Joseph Joachims Briefe an Hermann Härtel in den Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin

Collection: Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin



Hermann Härtel (1803 — 1875)
Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv. Nr. Porträt K 20

Hermann Härtel (1803–1875) was a German music publisher who, as head of the Leipzig firm Breitkopf & Härtel, helped shape the musical culture of the nineteenth century through an astute combination of business acumen, editorial judgment, and close relationships with leading composers.

Born in Leipzig on 27 April 1803, Härtel was the eldest son of Gottfried Christoph Härtel, who had taken over the Breitkopf printing and music business at the turn of the century and transformed it into one of Europe’s foremost music-publishing houses. After Gottfried’s death in 1827, the firm was temporarily continued by his nephew Florenz Härtel. In 1835 Hermann assumed leadership of the house, later joined by his younger brother Raymund (1810–1888). Under their direction, Breitkopf & Härtel consolidated its position as a central institution in German musical life, building on innovations already introduced by Gottfried — such as pewter-plate engraving, the adoption of lithography in collaboration with Alois Senefelder, and the founding of the Allgemeine musikalische Zeitung in 1798 — while expanding the firm’s catalog and international reach.

Hermann’s tenure coincided with the era of Robert and Clara Schumann, Mendelssohn, and later Joachim and Brahms, all of whom he cultivated relationships with. From 1835 onward, the firm’s close connection with Robert Schumann in particular helped align Breitkopf & Härtel with the emerging canon of German Romantic music, and its editions and journals became important vehicles for the dissemination and critical discussion of new works. Surviving correspondence—such as letters from the young Joseph Joachim to Hermann Härtel in the 1850s—attests to his role not merely as a business partner but as a trusted intermediary within the network of composers and performers who defined mid‑century German musical culture.

Beyond his dealings with individual artists, Härtel presided over a period of diversification and modernization within the firm. Breitkopf & Härtel’s program of “complete” editions of composers such as Mozart and Haydn, begun under his predecessors and continued in his time, contributed significantly to the stabilization of a historical repertoire and to the scholarly presentation of music in print. The company also maintained a publishing profile that extended beyond music into literature and criticism, while its long‑standing periodical, the Allgemeine musikalische Zeitung (first series), remained a key forum for musical journalism up to its cessation in 1848. In Leipzig itself, Hermann became known as a prominent Bürger and patron; he commissioned the so‑called “Römisches Haus,” an architecturally distinctive residence that added to the city’s cultural prestige.

Hermann Härtel died in 1875, having spent four decades at the helm of a firm that, by then, was widely regarded as the most important music publisher in Germany. His legacy lies less in any single spectacular innovation than in the steady, patient stewardship of a house whose catalog, editorial practices, and networks defined much of what later generations would recognize as the nineteenth‑century musical canon. As a publisher deeply embedded in Leipzig’s artistic milieu, he bridged commerce and culture, ensuring that the work of his contemporaries reached a growing public while laying infrastructural foundations for the scholarly and practical transmission of music that extend well beyond his own lifetime.

Essay: Joseph Joachims Briefe an Hermann Härtel in den Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin

[English version below]

Joseph Joachims Briefe an Hermann Härtel geben Einblick in ein Verhältnis, das für Joachims Übergang vom Wunderkind an der Violine zum selbstbewussten Komponisten und „gewordenen Künstler“ von zentraler Bedeutung ist – ein Verhältnis, das sich innerhalb weniger Jahre von respektvoller Bittehaltung zu einer sicheren, freundschaftlichen Vertrautheit entwickelt. Zusammengenommen zeigen sie Härtel als Verleger, Mäzen, Kritiker, Vermittler und als Mitglied des Schumann‑Leipziger Kreises, dessen Urteil und Wohlwollen entscheidend mitbestimmt haben, wie der junge Joachim seine Laufbahn gedachte und gestaltete.

Für den jungen Joachim war Leipzig in den frühen 1850er Jahren nicht nur der Ort seiner Lehrjahre und frühen Erfolge, sondern auch das Zentrum einer musikalischen Machtkonstellation, in der das Haus Breitkopf & Härtel eine herausragende Stellung einnahm. An der Spitze dieser angesehenen Firma leitete Hermann Härtel einen Verlag, dessen Katalog den Kanon deutscher „Meisterwerke“ nicht nur abbildete, sondern aktiv mitprägte, und der über Institutionen verfügte – etwa die Gewandhauskonzerte und das, wenn auch bereits im Niedergang befindliche, doch noch nachwirkungsmächtige Erbe der Allgemeinen musikalischen Zeitung –, die den Zugang zu den angesehensten institutionellen Sphären des musikalischen Lebens vermittelten. Wer an Härtel schrieb, wandte sich daher immer zugleich an eine Person und an eine Institution: Joachims Briefe pendeln fortwährend zwischen direkter persönlicher Ansprache und dem Bewusstsein für das größere Ganze, für das „Haus“ und seine „Herren Kollegen“. 

In diesem Kontext erscheint Härtel für Joachim als eine Schlüsselfigur der Legitimation – nicht als glanzvoller Gönner vom Typ Liszt, sondern als nüchterner, ernst zu nehmender Schiedsrichter, dessen Zustimmung bedeutet, dass Joachims Werke zu jenen „Meister‑Schöpfungen“ gehören, welche das Repertoire definieren. Zugleich zeigen die Briefe, wie tief Joachims Verhältnis zu Härtel in einem weitgespannten Netzwerk verankert ist, das Liszt und Ferdinand David ebenso umfasst wie vor allem Robert und Clara Schumann, für die beide Männer sich persönlich verantwortlich fühlen. Härtel ist damit nicht nur ein Geschäftsmann, sondern ein Mentor und Türhüter zu den angesehensten Sphären des musikalischen Lebens. 

Der früheste erhaltene Brief, aus Weimar im Februar 1852, ist von beinahe zeremonieller Ehrfurcht geprägt. Joachim hebt eingangs hervor, wie oft er schon Gelegenheit gehabt habe, „Ihrer Güte mich dankbar zu erfreuen.“  Der konkrete Anlass ist Härtels Bereitschaft, auf Liszts Empfehlung hinsichtlich Joachims Kompositionen einzugehen, was dieser als Zeichen einer „freundschaftlichen Gesinnung für mich“ liest. Im Zentrum des Briefes steht jedoch Joachims Freude darüber, seine ersten Werke im Verlag Breitkopf & Härtel erscheinen zu sehen: „Es ist eine große Freude, Erstlingswerke in einem Verlag erscheinen zu sehen, der wie der Breitkopf und Härtel’sche durch so viele Meister‑Schöpfungen geziert ist.“ Diese „Freude“ schreibt er ausdrücklich Härtels „freundlichen Wohlwollen für den angehenden Autor“ zu und fügt den Wunsch an, „daß spätere Werke das Vertrauen […] rechtfertigen mögen, mit welchem Sie den ersten entgegenkommen.“ 

Zwei Züge treten hier bereits deutlich hervor. Zum einen bezeichnet sich Joachim gegenüber Härtel ausdrücklich als „Autor“, nicht nur als Violinist, und denkt seine Werke in einer Linie mit den „Meister‑Schöpfungen“ des Verlagskatalogs. Zum anderen konstituiert der Brief ein Verhältnis, das auf einer asymmetrischen, aber warm anerkannten Abhängigkeit beruht: Joachim weiß sich verpflichtet, dankbar, und ist darauf bedacht, sich des entgegengebrachten Vertrauens würdig zu erweisen. Der Ton ist ehrerbietig, aber nicht unterwürfig; er trägt den Stempel eines Musikers, der die Leipziger Maßstäbe verinnerlicht hat und sich an ihnen messen lassen will. 

Die beiden nächsten Briefe, aus dem Herbst und Winter 1852, kreisen um Einladungen zu Auftritten im Gewandhaus und um Joachims Unvermögen – oder Unwillen –, diese Einladungen anzunehmen. In beiden Fällen ist es Härtel, der zwischen Joachim und der „Concert‑Direction“ in Leipzig vermittelt; die Briefe handeln mindestens so sehr von Joachims Selbstpositionierung wie von praktischer Organisation. Im September 1852 schreibt er, die Aufforderung, im ersten Gewandhaus‑Konzert zu spielen, habe ihm „außerordentlich erfreut“, da sie ein Beweis sei, „daß die geehrte Concert‑Direction meiner freundlich gedenkt.“ Zugleich erläutert er, warum er die Einladung nicht annehmen könne: Lohengrin stehe am selben Tag auf dem Spielplan des Weimarer Theaters, und die Violinen der Kapelle seien zu schwach besetzt, als dass er es „verantworten könnte, um meine Dispensation gerade für dies Werk nachzusuchen.“ 

Joachim bittet Härtel, seinen Kollegen in Leipzig sowohl den „herzlichsten Dank für die freundliche Absicht“ als auch sein „aufrichtiges Bedauern“ darüber auszurichten, dass er der Einladung nicht nachkommen könne. Dann geht er auf die soeben eingetroffene Ausgabe seines Op. 2 ein.1 An dieser Stelle wird der Brief persönlicher: Joachim entschuldigt sich dafür, dass er sich noch nicht einmal für die „gütig übersandten Exemplare“ bedankt habe, und gesteht, er habe gehofft, dies bei einem Besuch in Leipzig persönlich nachholen zu können. Er sei von der Ausgabe „freudig überrascht“ gewesen und habe „gar nicht geglaubt, daß sich die ‚3 Stücke‘, die im Manuscript nichts weniger als anmuthig aussahen, so allerliebst gedruckt ausnehmen könnten.“ In dieser beiläufigen Bemerkung wird sichtbar, welche transformierende Kraft Joachim dem Verlag zuschreibt: Die verlegerische Arbeit veredelt und verschönt seine etwas unbeholfenen „3 Stücke“ und macht sie im wörtlichen Sinne salonfähig. 

Der Dezemberbrief 1852 steigert diese Rhetorik dankbarer Verweigerung noch einmal. Joachim bekennt, er fürchte sich „wirklich davor, abermals sagen zu sollen, ich könne nicht gern nächsten Concert nach Leipzig kommen.“ Er führt seine Verpflichtung zu einem Auftritt in Berlin – „wo ich dann zum ersten Male als Musiker hinreise“ – und den Wunsch, Zeit mit der Familie Mendelssohn zu verbringen, als stichhaltige Gründe an und bittet Härtel, diesen „Grund“ der Konzertdirektion gegenüber geltend zu machen. Ihm persönlich vertraut er jedoch mehr an: „daß ich wirklich den Wunsch hege, an dem Orte, der meine musikalische Laufbahn beginnen sah, in recht entschiedenem Lichte als gewordener Künstler aufzutreten.“ Mehr und mehr zweifle er daran, ob dies im laufenden Jahr noch möglich sein werde. 

Hier formuliert Joachim eine Schlüsselidee. Sein Zögern erscheint nicht als bloßes Terminkonflikt, sondern als Teil einer langfristigen Strategie der Selbstpräsentation. Er weiß, dass man sich in Leipzig an ihn als jugendlichen Virtuosen erinnert; zurückkehren will er erst, wenn er „in recht entschiedenem Lichte“ als das erscheinen kann, was er inzwischen geworden ist – nicht mehr nur Wunderkind, sondern gewordener Künstler. Indem er diese Überlegungen gerade Härtel anvertraut, erkennt er in ihm jemanden, der die Feinheiten künstlerischer Reputation versteht und solche Kalkulationen nachvollziehen und vielleicht diskret unterstützen kann. Das Verhältnis verschiebt sich damit von der formalen Beziehung Verleger–Autor in Richtung eines beratenden, mitfühlenden Vertrauten, auch wenn Härtels eigene Stimme in der Korrespondenz stumm bleibt. 

Im Oktober 1853 spricht Joachim Härtel erstmals als „Verehrter Freund“ an, nicht mehr als „Geehrter Herr Doctor“, ein Wechsel, der sowohl gesteigerte Vertrautheit als auch ein etwas ausgeglicheneres Verhältnis signalisiert. Ein Teil des Briefes gilt der Terminfrage für das lange besprochene Gewandhaus‑Konzert; Joachim äußert abermals den Wunsch, „mehrere Tage in Leipzig“ zu verbringen, um die lange Abwesenheit zu kompensieren. Am aufschlussreichsten ist jedoch die Passage, in der Joachim „noch eine Frage“ zur Publikation anschneidet. Er leitet sie mit der bemerkenswerten Bitte ein: Er könne sie nur stellen, „wenn Sie mir, bevor Sie dieselbe gelesen haben, im Stillen geloben, ohne jede Beimischung von Freundes‑Wohlwollen darauf zu antworten.“ Gerade in solchen Fällen, so fährt er fort, müssten „freundschaftliche Beziehungen […] die rücksichtloseste Aufrichtigkeit nur erleichtern.“ 

Die eigentliche Frage lautet, ob die „Herren Breitkopf und Haertel“ geneigt wären, in rascher Folge als seine Opera 3, 4 und 5 drei gewichtige Werke zu drucken: ein Violinkonzert (in einem Satz, mit Klavierauszug, der zugleich als kleine Partitur dienen soll),2 seine Ouvertüre zu Hamlet3 sowie ein Heft (drei) Violinstücke mit Klavierbegleitung.4 Könne Härtel die Frage „mit gutem Gewissen bejahen“, werde Joachim dafür sorgen, dass die Manuskripte bald vorlägen; die Freude, diese Werke herausgeben zu können, werde noch dadurch vergrößert, „daß sie in Ihrem Verlag erscheinen sollen, aus dem schon so viele meiner Lieblingswerke hervorgegangen sind.“ Sei die Herausgabe nicht möglich, möge Härtel die ihm „geraubte“ Zeit entschuldigen. 

Joachim entwirft Härtel hier zugleich als Freund und als strengen Richter. Er schaltet das „Freundes‑Wohlwollen“ ausdrücklich aus, um eine kommerziell und künstlerisch ehrliche Antwort zu erhalten; zugleich ist es die Freundschaft, die eine solche „rücksichtloseste Aufrichtigkeit“ überhaupt ermöglicht. In dieser Doppelrolle liegt ein Kern von Härtels Bedeutung: Joachim möchte, dass seine Werke den Maßstäben des Hauses und des Kanons standhalten, und er vertraut darauf, dass Härtel ihm sagt, wenn dies nicht der Fall ist. Die Anspielung auf die „Lieblingswerke“, die bereits bei Breitkopf & Härtel erschienen sind, bindet seine eigenen Ambitionen direkt an jenes Repertoire, das er selbst verehrt und spielt. 

Der letzte Brief der kleinen Reihe, aus Hannover im April 1855, zeigt ein Verhältnis, das sich in eine freundschaftliche Routine eingespielt hat. Joachim schickt die Korrekturen der „3 Stücke für Violine und Klavier“ zurück, entschuldigt sich für die „kleine Verspätung“ durch eine Osterreise und kündigt an, dass die Stimmen zum Violinkonzert und zur Hamlet‑Ouvertüre „in den nächsten Tagen“ folgen werden. Das gemeinsame Geschäft der Korrekturen, Fahnen und der baldigen Veröffentlichung ist inzwischen selbstverständlich geworden; ebenso selbstverständlich ist die geteilte Verantwortung für die Vorbereitung der Werke zum Druck. 

Bemerkenswerter ist der Übergang zu Nachrichten aus Düsseldorf und Endenich. Joachim berichtet, er sei soeben aus Düsseldorf zurückgekehrt, wo er Frau Schumann viel gesehen habe, und könne „tröstliche Nachrichten“ über den Zustand des „verehrten Kranken“ in Endenich mitteilen: „Er bessert sich von Tag zu Tag sichtbar und zeigt mehr und mehr Theilnahme für die Außenwelt – so daß selbst die Ärzte Hoffnung für seine Herstellung zu fassen anfangen.“ Und er fügt hinzu: „Ich schreibe es Ihnen, da ich Ihre Theilnahme für den verehrten Freund kenne.“ Das ist nicht mehr die Sprache eines Kunden, der seinem Verleger Bericht erstattet, sondern die eines Teilnehmers an einem gemeinsamen Kreis der Freundschaft und der Sorge, sicher, dass Schumanns Schicksal Härtel persönlich angeht. Der kurze Nachsatz über einen Brief an den Cellisten Coßmann, den Joachim im Vertrauen darauf beilegt, dass Härtel „einige Zeilen“ hinzufügt, unterstreicht, wie selbstverständlich er dessen vermittelnde und bürgende Rolle in den Angelegenheiten anderer Musiker voraussetzt. Härtels Schreibtisch ist ein Umschlagplatz für Geschäfte geworden, aber diese Geschäfte sind untrennbar mit gemeinsamen Loyalitäten verknüpft. 

Aus diesen Briefen lassen sich mehrere ineinandergreifende Linien herauslesen. Der Wechsel der Anrede – von „Geehrter Herr Doctor“ 1852 zu „Verehrter Freund“ 1853 – ist alles andere als bloße Formel; er markiert das allmähliche Reifen der Beziehung, in der Joachim sich von vorsichtiger Dankbarkeit zu selbstbewussten Bitten um offene Kritik und um die Veröffentlichung umfangreicher Werke vorwagt. Immer wieder betont er, was es bedeutet, dass seine „Erstlingswerke“ in einem von „so vielen Meister‑Schöpfungen“ gezierten Katalog erscheinen, und dass sein geplantes Konzert und die Hamlet‑Ouvertüre als Opera 3–5 dazukommen könnten: Es geht ihm nicht nur um Verbreitung, sondern um Zugehörigkeit, um das Eingereihtsein unter die Komponisten, deren Werke er bewundert. Die beiden Gewandhaus‑Absagen zeigen einen jungen Künstler, der sich seiner öffentlichen Erscheinung äußerst bewusst ist; sein Insistieren darauf, nach Leipzig als „gewordener Künstler“ zurückzukehren, verrät ein frühes Gespür für das eigene Image, und dass er diese Überlegung gerade Härtel gegenüber entfaltet, deutet darauf hin, dass er ihn nicht nur als Organisator, sondern als verständnisvollen Zeugen seiner Selbststilisierung betrachtet. Die hannoversche Bitte um „rücksichtloseste Aufrichtigkeit“ macht vielleicht die prägnanteste Grundsatzäußerung der gesamten Korrespondenz aus: Joachim sucht bei Härtel genau das, was ein junger Komponist dringend braucht und doch kaum einfordern kann – ein ehrliches Urteil über ambitionierte Werke, gegründet auf ästhetischen Maßstäben und Markterfahrung, aber geäußert im Geist der Freundschaft und nicht als reine Geschäftsentscheidung. Und der Bericht über Schumanns Besserung zeigt, dass Härtel für Joachim zu derselben moralischen Gemeinschaft gehört wie Clara Schumann, Coßmann und der weitere Kreis um den Kranken; der Austausch tröstlicher Nachrichten und die selbstverständliche Annahme, dass sie Härtel berühren, verleihen der Beziehung eine Dimension geteilter Sorge, die über Verträge und Korrekturabzüge hinausreicht. 

Was bedeutete Hermann Härtel also für den jungen Joseph Joachim? Zunächst verschaffte er ihm institutionellen Zugang und symbolische Verortung: Wer seine frühen Werke bei Breitkopf & Härtel veröffentlichen konnte, gelangte in die zentralen Bahnen des deutschen Musiklebens und rückte stillschweigend in die Nähe jener „Meisterwerke“, die der Verlagskatalog versammelte. Joachim empfindet deutlich, dass seine „Erstlingswerke“ durch dieses Impressum an Gewicht gewinnen, und schildert dies immer wieder als Geschenk, ja als Gnade, die er Härtels „freundlichem Wohlwollen“ verdankt. Zweitens bot Härtel Urteil: Joachim erbittet nicht einfach eine Zusage zur Publikation, sondern eine Antwort „mit gutem Gewissen“, gereinigt von „Freundes‑Wohlwollen“, weil er darauf vertraut, dass Härtel mit Autorität sagen kann, was in diesen Katalog gehört. Die Verbindung von persönlichem Vertrauen und kompromissloser Bewertung ist selten; die Sorgfalt, mit der Joachim seine Anfrage umrahmt, zeigt, wie hoch er sie einschätzt. Drittens fungierte Härtel als Vermittler und Schutzschild in Joachims Beziehung zu den Leipziger Institutionen: Wenn Joachim Einladungen nicht annehmen kann, ist es Härtel, den er bittet, Dank und Entschuldigungen an die „Concert‑Direction“ zu übermitteln; wenn er beeinflussen will, wie seine Abwesenheit verstanden wird, oder wenn er eine Rückkehr „in recht entschiedenem Lichte als gewordener Künstler“ plant, verlässt er sich darauf, dass Härtel seine Motive im bestmöglichen Licht darstellt. Und viertens wurde Härtel mit der Zeit zu einem Freund innerhalb von Joachims emotionaler und ethischer Welt: Die Passage über Schumanns sich bessernden Zustand in Endenich und die selbstverständliche Annahme, dass diese Nachricht Härtel innerlich angeht, markieren den Punkt, an dem ihre Beziehung das Feld von Geschäft und Karriereplanung hinter sich lässt und in das gemeinsame Erleben der Freuden und Krisen ihres Kreises hineinreicht. 

Diese kleine Sammlung von Briefen macht deutlich, dass Hermann Härtel keine Randfigur und kein bloßer Funktionsträger in Joachims frühen Jahren war, sondern ein zentraler Gesprächspartner in genau den Momenten, in denen er sich als Komponist definierte, sein öffentliches Bild justierte und sich im Leipziger Schumann‑Milieu der fünfziger Jahre verankerte. Durch Wohlwollen, Urteilskraft und Freundschaft half Härtel dem jungen Geiger, den Weg vom vielversprechenden „angehenden Autor“ zu jenem „gewordenen Künstler“ zu gehen, als der er sich später der Welt zeigen wollte. 


Essay: Joseph Joachim’s Letters to Hermann Härtel in the Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin

Joseph Joachim’s letters to Hermann Härtel provide insight into a relationship that was of central importance for Joachim’s transition from a violin prodigy to a self-confident composer and “fully formed artist.” Over the course of only a few years, Joachim’s initially deferential posture gave way to a more relaxed and secure intimacy. This one-sided correspondence, preserved in the Staatsbibliothek zu Berlin, inferentially portrays Härtel as publisher, patron, critic, intermediary, and fellow member of the Schumann–Leipzig circle, whose judgment and goodwill helped shape the way the young Joachim imagined and managed his career. 

For the young Joachim, Leipzig in the early 1850s was not only the city of his apprenticeship and early triumphs, but also the seat of a musical power‑center in which the firm of Breitkopf & Härtel played a dominant role. As head of that distinguished publishing house, Hermann Härtel presided over a catalogue that embodied and helped define the canon of German “masterworks,” and over institutions — such as the Gewandhaus concerts and the dwindling but still resonant legacy of the Allgemeine musikalische Zeitung — that mediated access to the most respected institutions of musical art. To write to Härtel was therefore to address both a person and an institution: Joachim’s letters constantly oscillate between direct personal appeal and institutional awareness.

In this context, Härtel becomes for Joachim a crucial figure of legitimation — not a star patron of the Lisztian type, but a steady, serious arbiter whose acceptance signifies that his works belong among those “master‑creations” which define the repertory. The letters also show how deeply embedded Joachim’s relationship with Härtel is in a larger network that includes Liszt, David, and above all Robert and Clara Schumann, for whom both men feel personal concern. Härtel is thus not only a businessman, but a mentor, and a gatekeeper to the most respected spheres of musical life.

The earliest letter, from Weimar in February 1852, is marked by almost ceremonious deference. Joachim begins by stressing how often he has had occasion to enjoy Härtel’s kindness with gratitude (“Oft schon hatte ich Gelegenheit Ihrer Güte mich dankbar zu erfreuen”). The concrete occasion is Härtel’s readiness to follow up on Liszt’s recommendation regarding Joachim’s compositions, which Joachim reads as a sign of “your friendly disposition toward me” (“Ihrer freundschaftlichen Gesinnung für mich”). The heart of the letter is Joachim’s delight at seeing his first works appear under the imprint of Breitkopf & Härtel: “It is a great joy to see one’s first works appear with a publisher which, like that of Breitkopf and Härtel, is adorned by so many masterworks” (“Es ist eine große Freude, Erstlingswerke in einem Verlag erscheinen zu sehen, der wie der Breitkopf und Härtel’sche durch so viele Meister‑Schöpfungen geziert ist”). He explicitly attributes this “joy” to Härtel’s “kindly goodwill toward a beginning author” (“freundlichen Wohlwollen für den angehenden Autor”), and adds the wish that “later works may justify the confidence with which you have met the first” (“daß spätere Werke das Vertrauen […] rechtfertigen mögen”).

Two features stand out. First, Joachim already identifies himself to Härtel as an “author” (Autor), not merely as a violinist, and he imagines his works on a continuum with the “Meister‑Schöpfungen” in the Breitkopf catalogue. Second, the letter constructs a relationship founded on asymmetrical but warmly acknowledged dependence: Joachim is obliged, grateful, and keen on proving himself worthy of the trust shown. The tone is deferential but not servile; it bears the stamp of someone who has internalized Leipzig’s standards and is eager to be measured by them. 

The second and third letters, both from late 1852, revolve around invitations to play at the Gewandhaus and Joachim’s inability — or unwillingness — to accept them. In each case, Härtel serves as the mediator between Joachim and the “Concert‑Direction” in Leipzig; the letters are as much about Joachim’s self‑positioning as about practical arrangements. In September 1852 Joachim writes that the invitation to play in the first Gewandhaus concert has given him “extraordinary pleasure as a proof that the respected concert direction kindly keeps me in mind” (“Die Aufforderung […] hat mich als Beweis, daß die geehrte Concert‑Direction meiner freundlich gedenkt, außerordentlich erfreut”). He then explains that he cannot accept, because Lohengrin is scheduled for the same day in Weimar and the violin section is too small for him to seek leave. The rationale is couched not only as external necessity but as a matter of responsibility: he “could not take it upon myself to request leave of absence precisely for this work” (“daß ich es verantworten könnte, um meine Dispensation gerade für dies Werk nachzusuchen”).

Joachim asks Härtel to relay both thanks and “sincere regret” to his colleagues in Leipzig, and then turns to the matter of the recently delivered edition of his Op. 2.5 Here the letter becomes more personal: Joachim apologizes for having failed to thank Härtel sooner for the “kindly forwarded copies,” and confesses that he had hoped to do so in person in Leipzig. He is “delighted” by the printing and admits that he “had never imagined that the ‘3 Pieces,’ which in manuscript looked anything but charming, could appear so utterly delightful in print” (“daß ich gar nicht geglaubt hätte, daß sich die ‘3 Stücke’, die im Manuscript nichts weniger als anmuthig aussahen, so allerliebst gedruckt ausnehmen könnten”). This anecdotal remark gives a glimpse into the transformative power Joachim attributes to the publishing house: the publisher’s craft ennobles and beautifies his somewhat awkward “3 Stücke,” literally making them fit to be seen.

The December 1852 letter intensifies this rhetoric of grateful refusal. Joachim confesses that he “truly dread[s] having to say once again that I would rather not come to Leipzig for the next concert” (“Ich fürchte mich wirklich davor, abermals sagen zu sollen, ich könne nicht gern nächsten Concert nach Leipzig kommen”). He presents his obligation to play in Berlin — “where I shall be traveling for the first time as a musician” (“wo ich dann zum ersten Male als Musiker hinreise”) — and his wish to spend time with the Mendelssohn family as legitimate reasons to decline, and asks Härtel to make this “reason” known to the concert directorate. But to Härtel personally he confides something more: “I truly cherish the wish to appear, in the place where my musical career first began, in a clearly defined light as a fully formed artist” (“daß ich wirklich den Wunsch hege, an dem Orte, der meine musikalische Laufbahn beginnen sah, in recht entschiedenem Lichte als gewordener Künstler aufzutreten”). He adds that he is increasingly doubtful that this will be possible that year.

This is a key formulation. Joachim casts his reluctance not as mere scheduling difficulty but as part of a long‑term strategy of self‑presentation. He knows that Leipzig remembers him as a youthful virtuoso; he wants to return only when he can appear “in a clearly defined light” as what he has become — no longer just a wunderkind, but a gewordener Künstler, a fully formed artist. In entrusting these thoughts to Härtel, Joachim implicitly recognizes his correspondent as someone who understands the stakes of artistic reputation and can sympathize with, and perhaps quietly support, such calculations. The letter thus deepens the relationship from formal publisher–client to something like a sympathetic adviser and confidant, even though Härtel’s own voice remains offstage.

By October 1853, Joachim addresses Härtel as “Esteemed Friend” (“Verehrter Freund”) rather than “Honored Herr Doctor,” a change that signals both increased intimacy and a more level tone. The first part of the letter deals with scheduling what will finally be a long‑desired Gewandhaus appearance, and Joachim again expresses the wish to spend “several days in Leipzig” to make up for the long interval since his last visit. The most revealing passage, however, comes when Joachim introduces “one more question” about publication. He prefaces it with a striking request: “I can only put [this question] if, before reading it, you will silently promise me to answer without any admixture of friendly goodwill” (“eine Frage, die ich indeß nur thun kann, wenn Sie mir, bevor Sie dieselbe gelesen haben, im Stillen geloben, ohne jede Beimischung von Freundes‑Wohlwollen darauf zu antworten”). He explains that he would not ask this if he did not think that precisely in such cases “friendly relations ought rather to facilitate the most unreserved candor” (“freundschaftliche Beziehungen in ähnlichen Fällen gerade die rücksichtloseste Aufrichtigkeit nur erleichtern müßten”). 

The “question” is whether Breitkopf & Härtel would be inclined to publish, in close succession as his Opp. 3, 4, and 5, three substantial works: a violin concerto (one movement, with piano reduction doubling as a miniature score)6, his Hamlet overture,7 and a set of violin pieces with piano.8 If Härtel can answer “in the affirmative with a clear conscience” (“mit gutem Gewissen bejahen”), Joachim promises to send the scores soon, adding that the pleasure of publishing them will be heightened by the fact that they appear with “your firm, from which so many of my favorite works have already emerged” (“daß sie in Ihrem Verlag erscheinen sollen, aus dem schon so viele meiner Lieblingswerke hervorgegangen sind”). If publication is not possible, he asks Härtel to excuse the time the inquiry has taken. 

Here Joachim constructs Härtel as both friend and strict judge. He explicitly brackets out “Freundes‑Wohlwollen” in order to elicit a commercially and artistically honest answer, while simultaneously invoking the friendship as the condition which makes such “rücksichtloseste Aufrichtigkeit” possible. This duality is central to Härtel’s significance: Joachim wants his works to live up to the standards of the house and of the canon, and he trusts Härtel to tell him if they do not. The reference to “my favorite works” already published by the firm links Joachim’s aspirations directly to the revered repertoire that Härtel has curated. 

The final letter in the sequence, from April 1855, shows a relationship that has settled into amicable routine. Joachim sends back corrected proofs of “the three pieces for violin and piano,” apologizing for the slight delay caused by an Easter journey, and notes that the parts for the violin concerto and the Hamlet overture will follow “in the next few days.” The business of corrections, proofs, and imminent publication is now taken for granted, as is the shared responsibility for preparing scores for press.

More telling, though, is the transition to news from Düsseldorf and Endenich. Joachim writes that he has just come from Düsseldorf, where he saw Clara Schumann a great deal, and that he can share “comforting news” about Robert Schumann’s condition in the Endenich asylum: “He is improving visibly from day to day and shows more and more interest in the outside world – so that even the doctors are beginning to entertain hope for his recovery” (“Er bessert sich von Tag zu Tag sichtbar und zeigt mehr und mehr Theilnahme für die Außenwelt – so daß selbst die Ärzte Hoffnung für seine Herstellung zu fassen anfangen”). Joachim adds: “I write this to you because I know of your concern for the esteemed friend” (“Ich schreibe es Ihnen, da ich Ihre Theilnahme für den verehrten Freund kenne”). This is no longer the language of a client updating his publisher; it is that of a participant in a shared circle of friendship and mourning, confident that Schumann’s fate matters personally to Härtel. The brief postscript about a letter to the cellist Coßmann, written on the assumption that Härtel will add “a few lines” (“einige Zeilen von Ihnen”), further underlines how naturally Joachim expects him to act as a mediator and guarantor in other musicians’ dealings. Härtel’s desk has become a kind of clearing‑house for business, but the business is inseparable from shared loyalties. 

Across these letters we can trace several interlocking themes. The shift in address — from “Honored Herr Doctor” (“Geehrter Herr Doctor”) in 1852 to “Esteemed Friend” (“Verehrter Freund”) in 1853 — is not merely formulaic; it tracks the gradual maturing of the relationship as Joachim moves from cautious gratitude to confident requests for candid criticism and for the publication of major works. Again and again, Joachim stresses what it means that his “first works” appear in a catalogue “adorned by so many masterworks,” and that his planned concerto and Hamlet overture might join them as Opp. 3–5: he wants not just circulation, but affiliation, to belong among the composers whose works he admires and performs. The two Gewandhaus refusals reveal a young artist intensely aware of how and where he appears; his insistence on returning to Leipzig as a “fully formed artist” (gewordener Künstler) shows a precocious sense of image‑management, and the fact that he confides this strategy to Härtel suggests he sees the publisher not just as a facilitator but as a sympathetic observer of his self‑fashioning. The Hanover letter’s pairing of “friendly relations” and “the most unreserved candor” is perhaps the most striking conceptual statement in the set: Joachim wants from Härtel precisely what a young composer most needs but can seldom demand, an honest verdict on ambitious works, grounded in both aesthetic standards and market realities, yet given in the spirit of friendship rather than mere commerce. And the 1855 report on Schumann’s condition shows that for Joachim, Härtel belongs to the same moral community as Clara Schumann, Coßmann, and the wider circle that surrounds the ailing composer; the exchange of news about Schumann’s “visible” improvement, and the assumption that such news matters deeply to Härtel, give the relationship a dimension of shared concern that transcends contracts and proofs.

What, then, was the significance of Hermann Härtel for the young Joseph Joachim? First, Härtel gave Joachim institutional access and symbolic placement: to have one’s early works published by Breitkopf & Härtel meant entry into the central channels of German musical life and implicit alignment with the “masterworks” that defined the house’s catalogue. Joachim clearly feels that his “Erstlingswerke” gain stature by appearing under this imprint, and he repeatedly frames this as a gift, even a grace, that he owes to Härtel’s “kindly goodwill.” Second, Härtel provided judgment: Joachim does not simply ask for publication; he asks for an answer given “with a clear conscience,” stripped of “friendly goodwill,” precisely because he trusts Härtel to speak with authority about what belongs in the catalogue. This combination of personal trust and uncompromising evaluation is rare, and Joachim’s elaborate preface to his request signals how much he values it. Third, Härtel functioned as a mediator and protector in Joachim’s relations with Leipzig institutions: when Joachim cannot accept invitations, it is Härtel he asks to convey thanks and excuses to the “Concert‑Direction”; when he wants to shape how his absence will be understood, or when he plans a return “in a clearly defined light as a fully formed artist,” he relies on Härtel to represent his motives in the best possible terms. Fourth, and increasingly over time, Härtel became a friend within Joachim’s emotional and ethical world: the passage about Schumann’s improving condition in Endenich, and the assumption that Härtel will care deeply about this news, mark the point at which their relationship extends beyond business and career strategy into shared participation in the joys and crises of their circle.

This collection of letters shows that Hermann Härtel was not a marginal or merely functional figure in Joachim’s youth, but a central interlocutor at precisely those moments when he was defining himself as a composer, calibrating his public image, and embedding himself in the mid‑century Leipzig–Schumann network. Through his goodwill, judgment, and friendship, Härtel helped the young violinist to pass from promising “beginning author” to the “fully formed artist” he so carefully wished to present to the world. 


Die Briefe/The Letters

Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845634003
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1E700000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 15.02.1852
Ort: Weimar
Entstehungsjahr: 1852
Kalliope-Nummer: 01634464
Signatur: Mus. Slg. Härtel 122
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital
Strukturtyp: manuscript

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Weimar, am 15ten Februar 1852

Geehrter Herr Doctor!

Oft schon hatte ich Gelegenheit Ihrer Güte
mich dankbar zu erfreuen. Die Bereitwillig=
keit, mit der Sie auf den von Dr Liszt in Be=
zug auf meine Compositionen geäußerten Wunsch
eingehen, ist mir neuerdings ein Zeichen Ihrer
freundshaftlichen Gesinnung für mich, das
mich zu herzlichstem Danke gegen Sie ver=
pflichtet. Es ist eine große Freude, Erstlings=
werke in einem Verlag erscheinen zu sehen,
der wie der Breitkopf und Härtel’schen
durch so viele Meister=Schöpfungen ge=
ziert ist, und da ich diese Freude Ihrem
freundlichen Wohlwollen für den angehen=

2

den Autor zu verdanken glaube, mögen Sie
daraus ermessen, wie aufrichtig ich mich Ihnen
verpflichtet fühle. Ich kann nur den Wunsch
aussprechen, daß spätere Werke das Vertraue=
en, mit welchem Sie den ersten entgegen kom=
men, rechtfertigen mögen!
Die betreffenden Stücke werde ich, sobald
das noch von mir zu machende Klavier=
Arrangement der Orchester=Begleitung
fertig ist, einsenden. Ich hoffe es wird
das in ungefähr 8 Tagen geschehen können,
und ich werde mir dann erlauben etwaige
Wünsche in Bezug auf die Art und Weise
der Publikation ihnen beizufügen.

3

Für heute nur noch die Bitte, mich Ihrer ver=
ehrten Familie freundschaftlichst empfeh=
len zu wollen. Hochachtungsvoll

Ihr
Aufrichtig ergebener
Joseph Joachim


Joseph Joachim to Hermann Härtel

Weimar, 15 February 1852

Honored Herr Doctor,

I have often already had occasion to enjoy your kindness with gratitude. The readiness with which you have complied with the wish expressed by Dr. Liszt in regard to my compositions is once again a sign of your friendly disposition toward me, and it obliges me to offer you my most heartfelt thanks. It is a great joy to see one’s first works appear with a publisher which, like that of Breitkopf and Härtel, is adorned by so many masterworks; and since I believe I owe this joy to your kindly goodwill toward a beginning author, you may judge from this how sincerely obliged to you I feel. I can only express the wish that later works may justify the confidence with which you have met the first.

I shall send the pieces in question as soon as the piano arrangement of the orchestral accompaniment, which I still have to prepare, is finished. I hope this may be done in about eight days, and I will then take the liberty of adding any wishes regarding the manner of publication.

For today, I would only add the request that you kindly remember me to your esteemed family. With the highest respect,

Your
most sincerely devoted,
Joseph Joachim

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Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845634321
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1E800000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 24.09.1852
Autor/in: Joachim, Joseph
Ort: Weimar
Entstehungsjahr: 1852
Kalliope-Nummer: 01634465
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Weimar, am 24ten Septbr [1852]

Verehrter Herr Doctor!

Die Aufforderung, welche mir Ihr werthes 
Schreiben brachte, im ersten Gewandhaus-Concer-
te zu spielen, hat mich als Beweis, daß die ge-
ehrte Concert-Direction meiner freundlich ge-
denkt, außerordentlich erfreut. Um so größer 
muß mein Bedauern sein, durch einen äußeren 
Umstand an der Annahme der Einladung ver-
hindert zu werden. Auf dem Repertoire 
der Weimar‘schen Bühne ist nämlich 
gerade für den 3ten Oktober, an welchem Tage auch das 
Abonnements-Concert in Leipzig sein soll, 
der Lohengrin aufgesetzt, und die Zahl 
der Violinen unserer Kapelle ist nicht so be-
deutend >als< daß ich es verantworten könnte, um

2

meine Dispensation gerade für dies Werk
nachzusuchen, so gerne ich auch den Wunsch der
Herren Concert-Directoren in Leipzig erfüllt
hätte. Ich theile Ihnen, verehrter Herr Doctor,
dies mit, und richte zugleich die Bitte an Sie,
Ihren Herren Kollegen meinen herzlichsten Dank
für die freundliche Absicht und mein aufrichti-
ges Bedauern darüber, daß ich der Einladung
nicht nachkommen kann, in meinem Namen
ausdrücken zu wollen.

Noch muß ich mich bei Ihnen besonders ent-
schuldigen, daß ich noch nicht einmal für die
gütig übersandten Exemplare meines Opus
2. gedankt habe! Längst einmal hoffte ich ein-
mal Sie in Leipzig aufsuchen zu können, um
Ihnen zu sagen, wie freudig ich durch die Ueber-
sendung der Stücke überrascht worden war,

3

und daß ich gar nicht geglaubt hätte, daß sich
die „3 Stücke“, die im Manuscript nichts weni-
ger als anmuthig aussahen, so allerliebst ge-
druckt ausnehmen könnten! Meinen allerherz-
lichsten Dank für die schöne Ausgabe, aus
welcher ich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin
die „3 Stücke“ bald vorzuspielen hoffe.

Das Violin-Concert ist in der Umarbeitung
nun fertig, und ich warte nur darauf, es
wieder einmal mit Orchester gehört zu
haben, um Ihnen das Manuscript einzuschicken.

Zu einer der nächsten Vorstellungen der Oper
unseres verehrten Freundes David werde
ich jedenfalls nach Leipzig kommen, und
hoffend, Sie und die Ihrigen dann recht wohl
und munter zu treffen, verbleibe ich,
lieber Herr Doctor, mit freundschaft-
lichen Grüßen

Ihr
ganz ergebener
Joseph Joachim

Weimar, 24th September [1852]


Joseph Joachim to Hermann Härtel

Honoured Herr Doctor,

The invitation which your valued letter brought me, to play in the first Gewandhaus concert, has given me extraordinary pleasure as a proof that the respected concert direction kindly keeps me in mind. All the greater must my regret be that, owing to an external circumstance, I am prevented from accepting the invitation. On the repertoire of the Weimar theatre, Lohengrin has been scheduled precisely for the 3rd of October, on which day the subscription concert in Leipzig is also to take place, and the number of violins in our orchestra is not so large that I could take it upon myself to request leave of absence precisely for this work, much as I would gladly have fulfilled the wish of the gentlemen concert directors in Leipzig.

I share this with you, honoured Doctor, and at the same time address to you the request that you be so good as to convey to your colleagues my heartfelt thanks for their friendly intention, and my sincere regret that I cannot comply with the invitation, in my name. I must also offer you my particular apologies for not having yet even thanked you for the kindly forwarded copies of my Opus 2! For a long time I kept hoping I might be able to visit you in Leipzig, in order to tell you how delighted I was by the sending of the pieces, and that I had never imagined that the “3 Pieces,” which in manuscript looked anything but charming, could appear so utterly delightful in print! My warmest thanks for the beautiful edition, from which I hope soon to be able to play the “3 Pieces” for you and your wife. The Violin Concerto is now finished in its reworking, and I am only waiting to have heard it once again with orchestra, in order to send you the manuscript. For one of the next performances of the opera by our esteemed friend David I shall in any case come to Leipzig, and, hoping to find you and your family then in very good health and spirits, I remain, dear Doctor, with friendly greetings

Your
very devoted
Joseph Joachim


Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845634755
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1EA00000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 12.1852
Autor/in: Joachim, Joseph
Signatur: Mus. Slg. Härtel 124
Kategorie(n): Musik, Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital
Strukturtyp: Handschrift

Joseph Joachim an Hermann Härtel

[Dez. 1852]

Verehrter Herr Doctor!


diese Zeilen erhalten Sie durch Herrn
Hilf, welcher mir versprochen hat, diesel-
ben unmittelbar nach seiner Ankunft
in Leipzig Ihnen zu übergeben, so
daß dieselben, wie ich hoffe, früh genug
in Ihr Hände kommen. Wie gerne
würde ich auf Ihren gütigen Brief
mit einem Jawort antworten! Ich
fürchte mich wirklich davor, abermals
sagen zu sollen, ich könne nicht gern

2

nächsten Concert nach Leipzig kommen.
Und doch, ich muß es thun, so oft ich auch
in mir hin und her überlegte, wie
eine solche Antwort zu vermeiden
wäre. Ich habe nämlich versprochen
den 13ten d. M. in Berlin zu spielen,
wo ich >dann< zum ersten Male als Musiker
hinreise. Es ist also für mich wichtig,
meine Zeit dort nicht zu sehr zu
beschränken, und einige Tage min-
destens nachher dort zu bleiben,
umsomehr als ich erst am 11ten von hier

3

abreisen kann, und auch gerne der Familie
Mendelssohn, deren Anwesenheit in Ber-
lin mich >zum< größten Theil mit zur Fahrt dahin
bestimmt einige Zeit weihen möchte.
Haben Sie die Güte, lieber Herr
Doctor, der verehrten Concertdirek-
tion gegenüber diesen Grund, der mich
an der Annahme der schmeichelhaften
Einladung hindert, geltend zu machen.
Ihnen darf ich noch besonders mitthei-
len, daß ich wirklich den Wunsch hege,
an dem Orte, der meine musikalische

4

Laufbahn beginnen sah, in recht ent-
schiedenem Lichte als gewordener Künstler
aufzutreten, und ich werde immer zweifel-
hafter, ob dies in diesem Jahr noch
sein werde. Wir sprechen hoffentlich
in Leipzig weiter und recht aus-
führlich darüber; ich werde nicht nach
Hannover, ohne zuvor mindestens ei-
nige Tage in Leipzig gewesen zu
sein, wo ich sehr darauf rechne
daß Sie [mich] in alter, freundlicher Ge-
wogenheit aufnehmen werden

Ihren
Joseph Joachim


Joseph Joachim to Hermann Härtel

[December 1852]

Honored Herr Doctor,

You will receive these lines through Herr Hilf, who has promised me to deliver them to you immediately upon his arrival in Leipzig, so that, as I hope, they may reach your hands in good time. How gladly I would reply to your kind letter with an affirmative! I truly dread having to say once again that I would rather not come to Leipzig for the next concert.

2

And yet I must do so, however much I have turned the matter over in my mind, seeking some way to avoid such an answer. I have, namely, promised to play in Berlin on the 13th of this month, where I shall be traveling for the first time as a musician. It is therefore important for me not to restrict my time there too greatly, and to remain there for at least several days afterward—especially since I can only depart from here on the 11th, and would also like to devote some time to the Mendelssohn family, whose presence in Berlin has, for the most part, been a determining factor in my decision to make the journey there.

3

Be so kind, dear Herr Doctor, as to make this reason—which prevents me from accepting the flattering invitation—known to the esteemed concert directorate. To you in particular I may also confide that I truly cherish the wish to appear, in the place where my musical career first began, in a clearly defined light as a fully formed artist; and I am becoming increasingly doubtful whether this will still be possible this year.

4

We shall, I hope, speak further and at length about this in Leipzig; I will not go on to Hanover without first having spent at least a few days in Leipzig, where I very much count on your receiving me with the same old friendly goodwill.

Your
Joseph Joachim


Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845633023
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1E600000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : o.D.
Autor/in: Joachim, Joseph
Kalliope-Nummer: 01634002
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Verehrter Herr Doctor

Sie laden uns
in so liebenswürdiger Wei-
se ein wieder bei Ihnen
zu wohnen, daß wir gewiß
sein dürfen nicht zu stören,
und so nehmen wir denn
herzlich gern Ihre Gastfreund-
schaft an. Daß es uns
aufrichtigst leid thut Ihre
liebe Frau Gemahlin
nicht in Leipzig treffen
zu sollen, brauche ich wohl
nicht erst zu sagen; wir

2

hoffen aber durch glück-
lichste Nachrichten von Ihrer
Frau Tochter bei unserer
warmen Theilnahme für
alle Ihrigen entschädigt
zu werden. Leider können
wir nur kurze Zeit blei-
ben, da uns ein Concert
zum 4ten nach Frankfurt
ruft; das ließ sich
bei den Verpflichtungen, die
ich dies Jahr im Ausland
übernommen habe, nicht
anders einrichten!

3

Doch darüber und über
vieles mündlich mehr;
wir hoffen Sie Sonntag
Abend zu sehen, da
wir Mittags hier ab-
reisen.

Mit unsern vereinigten
herzlichen Empfehlungen
an Sie und die lieben
Ihrigen

Joseph Joachim
Am 25ten


Joseph Joachim to Hermann Härtel

Honored Herr Doctor,

You invite us in so kindly a manner to stay with you again that we may be certain of not being an intrusion, and so we gladly accept your hospitality. That we are most sincerely sorry not to meet your dear wife in Leipzig, I scarcely need to say; we hope, however, to be compensated, through the happiest news from your daughter, by our warm sympathy for all your family. Unfortunately, we can stay only a short time, as a concert calls us to Frankfurt on the 4th; with the commitments I have undertaken abroad this year, it could not be arranged otherwise.

But more about that, and much else, in person; we hope to see you Sunday evening, as we depart from here at midday.

With our united heartfelt regards to you and your dear ones,

Joseph Joachim
the 25th


Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845634836
Purl: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1EB00000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 25.10.1853
Autor/in: Joachim, Joseph
Signatur: Mus. Sig. Härtel 125
Kategorie(n): Musik, Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital
Strukturtyp: manuscript

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Hannover, am 25sten Obr 1853

Verehrter Freund!

Die versprochene genaue Angabe der
Concert=Tag in Hannover kann ich Ihnen
nun endlich beiliegend schicken, damit
Sie in Uebereinstimmung damit einen
für mein Spielen im Gewandhaus passen=
den Tag wählen helfen. Ich würde
am liebsten im Monat März zu
Ihnen kommen, stehe indeß der ver=
ehrten Concert=Direktion gerne

2

auf zu einem andern Zeit nach Neu=
jahr zur disposition, falls es
erwünschter ist. Natürlich möchte
ich es gerne so einrichten bei der
Gelegenheit mehrere Tage in Leipzig
zuzubringen; es ist allzulange
daß ich meine dortige Freunde
nicht besucht habe, und ich möch=
te mich diesmal ein wenig dafür
entschädigen.

3

Und nun noch eine Frage, die ich
indeß nur Thun kann, wenn Sie mir, bevor
Sie dieselbe gelesen haben, im Stillen
geloben, ohne jede Beimischung von
Freundes=Wohlwollen darauf zu antwor=
ten; ich würde Sie aber nicht Thun, wenn
ich nicht meinte , daß freundschaftliche
Beziehungen in ähnlichen Fällen gera=
de die rücksichtloseste Aufrichtigkeit
nur erleichtern müßten. Ich nehme
an, Sie stimmen mir bei, und darf
nun also wohl ruhig fragen-

4

ob die Herren Breitkof und Haertel
geneigt wären: das längst erwartete
Concert (1 Satz mit Orchester und Klavier=
Auszug, der zugleich als kleine Parti=
tur mit genauer Angabe der verschiedenen
Instrumenten=Eintritte)  dienen müßte)
eine Ouverture zu Hamlet (in Parti=
tur und Orchester=Stimmen) und ein Heft
Violinstücke mit Klavier=Begleitung in
baldiger Aufeinanderfoge als meine
Opera 3, 4 und 5 zu drucken?

5

Können Sie die Frage mit gutem
Gewißen bejahen, so will ich dafür
sorgen, daß Sie die Sachen bald
erhalten, und es wird die Freude,
dieselben herausgeben zu können
dadurch vergrößert werden, daß
sie in Ihrem Verlag erscheinen
sollen, aus dem schon so viele
meiner Lieblingswerke hervorgegan=
gen sind. Ist die Herausgabe

6

nicht möglich, so entschuldigen Sie
die Zeit, welche die Anfrage Ihnen
geraubt.

Einer gütigen Antwort entgegen=
sehend, verbleibe ich mit den
herzlichsten Empfehlungen für
Sie und Ihre verehrte Familie
in aufrichtiger Ergebenheit

Ihr
Joseph Joachim

7

Verzeichniß der Concert=Abende in
Hannover:

II tes Concert               7 ten Janner
III tes ”  ”                     21 ten ”
IV tes ”  ”                     4 ten Februar
V tes ”  ”                      18 ten ”
VI tes ”  ”                     4 ten März
VII tes ”  ”                    18 ten ”
VIII tes ”  ”                   1 ten April


Joseph Joachim to Hermann Härtel

Hanover, 25 October 1853

Esteemed Friend,

I can now at last send you, enclosed, the promised exact dates of the concerts in Hanover, so that, in accordance with them, you may help choose a suitable day for my appearance at the Gewandhaus. I would prefer to come to you in the month of March; however, I willingly place myself at the disposal of the esteemed concert management for another time after the New Year, should that be more desirable. Naturally, I would like to arrange matters so as to spend several days in Leipzig on that occasion; it has been far too long since I visited my friends there, and this time I should like to make up for it a little.

And now one more question, which I can only put if, before reading it, you will silently promise me to answer without any admixture of friendly goodwill; I would not ask it if I did not think that in such cases friendly relations ought rather to facilitate the most unreserved candor. I assume you agree with me, and so I may now ask with confidence—

whether the firm of Breitkopf and Härtel would be inclined to publish, in close succession as my Opp. 3, 4, and 5: the long-awaited concerto (one movement with orchestra and a piano reduction, which would at the same time have to serve as a small score with precise indication of the entries of the various instruments), an overture to Hamlet (in score and orchestral parts), and a set of violin pieces with piano accompaniment?

If you can answer this question in the affirmative with a clear conscience, I shall see to it that you receive the works soon, and the pleasure of being able to publish them will be increased by the fact that they are to appear with your firm, from which so many of my favorite works have already emerged. If publication is not possible, then please excuse the time which this inquiry has taken from you.

Awaiting your kind reply, I remain, with my warmest regards to you and your esteemed family,

Yours in sincere devotion,
Joseph Joachim

List of the concert evenings in Hanover:
Second concert: 7 January
Third concert: 21 January
Fourth concert: 4 February
Fifth concert: 18 February
Sixth concert: 4 March
Seventh concert: 18 March
Eighth concert: 1 April



Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845635018
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1ED00000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 28.03.1854
Autor/in: Joachim, Joseph
Ort: Hannover
Entstehungsjahr: 1854
Kalliope-Nummer: 01634525
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

[28 März 1854]

Verehrter Freund!

Es war mir leider nicht mehr ge-
gönnt Sie vor meiner Abreise von
Leipzig zu sehen; so erlauben
Sie mir denn wenigstens schriftlich
ein Versprechen zu erfüllen, das
ich einem Musiker, Herrn Ehrlich,
gegeben hatte, Ihnen von seinen
künstlerischen Fähigkeiten zu

2

sprechen, da er wünschen muß
durch musikalische Arbeiten
seine drückenden Lebensverhält-
nisse seinem zu verbessern. Er
ist von einer wirklich staunens-
werthen Gewandtheit und Begabung;
so habe ich die schwierigsten
Quartette Beethovens nach eigenem
Arrangement von ihm vortrefflich
spielen hören, wie ich denn überhaupt

3

Arbeiten von ihm kenne, die ihn
zu jedem Arrangement für sein
Instrument, das Klavier, als vorzüg-
lich geeignet erweisen. Können
Sie ihn also zu ähnlichen Arbeiten
gebrauchen, so werden Sie gewiß
zufrieden mit seinen Leistungen
sein, und ihm seine Existenz in
Leipzig erleichtern, wo er sich
aufhält um seiner Neigung
für Musik frische Anregung

4

zu geben.

Mit dem Wunsche, daß meine
Empfehlung nicht unwillkommen
sein möge, verbleibe ich in
freundschaftlicher Ergebenheit und
Hochachtungsvoll

Joseph Joachim

Hanover, am 28ten März
1854.


Joseph Joachim to Hermann Härtel

Esteemed friend!

Unfortunately, I was no longer able to see you before my departure from Leipzig; therefore, allow me at least to fulfill in writing a promise I had made to a musician, Mr. Ehrlich, to speak to you of his artistic abilities, since he must wish to improve his pressing life circumstances through musical work. He possesses a truly astonishing facility and talent; I have heard him play excellently the most difficult quartets of Beethoven in his own arrangements, and in general I know works of his that prove him to be exceptionally well suited to any arrangement for his instrument, the piano.

If, therefore, you can make use of him for similar work, you will certainly be satisfied with his accomplishments, and will ease his livelihood in Leipzig, where he is staying in order to give fresh stimulus to his inclination for music.

With the wish that my recommendation may not be unwelcome, I remain in friendly devotion and with highest respect,

Joseph Joachim
Hanover, 28 March 1854


Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845635433
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1F000000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 01.03.1855
Autor/in: Joachim, Joseph
Ort: Danzig
Entstehungsjahr: 1855
Kalliope-Nummer: 01634531
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Danzig am 1ten März
1855

Verehrter Freund

Der Brief, den Sie an Frau Schumann zuletzt
geschrieben haben, enthält so vieles Gütige
auch für mich, daß ich wohl in der geehrten
Freundin Statt einmal antworten darf.
Zuerst also soll ich mittheilen, daß wir
als Concertgeber freundlichsten Dank sagen
für die Liebenswürdigkeit mit der Sie
sich unseres Vorhabens angenommen
haben! Es ist Frau Schumann nicht ganz
erwünscht, das Concert auf eine gelege-

2

nere Zeit hinaus zu schieben, und was
mich betrifft, so ist es mir lieb vor
dem 1ten April nicht nochmals einen klei-
nen Urlaub zu erbitten, (was zu dem Leipziger
Concert geschehen mußte) da des Königs Gnade
mir von diesem Zeitpunkt an doch andert-
halb Jahre ganz freies Schalten über
meinen Aufenthalt gönnen will, ohne mir
die Vortheile einer Anstellung zu entzie-
hen. Sie sehen, daß es uns nun recht
leicht werden wird, unser Versprechen bei
Ihnen einen Abend >zu< musiciren, auf

3

dessen Ausführung wir nicht verzichten, später
zu erfüllen, und ich brauche wohl nicht
erst zu versichern, wie sehr ich mich
darauf freue meine Leipziger Freunde
einmal auf einige Zeit ungestört
zu besuchen. Was nun das Concert
der Frau Schumann und meiner Wenigkeit
anlangt, so bitte ich Sie, uns aufrichtig
Ihre Meinung zu sagen, ob es etwa
im April noch gegeben werden könnte,
mit befriedigendem Erfolg? Meinen

4

Sie >vorläufig< daß dies möglich sei, so können
wir ja das Datum und alles Uebrige
später noch bestimmen. Sie haben wohl
die Güte, bald einige Worte darüber
an Frau Schumann oder an mich zu richten.
Vom 9ten März an werde ich wieder
in Hannover sein. Gestern haben wir
hier in Danzig ein Concert gegeben,
dem am nächsten Montag ein zweites
folgt. Der Aufenthalt in der eigenthüm-
lich gebauten Stadt ist recht angenehm!


Mit freundlichem Gruß
verehrungsvoll
Joseph Joachim

(Senkrechter Text am linken Seitenrand): Angelegentliche Grüße von Frau Schumann und mir an die verehrten Ihrigen, auch an die Familien Preusser u. Frege


Joseph Joachim to Hermann Härtel

Danzig, 1 March 1855

Esteemed friend,

The letter you most recently wrote to Frau Schumann contains so much kindness also toward me that I may well be permitted, in place of the honored lady, to reply for once. First of all, then, I am to convey that we, as concert-givers, offer our most cordial thanks for the kindness with which you have taken an interest in our undertaking. It is not altogether agreeable to Frau Schumann to postpone the concert to a more convenient time, and as for myself, I would prefer not to request another short leave before the 1st of April (as had to be done for the Leipzig concert), since from that point onward the King’s grace will grant me for a year and a half complete freedom to dispose of my whereabouts, without depriving me of the advantages of my position. You see, therefore, that it will now be quite easy for us to fulfill later our promise to spend an evening making music with you—something we do not wish to forgo—and I hardly need to assure you how much I look forward to visiting my Leipzig friends for a time without disturbance.

As for the concert by Frau Schumann and myself, I ask you to tell us frankly your opinion as to whether it might still be given in April with satisfactory success. If you think provisionally that this is possible, we can determine the date and everything else later. You would be so kind, I hope, as to write a few words about this soon, either to Frau Schumann or to me. From the 9th of March onward I shall be back in Hanover. Yesterday we gave a concert here in Danzig, to be followed by a second next Monday. Our stay in this peculiarly constructed city is most pleasant.

With friendly greetings,
respectfully yours,
Joseph Joachim

(Vertical text in the left margin): “Most cordial greetings from Frau Schumann and myself to your esteemed family, also to the Preusser and Frege families.”


Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845635069
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1EE00000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 20.04.1855
Autor/in: Joachim, Joseph
Signatur: Mus. Slg. Härtel 127
Kategorie(n): Musik, Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital
Strukturtyp: Handschrift

Joseph Joachim an Hermann Härtel

[20 April 1855]


Beifolgend erhalten Sie, verehrter
Freund, die Correcturen der 3 Stücke
für Violine und Klavier wieder;
ich bitte Sie die kleine Verspätung
durch eine Osterreise entschuldigen
zu wollen, die ich während der
Feiertage gemacht habe.
Da das baldige Erscheinen der
Stücke mir lieb wäre, schicke
ich sie fort, ohne diesmal die
Stimmen zum Violin-concert

2

und die Hamlet-Ouverture bei-
zufügen, die indeß in den näch-
sten Tagen nachfolgen sollen.
Wohl aber lege ich einen Brief
für Cossmann in Weimar wegen
der Correktür des Schumannschen
Violoncell-Concertes bei.
Ich komme aber von Dusseldorf
wo ich Frau Schumann viel gesehen
habe und kann Ihnen tröstliche

3

Nachrichten über das Befinden
des verehrten Kranken in Endenich
mitteilen. Er bessert sich von
Tag zu Tag sichtbar und zeigt mehr
und mehr Theilnahme für die
Außenwelt – so daß selbst die
Ärzte Hoffnung für seine Herstellung
zu fassen anfangen. Ich schreibe
es Ihnen, da ich Ihre Theilnahme
für den verehrten Freund

4

kenne .

Mit herzlichen Empfehlungen
der Ihr
Joseph Joachim

P.S. Der Brief für Coßmann ist in der Annahme
geschrieben, daß er einige Zeilen von Ihnen
zu demselben begleiten solle. So ist‘s doch recht?

J. J.

Hanover, den 20ten April
1855


Joseph Joachim to Hermann Härtel

[20 April 1855]

Enclosed you receive back, dear friend, the corrections of the three pieces for violin and piano; I must ask you to excuse the slight delay caused by an Easter journey which I made during the holiday days. Since I would be glad for the pieces to appear soon, I am sending them off without, this time, enclosing the parts for the violin concerto and the Hamlet overture, which are however to follow in the next few days. I am, however, enclosing a letter for Cossmann in Weimar, concerning the correction of Schumann’s cello concerto. I have just come from Düsseldorf, where I saw Frau Schumann a great deal, and I can give you comforting news about the condition of the esteemed patient in Endenich. He is improving visibly from day to day and shows more and more interest in the outside world – so that even the doctors are beginning to entertain hope for his recovery. I write this to you because I know of your concern for the esteemed friend.

With cordial regards,
yours,
Joseph Joachim

P.S. The letter for Coßmann is written in the assumption that a few lines from you
are to accompany it. That is all right, then, isn’t it?

J. J.

Hanover, 20 April 
1854


Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845635867
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1F200000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 27.04.1855
Autor/in: Joachim, Joseph
Ort: Hannover
Entstehungsjahr: 1855
Kalliope-Nummer: 01634535
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Mit vielem Dank, verehrter
Freund, zeige ich den Empfang
Ihres Briefes und der Sendung
an; ich hoffe das Klengel’sche
Werk den Sommer genau kennen
zu lernen. Der Bach-Band
kann nicht mir gehören, denn ich habe
die ganze Ausgabe, so weit sie
bis jetzt erschienen ist unter

2

meinen Noten. Kaum scheint
mir ein so lässiger Abonnent
zu verdienen, daß man ihm
weiter nachforsche!

Frau Schumann, die gestern hier
war, bat mich Sie zu erinnern,
daß der 4te Band der Bach=
Ausgabe (die Matthäus-Passion
enthaltend) noch nicht in ihre
Hände gelangt sei, da ich
erzählte daß ich Ihnen zu

3

schreiben vorhätte. Sie grüßt
freundlichst und indem ich meine
herzlichsten Grüße mit den ihrigen
vereine, verbleibe ich in hoch-
achtungsvoller Ergebenheit


Joseph Joachim.
Hannover, am 27t Apl
1855


Joseph Joachim to Hermann Härtel

With many thanks, dear friend, I acknowledge receipt of your letter and the consignment; I hope to get to know Klengel’s work thoroughly this summer. The Bach volume cannot belong to me, for I have the complete edition, insofar as it has appeared up to now, among my music. Hardly does so negligent a subscriber seem to me to deserve that one make further inquiries about him! Frau Schumann, who was here yesterday, asked me to remind you that the 4th volume of the Bach edition (containing the St. Matthew Passion) has not yet come into her hands, since I told her that I intended to write to you. She sends you her kindest greetings, and as I join my warmest greetings with hers,
I remain, in most respectful
devotion,

Joseph Joachim.
Hanover, 27 April
1855



Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845636022
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1F400000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : 20.07.1855
Autor/in: Joachim, Joseph
Ort: Innsbruck
Entstehungsjahr: 1855
Kalliope-Nummer: 01634550
Kategorie: Musik, Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Innsbruck am 20t Juli (1855)

Sie werden staunen aus Tyrol einen 
Brief zu erhalten — und von mir!
Ja, verehrter Freund, ich bin in 
Innsbruck, seit gestern und 
konnte mich an dem göttlichen 
Reichthum dieser Gegend schon 
recht erquicken. Die Großartigkeit 
der Alpen hat mich zum ersten 
Mal ihre Macht empfinden 
lassen; ich habe nie ähnliches

(Senkrechter Text am linken Seitenrand): Verzeihen Sie die elende oesterreichische Tinte im Wirthshaus.

2

gesehen. Die ernsten Alpen mit
ihren schroffen Wänden und Schnee=
gipfeln und doch die lieblichsten
Thäler so nah um den staunenden,
so warm.

Es wird Einem schwer da an eigenen
Angelegenheiten zu denken, und
gar Freunde mit Geschäftlichem zu
plagen — aber aus Gewissenhaftigkeit
muß ich’s doch thun. Ich werde nämlich
von Buxton9 gemahnt, der die bei

3

Ihnen erscheinenden Bratschenstücke10 in
London drucken soll, sie zu
schicken — nun ist aber Schumann
seit lange im Besitz meiner einzigen
Abschrift dieser Werke, und die Schwierig-
keit sie von dem verehrten Kranken 
wieder zu haben veranlaßt mich zu
der Frage an Sie, ob Sie mir wohl
erlaubten die Correcturen Ihrer Aus-
gabe später vor der Publikation
in Leipzig an Buxton zu senden.
Wenn es nicht ganz unthunlich ist,
so bitte ich Sie, verehrter Freund,

4

sehr um die Erlaubniß hinzu, die
mir Weitläufigkeiten ersparen
würde. Die Herausgabe der Bratschen-
stücke pressirt ja gewiß auch Ihnen
nicht so sehr, und so wird es sich
wohl machen lassen! Vielleicht
schreiben Sie mir nach Duesseldorf
gelegentlich ein paar Zeilen darüber;
dort werde ich wohl wieder in 3 Wochen
sein. Vorher aber hoffe ich recht
viel Schönes zu erleben und Ihrer
dabei zu gedenken; es geht nach Meran,
wohl auch an den Garda-See, zu Fuß!

Ihr
Joseph Joachim


Joseph Joachim an Hermann Härtel

Innsbruck, 20 July 1855

You will be astonished to receive a letter from Tyrol — and from me! Yes, dear friend, I am in Innsbruck since yesterday and have already been thoroughly refreshed by the divine richness of this region. The grandeur of the Alps has, for the first time, made me feel their power; I have never seen anything like it. The solemn Alps, with their sheer walls and snow-capped peaks, and yet the loveliest valleys so close around one, leaving one in astonishment, so full of warmth. It becomes difficult there to think of one’s own affairs, and even more to trouble friends with business matters — but out of conscientiousness I must do so. Buxton11 has reminded me to send the viola pieces that are to be published by you,12 which he is to print in London; however, Schumann has long been in possession of my only copy of these works, and the difficulty of retrieving them from the esteemed invalid prompts me to ask whether you might permit me to send Buxton the proofs of your edition later, before their publication in Leipzig. If it is not entirely impracticable, I earnestly ask for your permission, dear friend, which would spare me a great deal of trouble. The publication of the viola pieces is surely not so urgent for you either, and thus it should be manageable. Perhaps you might write me a few lines about this to Düsseldorf; I expect to be there again in three weeks. Before that, however, I hope to experience much that is beautiful and to think of you in doing so; I am heading to Merano, and perhaps also to Lake Garda—on foot!

Your
Joseph Joachim

(Vertical text in the left margin): Forgive the wretched Austrian ink at the inn.

Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845636200
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C1F600000000
Signatur: Mus. Slg. Härtel 131
Kategorie(n): Musik, Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital
Strukturtyp: Handschrift

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Am 28ten Septbr. [1855]

Wie es bisweilen vorkömmt
daß Dinge die uns sonst am
geläufigsten sind, sich plötzlich nicht
willig dem Gedenken darbieten,
vielleicht eben weil sie sich so
tief eingelebt haben daß sie
Gefühlssache geworden sind und
den Mechanismus des Denkens
fliehen, ähnlich, verehrter Freund,
ging‘s mir heute beim Briefschreiben.

2

Wie oft hatte ich die Gade’sche
Sinfonie und die Baillot’schen
Sachen mit Freude angesehen,
die mir eben immer Ihre freundliche
Gesinnung vor Augen brachten –
und nun wissen Sie nicht einmal
daß ich sie wirklich erhalten
habe! Erlauben Sie mir, Sie nun
noch heute mit dieser Nachschrift
aufzusuchen, damit ich nicht in

3

der Angst bleibe, Sie hielten mich
für unempfindlich gegen rechte
Güte. Die Gade’sche Sinfonie
hat mich lebhaft in meine erste
Zeit in Leipzig und meiner Bekannt-
schaft mit unserem Freund ver-
setzt, der sie damals gerade
schrieb; sie ist mir doppelt
werth.

Für die Erlaubniß die Baillot-
schen Sachen durchzusehen

4

danke ich herzlich. In dem einen
der Concerte ist ein Adagio
das ich gerne einmal mit Orches-
ter hörte; da dies nun erst in
Hannover möglich sein wird, so
darf ich das Ganze wohl so lange
behalten bis es dort angelangt
sein werde; das nicht Anwendbare
werde ich später Herrn Geisler
zustellen.


Verzeihung meinem Nachtrag!
Die freundlichsten Grüße von
Ihrem ergebenen
Joseph Joachim


Joseph Joachim to Hermann Härtel

28 September [1855]

As sometimes happens that things which are otherwise most familiar to us suddenly do not readily present themselves to memory — perhaps precisely because they have become so deeply ingrained that they have turned into a matter of feeling and thus evade the mechanism of thought — so it was with me today, dear friend, as I was writing a letter. How often I had looked with pleasure at the Gade symphony and the Baillot pieces, which always brought your kind sentiments before my eyes — and now you do not even know that I have actually received them! Allow me to approach you again today with this postscript, so that I may not remain in the anxiety that you might take me for insensitive to true kindness. The Gade symphony vividly transported me back to my early time in Leipzig and to my acquaintance with our friend, who was just then composing it; it is therefore doubly dear to me. For the permission to look through the Baillot pieces I thank you most sincerely. In one of the concertos there is an Adagio that I should very much like to hear with orchestra; since this will only be possible in Hanover, I may perhaps keep the whole until it has arrived there; what is not usable I shall later send on to Herr Geisler.

Forgive this addition!

With kindest regards,
Yours devotedly,
Joseph Joachim




Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845650521
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C22000000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : o.D.
Autor/in: Joachim, Joseph
Kalliope-Nummer: 01634016
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Verehrter Freund!

Frau Schumann, die eben von der Reise ankam und, ermüdet, ein wenig ruht, beauftragte mich Ihnen das von Ihr versprochene Programm mitzuthei-
len. Wir haben es folgendermaßen fest-
gestellt:

  1. Suite von Joh. Seb. Bach für Violine in E dur: (Preludium, Loure, Gavotte e. Rondeau, Menuetten, Bourrée, Guigue Giga!)
  2. Sonate in G dur für Klavier und Violine von Mozart.
  3. Capriccio Op 14 von Mendelssohn = B. für Klavier.

========

  1. 3 Romanzen für Oboe oder Violine von Schumann
  2. Suite für Klavier von Haendel: (Ouverture und Presto, Andante, Allegro, Sarabande, Gigue, Passacaille)
  3. Sonate in G dur, Op 79, für Klavier und Violine 
    von Ludwig v. Beethoven.

2

Ich glaube daß die Zusammenstellung
eine gute ist. Es ist aber wirklich schwerer
ein Programm zusammenzusetzen als
man denken möchte! Wenigstens kostet es
uns mehr Mühe als das Spielen der
Werke.


Noch sollte ich aber nachdrücklich
Ihnen, verehrter Freund, zu bedenken geben,
ob die Zeit für unser Konzert auch wirk-
lich passend in diesem Augenblick ge-
wählt ist. Erst nachträglich erfuhren wir für
daß eine große Menge musikalischer

Aufführungen eben jetzt zusammentreffen,
und so musikliebend auch die Leipziger
sind, am Ende gäb’ es doch des Guten
zu viel. Seien Sie also in unsrem

3

Interesse so offen als möglich, und theilen
Sie uns ja mit wenn Sie die Meinung
haben daß wir das Concert jetzt nicht
geben sollen. Wir können dann später
einmal eben so gern. Unsere Zeit
könnten wir hier ganz gut jetzt musika-
lisch verwenden; auch ist eine Auffüh-
rung der Iphigenia in Tauris v. Gluck hier
für Sonnab: in Aussicht, die ich noch nie im Ganzen
gehört. Dennoch kommen wir auch gerne
nach Leipzig wenn Sie uns nicht abrathen
es jetzt zu thun. Hoffentlich lassen
Sie uns recht bald darüber hören.
Die Angelegenheiten scheinen sich hier
recht gut zu machen; schon vor

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unserer Ankunft waren die Plätze genom-
men. Dresden ist überhaupt eine freundliche
Stadt, in der man gern eine kleine Zeit
weilt. Nun, Sie kennen es!

Mit vielen Empfehlungen, auch
von Frau Schumann, an Sie und die
Ihrigen
aufrichtig ergeben
Joseph Joachim

Dresden, Hotel de Saxe
den 27ten Oktbr. [1857]


Joseph Joachim an Hermann Härtel

Dear Friend!

Frau Schumann, who just arrived from her journey and is resting a bit, tired, commissioned me to communicate to you the program she promised. We have established it as follows:

1. Suite by Joh. Seb. Bach for violin in E major: (Preludium, Loure, Gavotte and Rondeau, Menuetten, Bourrée, GuigueGiga!)
2. Sonata in G major for piano and violin by Mozart.
3. Capriccio Op. 14 by Mendelssohn for piano.

========

4. 3 Romances for oboe or violin by Schumann
5. Suite for piano by Handel: (Overture and Presto, Andante, Allegro, Sarabande, Gigue, Passacaille)
6. Sonata in G major, Op. 79, for piano and violin by Ludwig v. Beethoven.


I believe that the combinatin is a good one. But it is really more difficult to put together a program than one might think! At least it costs us more effort than playing the works. But I should still emphatically ask you to consider, dear friend, whether the time for our concert is really suitably chosen at this moment. Only afterwards did we learn that a great number of musical performances are occurring just now, and however music-loving the Leipzig audience may be, in the end there could be too much of a good thing. So be as open as possible in our interest, and do inform us if you have the opinion that we should not give the concert now. We can then just as happily come later. We could use our time here quite well musically just now; also a performance of Iphigenia in Tauris by Gluck is planned here for Saturday, which I have never heard in its entirety. Nevertheless we will also gladly come to Leipzig if you do not advise us against doing so now. Hopefully you will let us hear from you about this very soon.

The affairs seem to be going quite well here; even before our arrival the seats were taken. Dresden is in general a friendly city in which one gladly stays for a little while. Well, you know it!

With many regards, also from Frau Schumann, to you and yours,

Sincerely devoted,
Joseph Joachim
Dresden, Hotel de Saxe

October 27th [1857]


According to Signale für die musikalische Welt, Vol. 15, No. 44 (October 1857): 462, the originally announced soirée by Clara Schumann and Joseph Joachim had to be rescheduled to a later date because Joachim needed to return to Hanover. The concert took place in the Leipzig Gewandhaus on November 7, after Joachim received an extension of his leave. 

Program (November 7, 1857)

  • Schumann: Sonata Op. 105 for piano and violin 
  • Beethoven: C-minor Sonata Op. 30 for piano and violin 
  • Schumann: Fantasie for violin
  • Mendelssohn: Rondo capriccioso Op. 14 for piano 
  • Mozart: Rondo in C minor for violin 
  • Bach: Suite for violin
  • Handel: Piano pieces

Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845650203
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C21E00000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : o.D.
Autor/in: Joachim, Joseph
Kalliope-Nummer: 01634003
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

Verehrter Freund!
Der starke Griff
ist in der That mein
eigen! Verzeihen Sie
die Mühe, die ich Ihnen
damit noch mache. Meine
Frau und ich haben noch
manchmal der behaglichen
Stunden bei Ihnen dank-
bar gedacht, und wir grü-
ßen herzlich Sie und die
lieben Töchter.
Ganz ergeben
Ihr
Joachim

d. 20sten Mai [ohne Jahr]


Joseph Joachim to Hermann Härtel

Esteemed friend!

The firm grip is indeed my own! Forgive the trouble I am still causing you with this. My wife and I have often gratefully thought back on the pleasant hours with you, and we send our warm greetings to you and your dear daughters.

Yours most devotedly,
Joachim

20 May [without year]

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Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
PPN: PPN845650351
PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001C21F00000000
Titel: Brief an Hermann Härtel : o.D.
Autor/in: Joachim, Joseph
Kalliope-Nummer: 01634004
Kategorie: Musik,Nachlässe und Autographe
Projekt: Nachlässe und Autographe digital

Joseph Joachim an Hermann Härtel

25. Phillimore Gardens
Kensington. W.
d. 18ten März [vor August 1875]

Verehrter Freund!
Ihre lieben Zeilen,
die vorgestern hier ankamen,
würde ich gleich beantwor-
tet haben, wenn ich nicht
seitdem in Liverpool
gewesen, woher ich eben
zurückkehre. Ich eile nun
Ihnen mitzutheilen, daß in mei-
nem Verhältniß zu einer
von Ihnen zu unternehmenden,
den Mozart-Ausgabe durch-
aus keine Aenderung einge-
treten ist, d.h. daß ich, so-
weit meine Zeit es erlaubt
gern die Redaktion der

2

Streichquartette und Quintette
übernehmen will, und daß
meine für erstere nach dem
Original-Mscrpt: gemachten
Annotationen gerne zur Ver-
fügung stehen. Niemals war
ist wohl mehr erfreut, als
durch Ihre Mittheilung von der
Mozart-Stiftung her>rührend<, zu wel-
cher ich im durchaus keiner Be-

ziehung stehe. Man hatte mich
wiederholt für dieselbe zu in-
teressiren getrachtet, ich
habe aber stets ablehnend
geantwortet, weil ich fand,
daß die in Salzburg an der

3

Spitze stehenden Herrn, statt
das wenige vorhandene Gute
dort zu stützen und darauf
weiter zu bauen, sich an
Pläne machten, die Millionen
zur Ausführung erfordern
würden, und ohne solch höch-
stens in einer Weltstadt
wie Wien, London oder Ber-
lin gedeihen könnten. Dies
sprach ich auch neulich einem
Herrn Menkes hier aus, der
mich wieder einmal auf die
„Internat: Moz: – Stiftg“ hin
interpellierte, und wie ich
jetzt sagen muß „leider“ fügte
ich hinzu: mich dauere nur das
nützlos verthane Geld, für

4

das man lieber hätte eine
würdige Mozart-Ausgabe
veranstalten sollen. Als
mir nun neulich Herr Menkes
sagte, mein Vorschlag sei in
Salzburg mit Enthusiasmus
aufgenommen worden, und
man hoffe auf meine Betheili-
gung, äußerte ich sofort auf
das Bestimmteste, daß ich kei-
nesfalls dabei thätig sein
würde, da ich keine Zeit habe.
Daß aber von den mit der Füh-
rung der „Intern: M. Stiftg:“ be-
trauten Männern das Richtige
in der Sache veranstaltet wer-
den könnte, halte ich für unmög-

5

25 Phillimore Gardens
Kensington. W.

lich, und wie gesagt bin und
bleibe ich dabei, meine nicht
sehr geübten Kräfte für
eine Herausgabe Ihnen zur
Verfügung zu stellen.
Es wird mich sehr freuen
mündlich mit Ihnen weiter
über die Angelegenheit zu
sprechen, und ich hoffe
daß Ihre Gesundheit so schön
fortschreitend voran gehen werde,
daß ich Sie in Berlin begrüßen
kann, wo ich jedenfalls vor dem
5ten April eintreffen will.

In herzlicher Ergebenheit
Joseph Joachim


Joseph Joachim to Hermann Härtel

25 Phillimore Gardens
Kensington, W.
18 March [Before August 1875]

Dear friend,

I would have answered your kind lines, which arrived here the day before yesterday, at once, had I not since been in Liverpool, from where I have just returned. I hasten now to inform you that no change whatsoever has occurred in my relation to the Mozart edition you propose to undertake; that is to say, I am willing, insofar as my time permits, to take on the editing of the string quartets and quintets, and my annotations for the former, made from the original manuscript, are gladly at your disposal.

I have never been more pleased than by your communication—originating from the Mozart Foundation—with which I have absolutely no connection. I have repeatedly been urged to take an interest in it, but I have always declined, because I found that the gentlemen at the head of affairs in Salzburg, instead of supporting and building upon the little good that already exists there, were making plans that would require millions to carry out and which, even then, could at most flourish in a great metropolis such as Vienna, London, or Berlin. I said as much recently to a Mr. Menkes here, who once again questioned me about the “International Mozart Foundation,” and—as I must now say, “unfortunately”—I added that I regretted only the money wasted to no purpose, which would have been better spent on producing a worthy Mozart edition.

When Mr. Menkes then told me that my proposal had been enthusiastically received in Salzburg, and that they hoped for my participation, I immediately stated in the most definite terms that I would in no case take an active part, as I have no time. Moreover, I consider it impossible that the men entrusted with directing the “International Mozart Foundation” could set matters on the right course; and, as I have said, I am and remain willing to place my not very well-practiced powers at your disposal for an edition under your direction.

It would give me great pleasure to discuss the matter further with you in person, and I hope that your health will continue to improve so well that I may greet you in Berlin, where I intend in any case to arrive before the 5th of April.

With heartfelt devotion,
Joseph Joachim

  1. Joseph Joachim, Drei Stücke für Violine und Pianoforte, op. 2 (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1850). ↩︎
  2. Joseph Joachim, Konzert in einem Satze für Violine und Orchester in g-Moll, op. 3 (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1854). ↩︎
  3. Joseph Joachim, Ouvertüre zu Shakespeares “Hamlet” in d-Moll, op. 4 (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1854).  ↩︎
  4. Joseph Joachim, Drei Stücke für Violine und Klavier, op. 5 (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1854).  ↩︎
  5. Joseph Joachim, Drei Stücke für Violine und Pianoforte, op. 2 (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1850). ↩︎
  6. Joseph Joachim, Konzert in einem Satze für Violine und Orchester in g-Moll, op. 3 (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1854). ↩︎
  7. Joseph Joachim, Ouvertüre zu Shakespeares “Hamlet” in d-Moll, op. 4 (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1854). ↩︎
  8. Joseph Joachim, Drei Stücke für Violine und Klavier, op. 5 (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1854). ↩︎
  9. Edward Buxton, ein Londoner Wollhändler, erwarb um 1839 den Musikverlag J. J. Ewer & Co. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Unternehmen ab etwa 1840 zum wichtigsten englischen Verleger der Werke Mendelssohns. Bis 1855, als Joachim diesen Brief aus Innsbruck schrieb, hatte sich Buxton als führender Verleger zeitgenössischer kontinentaler Werke etabliert und war die naheliegende Wahl für die Londoner Ausgabe von Joachims Hebräische Melodien, op. 9. Um 1859 zog sich Buxton aus dem Geschäft zurück und verkaufte den Verlag an William Witt, der seit 1852 als Geschäftsführer tätig gewesen war. ↩︎
  10. Joachim, Joseph. Hebräische Melodien: “Nach Eindrücken der Byron’schen Gesänge” für Bratsche und Klavier, Op. 9. Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1855; Joachim, Joseph. Hebrew Melodies, Op. 9. London: Ewer & Co., 1855. ↩︎
  11. Edward Buxton, a London wool merchant, acquired the publishing firm J.J. Ewer & Co. ca. 1839. Under his ownership, the firm became the principal English publisher of Mendelssohn’s works from about 1840. By 1855, when Joachim wrote this letter from Innsbruck, Buxton was well-established as a leading publisher of contemporary continental works and was the logical choice for the London edition of Joachim’s Hebräische Melodien, Op. 9. Buxton retired from the firm around 1859, selling it to William Witt, who had served as manager since 1852. ↩︎
  12. Joachim, Joseph. Hebräische Melodien: “Nach Eindrücken der Byron’schen Gesänge” für Bratsche und Klavier, Op. 9. Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1855; Joachim, Joseph. Hebrew Melodies, Op. 9. London: Ewer & Co., 1855. ↩︎