Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Generalintendanz des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar, 183, Bl. 7
Joseph Joachim, presumably to Franz Liszt
Leipzig, am 30 Septbr 1850
Lieber Herr Doctor!
Wenn Sie wüßten in welchem Musikwirrwar: Con=
servatoriums=Prüfungen, täglichen Aufführungen des
leidigen Propheten oder der unleidlichen Rosenfee u. s. w.
ich in der letzten Woche gesteckt habe, Sie würden
es mit bekannter Güte gern entschuldigen, daß ich
nicht Nachricht von mir gegeben habe, um so mehr da
ich mir nicht schmeichelte, daß Sie welche erwarteten.
Sie scheinen es aber zu wünschen, und das ist mir ge=
nug um Ihnen augenblicklich mitzutheilen, daß ich nach unse=
rer Uebereinkunft dem Leipziger Concertdirectorium
angezeigt habe, daß ich Mitte Octobers meine Stelle
in Weimar antreten würde. Ich kan demnach am
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15ten October bei Ihnen erscheinen, wen Sie mich wollen.
Sollten Sie aber Weimar vor diesem Tag verlassen, so
müßte ich suchen einige Tage früher hier abzukomen,
den ich würde es freilich für ein böses Omen halten,
müßte ich meine Stelle in Ihrer Abwesenheit an=
treten. Wen Sie mir über diesen Punkt Beruhigung
geben wollten, würde ich Ihnen sehr dankbar sein.
Auch bitte ich Sie, mich wißen zu laßen, ob es nötig, daß
ich dem Herrn Kamerherr von Ziegesar nochmals
direkt schreibe.
In Verehrung und Freundschaft
Ihr ergebener
Joseph Joachim
Leipzig, September 30, 1850
Dear Doctor,
If you knew in what musical confusion—Conservatory examinations, daily performances of the wearisome Prophet, or the insufferable Rosenfee, etc.—I have been entangled in this past week, you would, with your well-known kindness, willingly excuse me for not having sent you word of myself, all the more as I did not flatter myself that you were expecting any. But you seem to wish it, and that is enough for me to inform you immediately that, according to our agreement, I have notified the Leipzig Concert Directorate that I would take up my post in Weimar in mid-October. Accordingly, I can present myself to you on the 15th of October, if you will have me. Should you, however, leave Weimar before this day, then I must try to get away from here a few days earlier, for I would indeed consider it a bad omen if I had to assume my post in your absence. If you would be so kind as to give me reassurance on this point, I would be very grateful to you. I also ask you to let me know whether it is necessary that I write once again directly to Herr Chamberlain von Ziegesar.
With respect and friendship,
Your devoted
Joseph Joachim