Bentley’s Miscellany, vol. 25 (London, May, 1849), pp. 646-647.


jj-initials

MUSICAL NOTES FOR MAY
BY TARTINI’S FAMILIAR

… if one desired a text, a theme whereupon to perform a sonata of praise, conviction, and hope, à la mode Germanorum, here is one within our gates ready to hand at this very “time of asking,” — in the head, heart, bow-arm, five fingers, and Cremona of young Joachim the violin player, who is more likely than not, one day to become THE VIOLIN PLAYER! More sterling nature — more sterling art — do not exist than those which he has to present to us. He exhibits power, passion, and prudence on his instrument — he plays like a man and like a master, because he has worked, and still works, like a scholar and a patient aspirant. Anything simpler, sincerer, or nobler than his style — anything completer, more perpetually instinct with intelligence, than his execution — comes not within my record. It was to him that poor Mendelssohn used to point with pride — the pride of a true German and a true artist — as to one who was likely to do credit to their country. The composer loved to hear the boy (for it is only yesterday that Joachim was a boy) play his music; and encouraged, and counselled, and played with him, as though he had been the boy’s elder brother. Well, all that is over now! — and, for the moment, German discord bids fair to make German music cease out of the land. But should good days ever come again for the art, and life and health be spared to him (he is happily strong and sound — in this not the least of a genius or a prodigy) the world can hardly fail to hear, far and wide, of Joachim as Spohr’s successor, with additions and emendations.

Deutsche Übersetzung

MUSIKALISCHE NOTIZEN FÜR DEN MAI
VON TARTINIS VERTRAUTEM

… wollte man einen Text, ein Thema, worüber sich eine Sonate des Lobes, der Überzeugung und der Hoffnung à la mode Germanorum vortragen ließe, so liegt eines hier innerhalb unserer Tore, zur Hand eben in dieser „Zeit des Fragens“ — im Kopf, im Herzen, im Bogenarm, in den fünf Fingern und in der Cremona des jungen Geigers Joachim, der höchst wahrscheinlich einst DER GEIGER werden wird! Lauterer Natur — lauterer Kunst — als die, welche er uns darzubieten hat, gibt es nicht. Er zeigt Kraft, Leidenschaft und Besonnenheit auf seinem Instrument — er spielt wie ein Mann und wie ein Meister, weil er gearbeitet hat und noch arbeitet wie ein Gelehrter und geduldiger Aspirant. Etwas Einfacheres, Aufrichtigeres oder Edleres als seinen Stil — etwas Vollendeteres, fortwährend von Geist durchdrungener als seine Ausführung — ist mir nicht vorgekommen. Auf ihn pflegte der arme Mendelssohn mit Stolz hinzuweisen — dem Stolz eines wahren Deutschen und eines wahren Künstlers — als auf einen, der geeignet sei, seinem Vaterlande Ehre zu machen. Der Komponist liebte es, den Knaben (denn es ist ja erst gestern, dass Joachim ein Knabe war) seine Musik spielen zu hören; und er ermutigte ihn, beriet ihn und spielte mit ihm, als wäre er des Knaben älterer Bruder gewesen. Nun, all das ist jetzt vorbei! — und fürs Erste droht deutsche Zwietracht die deutsche Musik aus dem Lande verschwinden zu lassen. Sollten jedoch wieder bessere Tage für die Kunst kommen und ihm Leben und Gesundheit erhalten bleiben (er ist glücklicherweise kräftig und gesund — hierin nicht das Geringste von Genie oder Wunderkind), so kann die Welt kaum verfehlen, Joachim weithin als Spohrs Nachfolger zu hören — mit Zusätzen und Verbesserungen.