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[Joseph Joachim, unpublished MS, British Library: Joachim Correspondence, bequest of Agnes Keep, Add. MS 42718.]


Joseph Joachim to his Parents

[Düsseldorf], August 12 [1856]

Beloved parents,

I have been worried about many things since you heard from me last! Unfortunately, things didn’t go as well as they might have for me in Heidelberg; for the most part I had to struggle with my health, so that the cheerful enjoyment of the beautiful region and carefree creative activity, such as I had hoped for before I came, was out of the question.

Granted, it went better for me by the end of my stay here — but I had hardly begun to enjoy it when news of Schumann’s impending end called me away. You know my heartfelt admiration for the departed one, the warm sympathy that I hold for him and his family, and you may well imagine how deeply the news affected me; it was impossible to stay in Heidelberg and I traveled to Bonn, where indeed I found my deeply-mourned friend no longer among the living. I nevertheless found an opportunity, together with my colleague Brahms, to assist his esteemed wife with a number of acts of kindness.

Of course, Schumann’s condition in recent years has been such that, even as a friend, one wished for a release from the gloomy world that tormented the master; nevertheless, with his death it has become doubly palpable for me how much I have lost of pure benevolence, of encouraging sympathy for my artistic activities. You have no idea how loving, how gentle, how intelligent Sch. was — as a man and as a musician — in his interactions with honestly striving people of good will. Also, how in his never-resting diligence he was a true role model, whose whole significance is written in my heart for life.

After the funeral I traveled with Frau Sch: to here. Düsseldorf is on the way to Hanover, and I shall go back there tomorrow, if only temporarily, in order hear what the King’s plans are for September. I almost fear that I will have to accompany him to Norderney (Seaside resort — an island)! It wouldn’t be very congenial for me; though sea-baths might be quite good for me, and I am henceforth determined to face fortune with a good spirit. If I don’t have to go to Nordeney, I will go for a month to Berlin, in part because of the music library, which I do not yet know, and which I would like to use in the future, and partly also to see my friends there, namely the Arnims, since I far prefer them all to my acquaintances in Hanover. Just now I received a letter from dear Fritz, delayed in the mail, since it strayed first to Hannover, and then to Heidelberg before it caught up with me here. I had no idea that my dear brother was so near, and now I have not seen him! Have you received my last letter? I have not yet heard from you all, and I long so to know about you all in Pest. I will soon send you, from Hanover, the address where you may write to me. How did the baths suit dear Mother, and the stay in the country dear Father? And what is Hermine doing? Frau Schumann has very sweet children, with whom I liked to go for walks — that reminded me of my nieces and nephews!

Now that I am completely healthy again, and have reason to believe that, since my illness has played itself out, I am freed of it for a long time (through careful, regular living and cold baths, for ever!), I am again very happy, and want nothing other than to have good musical thoughts come into my head! I long for continual cheerfulness, and will give evidence of it through frequent writing.

With heartfelt greetings to you all,

Your

Joseph

Translation © Robert W. Eshbach 2017


                        12ten Aug.

Geliebte Eltern

Seitdem Sie zuletzt von mir gehört war ich mannigfach besorgt! Leider gieng es mir in Heidelberg selbst nicht das Beste; ich hatte meist mit meiner Gesundheit zu kämpfen, so ich an einen frohen Genuß der schönen Gegend an ein heiteres, schaffensfrohes Arbeiten, wie ich vor dem Kommen gehofft//

nicht zu denken war. In der letzten Zeit meines dortigen Aufenthalts freilich gieng es beßer— aber ich fieng kaum an mich dessen zu erfreuen, als mich die Nachricht von Schumanns bevorstehenden Ende dort fortrief. Sie kennen meine herzliche Verehrung für den verstorbenen, den warmen Antheil den ich für Ihn wie für die Familie derselben hege, und // werden denken können wie tief mich die Nachricht ergriff; es war mir unmöglich in Heidelberg zu bleiben und ich reiste nach Bonn, wo ich meinen tiefbetrauerten Freund zwar nicht noch lebend traf, doch wenigstens Gelegenheit fand seines verehrten Frau in manchem Liebesdienst nachträglich, vereint mit meinem Kollegen Brahms, beizustehen. //

Schumanns Zustand war freilich in den letzten Jahren so gewesen, daß man eine Erlösung aus der trüben Welt die den Meister quälte, selbst als Freund wünschte, dennoch ward mir mit dem Tode erst doppelt fühlbar wie viel ich an reinem Wohlwollen an fördernder Theilnahme für mein künstlerisches thun // verloren! Sie haben keine Idee wie liebevoll, wie mild, wie geistig Sch. als Mensch wie als Musiker gegen Reinstrebende Gutes Wollende im Umgang war. Auch darin wie im nimmer ruhenden Fleiß ein wahres Vorbild, deßen ganze Bedeutung mir für meine Lebens=Zeit ins Herz geschrieben ist. //

Nach dem Begräbnißtage reiste ich mit Frau Sch: hinher. Duesseldorf liegt auf dem Wege nach Hannover, und ich will morgen dorthin zurück, wenn auch nur vorläufig um zu hören was des Königs Pläne für den September sind. Fast fürchte ich, daß ich dann mit nach Nordeney (Seebad //

ein Insel) soll! Es wäre mir nicht sehr wilkommen; obschon mir vielleicht Meerbäder recht zuträglich sein könnten, und ich deshalb auch entschloßen bin mich mit gutem Geist ins Geschick zu ergeben. Brauche ich nicht nach Nordeney so würde ich mich noch auf einen Monat nach Berlin begeben, theils der musikalischen Bibliothek wegen, die ich noch nicht//

kenne und die ich gerne für die Zukunft brauchen will, theils auch um meine Freunde dort, namentlich Arnims wieder zu sehen da ich sie meinen Hanoverschen Bekannten allen weit vorziehe. Eben erhalte ich einen Brief von dem lieben Fritz, verspätet durch die Post; da er erst nach Hannover, dann nach Heidelberg//

gewandert war, bevor er mich hier traf. Ich hatte keine Ahnung dass der liebe Bruder so nah war, nun hab’ ich ihn doch nicht gesehen! Haben Sie meinen letzten Brief erhalten? Ich habe noch nicht seitdem von Ihnen allen gehört, und doch sehne ich mich recht von den lieben Allen in Pesth zu wißen?. Von Hannover aus will ich //

gleich schreiben wohin Sie addressieren sollen. Wie ist das Bad der lieben Mutter bekommen, und der Landaufenthalt dem lieben Vater? Und was macht Hermine? Frau Schumann hat sehr liebe Kinder, mit denen ich gerne auf Spatziergänge verkehrte — das erinnert mich an die Nichten und Neffen! //

Jetzt, wo ich wieder ganz frisch bin, und Grund habe zu glauben, daß ich durch die Sommer, wo sich mein Uebel recht austobte, auf lange, (bei vorsichtig regelmäsigem Leben und kalten Bädern auf immer!) befreit bin, bin ich auch wieder ganz //

freudig und will mir auch nichts als gute musikalische Gedanken in den Kopf kommen lassen! Ich sehne mich nach fortdauender immer Heiterkeit und will das durch oftes Scheiben beweisen.

Alles von Herzen grüßend,

Ihr

Joseph.