zigeuner eine Flasche Wein und Cigarren bringen, worauf das Haupt derselben, mit dem gefüllten Glase in der Hand, sich Joachim ehrerbietigst näherte und „Eljen — Reményi!“ rief. Ich habe Joachim nie herzlicher lachen hören.
Im ersten Pester Concerte, (welchem ich nur als Zuhörer beiwohnte) spielte Joachim in seiner unnachahmlichen Weise das Beethoven’sche Concert, die „Gesangscene“ und seine neuen Variationen. Eine Schaar musikstudirender Knaben, von 10—15 Jahren erwartete ihn am Eingang des Redoutensaales, geleitete ihn schweigend hinauf, folgte ihm jeden Schritt, den er im Künstlerzimmer that, und lief wieder ebenso schweigend hinter ihm her, als er den Saal dann verließ.
Diese stillschweigende kindliche Ovation machte Joachim viel Vergnügen.
In Miskolcz passirte es uns, daß wir wegen eines Concertflügels in Verlegenheit geriethen. Das für dieses Concert von Wien abgesandte Clavier traf nicht rechtzeitig ein, und so blieb uns im letzten Moment nichts übrig, als mit einem Instrumente, auf welchem vielleicht vor fünfzig Jahren ein Sohn Arpads die Tonleitern gelernt, fürlieb zu nehmen. Es waren zwar nur zwei Hämmer (das große c und das kleine a) gebrochen, die anderen waren alle noch gesund, wenn auch ziemlich stark von Podagra gelähmt, aber angenehm darauf zu spielen war es doch nicht.
Joachim rief mir nach jedem Satz der „Kreutzer Sonate“, die unglücklicher Weise gerade an jenem Abend auf dem Programm stand: „Armer Bonawiz“ zu, was ich nur mit einem wehmuthsvollen, schmerzerfüllten Lächeln beantworten konnte.
Bei unserer Ankunft in Kaschau (6 Uhr Abends) erfuhren wir, daß ein junger Cellist, Herr Elischer, Mendelssohn’s B-dur-Sonate mit mir spielen sollte. Es
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war dies das einzigemal, daß unser Agent eine fremde Kraft hinzugezogen. Wir fuhren also zunächst zur Probe und dann erst ins Hotel, wo uns gerade noch knapp Zeit zur Concert-Toilette übrig blieb.
Debreczin ist bekanntlich berühmt durch seine Schinken und Würste, neuerdings aber auch durch sein Conservatorium und durch sein wirklich prachtvolles Theater.
Da wir zufällig am Geburtstage Mozart’s in Debreczin concertirten, beschlossen wir, ihm zu Ehren eine nicht auf dem Programm angekündigte Sonate des unsterblichen Meisters zu spielen.
Erst nach vielem Bemühen jedoch erhielten wir die dazu nöthigen Exemplare. Als nun der rechte Moment gekommen, trat ein Debrecziner Cavalier hinaus, um dem Publikum in ungarischer Sprache den Grund der Programmerlängerung auseinanderzusetzen, worauf wir durch den Vortrag der B-dur-Sonate Mozart in unserer Weise feierten.
Nachdem wir noch in Großwardein gespielt, kehrten wir nach Pest zurück, wo Joachim diesmal Concerte von Viotti und Brahms, und ich Händel’s G-moll-Suite und Chopin’s B-moll-Scherzo spielte. Liszt, der dem Concerte sowohl als auch der Probe beiwohnte, beehrte uns mit einer Einladung für den nächsten Tag, und hatte sogar die Liebenswürdigkeit uns vor Tisch mehrere neu erschienene Clavierstücke vorzuspielen.
Während er die Etude eines Spree-Atheners vortrug, sagte er: „Recht kühn für einen Berliner!“ Graf Zichy, den durch den Verlust seines rechten Armes berühmt gewordenen „Linke-Hand-Spieler“, nannte er den Glücklichsten der Menschen, weil er keinen Rivalen habe. Man sieht, Liszt ist trotz seiner 69 Jahre immer noch geistreich und voller Humor. Mögen ihm diese liebenswürdigen Eigenschaften noch lange erhalten bleiben! Mit Pest wäre mein Engagement eigentlich zu Ende gewesen, doch verschaffte mir Brahms’ verspätetes Eintreffen das Vergnügen, noch ein Concert in Groß-Kanisza mitzumachen, und Joachim in Wien bei seinem 3. Concerte zu begleiten. Nach dem Wiener Concerte traten die Meister Brahms und Joachim eine achttägige Concertreise nach Galizien an, und ich zog mich nach London zurück, wo ich vorläufig noch in Erwartung der Dinge lebe, die da kommen sollen.
J. H. Bonawitz.

My Journey with Joachim.
I.
On the evening of January 2, a large number of students from the Hochschule gathered at the Anhalter Bahnhof in Berlin to bid farewell to their revered master, Joseph Joachim, who was setting out on an artistic tour of several weeks through Italy, Austria-Hungary, Galicia, and Bohemia. After Joachim had received the various floral tributes and addressed a few friendly words to his devoted pupils, the bell gave the signal to board, and a few moments later the iron horse bore us toward Innsbruck, where the first concert took place on the 4th. Hardly had we passed a few stations when I noticed that the man usually so serious can be very cheerful and humorous. He spoke all dialects—from Saxon to German-Hungarian—with a perfection that filled me with astonishment and amusement.
Travel seems to be for Joachim a kind of recreation. The almost superhuman exertions imposed upon him by his position as director of the Hochschule, together with the continual rehearsals and performances of his quartet and orchestra, leave him no real opportunity for composure; and thus one truly comes to know the great artist in the fullness of his humanity only while en route, on his travels.
Upon our arrival in Innsbruck, at 11 o’clock in the evening of January 3, we found the rooms reserved for us at the Hotel “Golden Sun” very comfortable and well heated. Thanks to the foresight of our agent in Vienna, we had no need throughout the entire tour to trouble ourselves about hotels or train departures and arrivals. Everything had been arranged from Vienna; we had only to consult the itinerary he had prepared.
Of the concert held in the Innsbruck theatre I have nothing further to report except that Joachim’s appearance aroused the customary enthusiasm. New to us, however, was a precautionary measure adopted by the prudent management: a blue strip of paper had been pasted on the “a” above Middle C on the concert grand, in order to assist the theatre attendant—who was not particularly skilled at the keyboard—in giving the A for tuning the violin. Practical!
On the 5th, at one o’clock in the afternoon, we set out for Milan, where we arrived the following morning at seven, half frozen with cold. The railway carriages were unheated, and we hoped at least to find warm rooms at the hotel upon arrival. In vain! The Italian is not equipped for winter; he does not know our German stoves, and even the most generous fireplace can leave the hardened northerner freezing. Hence the clever son of the South rarely remains at home when the cold becomes uncomfortable. He puts hot chestnuts in his pockets to warm his hands and strolls about in the streets—the rascal!
In Milan there has existed for some twenty years a musical society, the “Società del Quartetto,” at whose head stands the Dutch consul Emil Struth, highly meritorious for the musical life there. This society of art lovers annually invites one or more eminent artists to perform (to the exclusion of the general public) in its concerts. This year Joachim was the chosen one, and I think the Milanese may congratulate themselves: from the first stroke of the bow, Master Joachim conquered his audience and dispelled the prejudice that German musicians are indeed thorough, but dry and dull fellows, devoid of warmer feeling. Spohr’s “Gesangsszene” was the first piece Joachim offered them. Hardly had the noblest of violin virtuosi played the opening bars of the recitative when a storm of applause broke out, which recurred and intensified innumerable times during the course of the piece, as I have never before or since experienced.
After the first concert, all Milan was seized with a “Joachim fever.” One spoke of nothing else. Visiting cards, letters of congratulation, sonnets, invitations, and inevitable autograph albums fairly rained down. Joachim devoted his only free evening in Milan to our friend Emil Struth. In the circle of his charming family and a number of guests—including Bazzini and Boito—we spent delightful hours. Joachim played Bach suites and sonatas to everyone’s delight, and finally the kindly old maestro Bazzini joined Joachim and me in performing Mozart’s Trio in E-flat major.
Among the many honors shown to Joachim, I should particularly mention a performance of the Second Symphony of his favorite composer, Johannes Brahms, by the orchestra of the “popular concerts” (held Sunday afternoons) under Andreoli. The compositions of this master have here, too, quickly found favor with musicians and music lovers. Of the three concerts in Milan, the first two were devoted to solo playing and the last to chamber music. Joachim played works by Bach, Tartini, Leclair, Spohr, Mendelssohn, Schumann, and Max Bruch, and I took the liberty of presenting the Italians with Mozart, Chopin, and Schumann without extra charge. In the chamber concert, Joachim performed with Messrs. De Angelis, Cernichiaro, and Mattioli Beethoven’s Quartet in C major, Op. 59, and Haydn’s in G major, and with me Schumann’s Sonata in A minor.
The Milanese newspapers outdid themselves in enthusiasm for Joachim, and I too came off rather well. “Here is something very good about you,” said our Swiss hotel porter, approaching me with the Perseveranza in hand. “Do you underschtand Italian?”— “Not a word!”—“Well then I translate it for you.” “It says here,” he continued, “that the gentlemen ‘Kopin’ and Schumann have been here lately, but that none” — “has sweated so well,” I interrupted — “No, none has “fiddled” so well as Herr Bonawitz.”
I was naturally so moved by the news that the gentlemen “Kopin” and Schumann, who died 25–30 years ago, had been playing here recently, that I immediately resolved to give the obliging man a good tip—which I would certainly have done had I happened to have 5 or 10 centimes of small change in my pocket.
After Milan, Venice was the most important Italian city we visited. We “watered” there at about eight in the evening and were received by Frontali (a former pupil of Joachim’s) and Consul Baron Texeira de Mattos, the amiable owner of Desdemona’s palace, and conveyed in his gondola to the Grand Hotel.
Upon entering the hotel we encountered the pianist Leopold von Meyer2, who had come to Venice with his young wife and a little dog to restore his health. “Do you remember how I met you as a very young man in London?” he said to Joachim. “You were already quite classical then, and I only half so; that is why we did not associate much.” “While you are really only just beginning now, I must soon bite the dust,” he added sorrowfully. We were deeply moved, and only regained our cheerfulness when we recalled Meyer’s well-known justification: when someone asked him, “Why do you not play anything by Beethoven?” he replied, “Did Beethoven ever play anything of mine?”
After changing and taking some refreshment, we went to the Teatro La Fenice, where La Favorita was already in the second act. The house is beautiful and the orchestra excellent; the soloists, however, were throughout inadequate, and the chorus likewise. I had never experienced anything like it, even in L. In Germany I usually leave the theatre after the third act, but in Venice we all departed after the second in order to see St. Mark’s Square at night and without moonlight.
The concert held the following day was opened with the same Beethoven quartet that Joachim had played in Milan. We were astonished by the excellent instrumental forces in Italy. Vocal art, on the other hand, seems to be declining even more than with us—something difficult to understand and excuse in a people so much more naturally gifted. The recently founded “Liceo Benedetto Marcello” boasts a capable faculty and industrious pupils, who listened with enthusiastic attention to Joachim’s “Bach lectures.” Indeed, Joachim achieved his greatest successes in Italy with performances of our old master’s works, which both surprised and delighted us.
Venice, like Milan, is well on the way to becoming a home of German art. At the Fenice, Lohengrin was in preparation, and the Liceo Benedetto Marcello is doing the rest to establish our German instrumental music.
The Venetian papers were likewise very kind, with one exception, which found that Joachim played too much German (that is, too little melodic) music, and that my playing bore too clearly the marks of German precision and thoroughness. Who, then, is right—the Leipzig connoisseur who reproached me with “nonchalance” and “salon mannerisms,” or the Venetian? To one I am too solid, to the other too careless!
Explain that to me, Count Oerindur!3
J. H. Bonawitz
II.
From Venice we traveled directly to Graz, where we arrived on January 16 shortly before noon. As the concert began already at four in the afternoon and we departed again for Vienna a few hours later, we had not a moment’s rest, thanks to the many visitors Joachim received.
First scene. A lady in black veil enters the room filled with admirers. “I do not know to which of the gentlemen present I should turn.”
“Whom do you wish to speak with?”
“Professor Joachim.”
“That is I.”
“Ah, one can tell at once!”
Second scene. A father enters with his “prodigy.” “Might my son have the honor of playing something for the Director?”
Third scene. Another gentleman, violin under his arm: “Would you, Professor, be so kind as to examine my latest improvement to the violin?”
Fourth scene. An aspiring Beethoven, with a seven-pound score, presents himself and requests permission to dedicate his latest composition to Joachim—naturally hoping it will soon be publicly performed.
Fifth scene. An elderly gentleman with blue spectacles on a red nose wishes to know Joachim’s opinion of the “music of the future.”
At this point it became too much for me. I went to the porter and impressed upon him that no one was to be admitted to Joachim before the concert. He obeyed—but sent them all to me instead. When I finally realized this, I locked the door and let them knock to their hearts’ content. One particularly persistent individual, however, I had at last to admit after the following dialogue through the closed door:
“Who is knocking so violently?”
“I wish to speak with Herr Joachim.”
“Herr Joachim is not receiving.”
“But I must speak with him—I have not seen him for twenty years.”
“If you have neither seen nor spoken with him for so long, you can surely wait until after the concert.”
“You do not suppose I want a complimentary ticket?”
“I suppose nothing!”
“Well then open the door; I will show you my ticket.”
During this exchange I had finished dressing and admitted the intruder.
“Why will you not let me speak with Joachim?”
“Because he has not yet finished dressing. Is your business so very important?”
“Yes—I want to sell him a violin bow.”
I looked at the man very seriously and said: “Take care not to trouble Joachim before the concert; he may easily become as fierce as a tiger (God forgive me this gross lie!) and then no longer know what he is doing.”
That did the trick. The man left and was not seen again.
A few hours after the concert—in which we encountered a gracious audience and a very capable orchestra—we traveled on to Vienna, where Joachim alone participated in a society concert.
On this occasion I heard for the first time Joachim’s new variations with orchestra, which impressed me as sympathetically as all his other compositions known to me. It is a pity that Joachim writes so little! The orchestra was conducted by Director Hellmesberger. I have always found it incomprehensible that in Vienna some have denied this man the ability to conduct an orchestra. I have directed perhaps fifty orchestras in my life, large and small, and may therefore claim some authority in saying that Hellmesberger is not merely competent but indeed an excellent conductor. To conduct Joachim’s variations as he did after a single rehearsal requires something more than routine.
After a concert in Linz, the second concert in Vienna took place on the 21st in the Bösendorfer Hall. Joachim and I opened with Schumann’s Sonata in A minor, followed by various violin pieces by Spohr, Hiller, and Paganini, as well as several Hungarian dances; the evening concluded with Beethoven’s Quartet in E minor, Op. 59, excellently performed by the two Hellmesbergers (father and son), Herr Hummer, and the concert-giver. The demand for tickets was so great that hundreds had to be turned away, and Joachim consented to general requests for a third concert—necessitating the cancellation of two already announced engagements in Galicia.
In Pest, Joachim was thrown into great amusement by being mistaken for a Hungarian violin virtuoso. This occurred in the restaurant of the Grand Hotel Hungaria, where a gypsy band, having learned that the “king of violinists” was present, gradually approached until they stood before our table. Joachim, greatly pleased with their playing, had a bottle of wine and cigars brought for each of them, whereupon their leader, glass in hand, approached him respectfully and cried: “Éljen—Reményi!” I have never heard Joachim laugh more heartily.
In the first Pest concert (which I attended only as a listener), Joachim played Beethoven’s concerto, the Gesangsszene, and his new variations in his incomparable manner. A group of music students aged ten to fifteen awaited him at the entrance to the Redoutensaal, silently escorted him upstairs, followed his every step in the artists’ room, and then just as silently followed him out again. This mute, childlike ovation greatly delighted him.
In Miskolcz we found ourselves in difficulty for want of a concert grand. The instrument sent from Vienna failed to arrive in time, and we had at the last moment to make do with a piano on which, perhaps fifty years ago, a son of Árpád had practiced his scales. Only two hammers (high C and A) were broken; the others were still intact, though somewhat paralyzed with gout—but pleasant to play it was not.
After each movement of the “Kreutzer Sonata,” which unfortunately stood on the program that evening, Joachim called out to me: “Poor Bonawiz,” to which I could respond only with a melancholy, pained smile.
Upon our arrival in Kaschau (six in the evening), we learned that a young cellist, Herr Elischer, was to perform Mendelssohn’s B-flat major sonata with me. This was the only occasion on which our agent engaged outside assistance. We went first to rehearsal and only then to the hotel, where we had just enough time left for concert dress.
Debrecen is well known for its hams and sausages, but more recently also for its conservatory and its truly splendid theatre. As we happened to be performing there on Mozart’s birthday, we decided to honor him by playing a sonata not listed on the program. Only after considerable effort did we obtain the necessary parts. When the moment arrived, a Debrecen gentleman stepped forward to explain to the audience in Hungarian the reason for the program’s extension, after which we celebrated Mozart in our own way with the B-flat major sonata.
After further concerts in Grosswardein, we returned to Pest, where Joachim played concertos by Viotti and Brahms, and I performed Handel’s G minor suite and Chopin’s B minor scherzo. Liszt, who attended both the rehearsal and the concert, honored us with an invitation for the following day and even had the kindness to play several newly published piano pieces for us before dinner.
While performing an étude by a “Spree Athenian,” he remarked: “Quite bold for a Berliner!” Count Zichy, the “left-hand pianist” made famous by the loss of his right arm, he called the happiest of men, because he has no rival. One sees that Liszt, despite his sixty-nine years, remains witty and full of humor. May these amiable qualities long be preserved to him!
My engagement really ended in Pest, but Brahms’s delayed arrival afforded me the pleasure of participating in another concert in Gross-Kanisza and accompanying Joachim in his third concert in Vienna. After the Vienna concert, the masters Brahms and Joachim undertook an eight-day concert tour to Galicia, while I withdrew to London, where for the present I live in expectation of what is yet to come.
J. H. Bonawitz









- For biographical detail, see: Schleifer, Martha Furman. “Bonawitz, Johann Heinrich.” Grove Music Online. 26 May. 2010; Accessed 25 May. 2026. https://www-oxfordmusiconline-com.unh.idm.oclc.org/grovemusic/view/10.1093/gmo/9781561592630.001.0001/omo-9781561592630-e-1002087242.; See also: https://mmm2.mugemir.de/doku.php?id=bonewitz ↩︎
- Leopold de Meyer (Leopold von Meyer, 1814–1883) was a virtuoso Austrian pianist and salon‑music composer, famed in the mid‑19th century for his brilliant touring career across Europe and America. ↩︎
- Graf Oerindur is the tragic protagonist of Adolf Müllner’s once hugely popular fate‑tragedy Die Schuld (1813), whose life is destroyed by an irreconcilably “split” nature—torn between Northern and Southern heritage—and by inherited guilt; by mock‑appealing to this emblematic figure of divided character to decide whether he is “too slovenly” (for the Leipzig connoisseur who reproached him with “nonchalance” and “salon expressions”) or “too solid” (for the Venetian critic, who heard only German exactness and thoroughness), Bonawiz measures these mutually exclusive clichés—north‑German rigor versus southern ease—against Oerindur’s inner conflict, at the same time shrugging them off as a pseudo‑tragic dilemma no authority can meaningfully resolve. ↩︎