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Joseph Joachim

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Joseph Joachim

Category Archives: Obituaries

Obituary: Deutsche Tageszeitung

12 Wednesday Nov 2025

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Deutsche Tageszeitung, Morgen-Ausgabe, vol. 14, no. 381 (August 16, 1907), pp.  2–3.

N. B.: Obituaries are posted for historical interest only, and should not be taken as sources of accurate biographical information.

English translation below (c) Robert W. Eshbach, 2025.


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Joseph Joachim †.

Eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Gegenwart, eine der bedeutendsten Künstlererscheinungen aller Zeiten ist mit Joseph Joachim vom Schauplatz abgetreten. Zugleich mit den Größten des vorigen Jahrhunderts, Liszt und Wagner, erschien auch er, um eine Zeitlang mit ihnen verbunden, denselben neuen Zielen zuzustreben. Dann aber schwenkte er plötzlich ab, und in dem Streit der Parteien, der damals die Musikwelt in zwei Lager teilte, bekannte er sich rückhaltlos als Gegner der modern-reformatorischen sogenannten neudeutschen Richtung. Unter Mendelssohns Augen war seine musikalische Erziehung abgeschlossen worden. Jetzt verband ihn eine immer enger werdende Freundschaft mit Schumann, die ihre innigste Bestätigung erhielt, als er den jungen, unbekannten Johannes Brahms von Joachim Schumann zugeführt und von diesem als „Messias der Tonkunst“ begeistert aufgenommen wurde. Der Zusammenschluß mit Brahms gab Joachims künstlerischem Charakter den entscheidenden Zug für sein ganzes Leben. In unbeirrbarer, überlegener Ruhe blieb er der erkannten Ueberzeugung treu und wurde schließlich ihr Opfer. Er erlebte den endgültigen Sieg Wagners, und wenn auch die Brahms-Gemeinde allmählich Boden gewann, so blieb sie doch stets auf einen engen Kreis beschränkt.

Dieser vergebliche Kampf gegen die künstlerischen Machthaber der Gegenwart gibt dem reichgegliederten Leben Joachims einen tragischen Akzent. Er isolierte sich dadurch und mußte es schließlich mitansehen, wie er als Inhaber einer der einflußreichsten Stellungen der Reichshauptstadt mehr und mehr die Fühlung mit den vorwärtstreibenden Kräften verlor. Es ist eine im Grunde müßige Spekulation, zu überlegen, welche Vorteile der Kunst aus einem Zusammenwirken Joachims und der um Wagner und Liszt gruppierten Künstler hätten erwachsen können. Sicher ist jedenfalls, daß durch jene unfruchtbaren Parteikämpfe viele n Fähigkeiten nutzlos vergeudet und manche große Kunst tat im Keime erstickt wurde. Was Joachim von Wagner forttrieb, war vielleicht im tiefsten Innern die Empfindung, daß Wagner für sein Werk von jedem der Beteiligten die volle, restlose Hingabe der Persönlichkeit verlangte, während Joachim eine so unbedingte Konzentration aller Kräfte an eine einzige Aufgabe nicht wenden mochte. Allein war er aber nicht reich genug, um Wagner gegenüber sich als selbstständige gegnerische Erscheinung behaupten zu können. So suchte und fand er zur Ergänzung des ihm Fehlenden erst Schumann und dann Brahms. Und an der Seite dieser Mitkämpfer, die ihm mehr persönliche Freiheit ließen als der despotische Bayreuther Meister, entfaltete und kräftigte er all die großen Eigenschaften, welche ihm von Gottes Gnaden verliehen waren.

Das Merkwürdige an Joachim besteht darin: er ist eigentlich nur ausübender Instrumentalvirtuos. Seine eingeborenen allgemeinen musikalischen Gaben sind aber so bedeutend, daß sie ihm eine Position verschaffen, wie sie sonst nur Künstler von weit umfassenderer Begabung einzunehmen befähigt sind. Bei ihm baut sich alles auf der Basis des Violinspiels auf. Aber die damit scheinbar gegebene enge Begrenzung verliert sich ganz, und ein Musiker von denkbar höchstem Intellekt, von vielseitigster Aufnahmefähigkeit, von feinstem allumfassenden Empfinden, von einer seltenen Bildung des Geschmackes, von Verständnis für die subtilsten Kunstfragen steht vor uns. Man muß sich diesen geistigen Vollgehalt von Joachims Natur vor Augen halten, um seine Bedeutung für die Musikgeschichte richtig zu würdigen. Es ist daher schwer, den Geiger Joachim gesondert von dem Musiker zu betrachten, denn beide erklären erst einander. Einen Fortschritt auf speziell violinistischem Gebiet hat uns Joachim nicht gebracht. Fortschrittsmänner, die der Technik neue Wege erschlossen, unbekannte Ausdrucksquellen aufdeckten, waren unmittelbar vor ihm Nicolo Paganini oder Louis Spohr gewesen. Paganini als abenteuerlicher Zaubermann, dessen märchenhafte technische Künste Anlaß zu Legendenbildung gaben und die größten Geister seiner Zeit faszinierten — ohne daß es ihm je gelungen wäre, tieferen Gemütsanteil zu erwecken. Anders geartet war der deutsche Spohr, eine feinpoetische Natur mit reicher produktiver Veranlagung. Ihm gelang es, durch Aneignung und Weiterbildung der französischen Violinkunst eines Rode, Kreutzer usw. der deutschen Schule neue fruchtbare Elemente zuzuführen und ebenso originell wie meisterhaft zu verarbeiten. Neben Spohr gehalten, verblaßt Joachims Bild etwas. Jener war der geborene Komponist, der zufällig Geige spielte. Joachim war der geborene Geiger, dem kein anderes Ausdrucksmedium zu Gebote stand, dem die Produktionskraft versagt blieb. Man kann daher wohl von Spohrscher Technik, Spohrscher Kantilene sprechen — aber man kann die gleichen Worte nicht in Bezug auf Joachim anwenden. Wir Jüngeren, die ihn nicht mehr in Vollbesitz seiner Fähigkeiten hören konnten, sind ohne abschließendes Bild seiner Kunst, und spätere Generationen werden ihn nur der Sage nach kennen. Paganinis oder Spohrs Spiel dagegen kann man sich immerhin aus ihren Kompositionen annähernd rekonstruieren.

Aber dieses Manko von Joachims Begabung wurde gleichzeitig das Fundament seiner Größe. War es ihm verschlossen, persönliche Eitelkeit zu pflegen, so nahm er sich der vererbten älteren Literatur umso eifriger an. Und war es ihm versagt, durch unentdeckte mechanische Fertigkeiten die Leute zu verblüffen, so strebte er desto inniger, die überkommenen Vorlagen geistig zu durchdringen, ihren Inhalt zu erforschen und als reproduzierender Künstler im edelsten Sinne aus seinem Spiel die Psyche des Werkes selbst aufleuchten zu lassen. Ein natürlicher Ernst des Charakters ließ ihn von vornherein alle leichte Ware, alles Reißertum verschmähen. Und eine gewisse, angeborene Schwerfälligkeit ( — es ist bekannt, daß Joachim nie ein gutes Staccato besessen hat —) hielt ihn noch mehr von der gangbaren Virtuosenliteratur zurück. So wandte er sein Können ungeteilt an die musikalischen Meisterwerke der Violinliteratur, die uns Bach, Mozart und Beethoven geschenkt haben. In der lebens- und schönheitsvollen Gestaltung dieser Stücke liegt der Schwerpunkt von Joachims Künstlerhaft. Hier war es ihm gegeben, ohne eigentlich selbstschöpferische Veranlagung, doch produktiv im weitesten Sinne zu wirken — wenn man mit Goethe von einer „Produktivität der Taten“ reden will.

Joachims Ton blendete und schmeichelte nicht durch empfindsame Sinnlichkeit. Seinem Spiel wie seiner Persönlichkeit lag jedes äußere Dekor fern. Es war ein Ton, der mehr innerlich wärmte, zu Fühlen und Denken in absoluter Reinheit anregte, ein Ton, der in seiner keuschen Schönheit etwas Transcendentes an sich trug. Joachims Spiel vergeistigte, verklärte. Es lag nichts Gefallsüchtiges, gar keine Koketterie darin. Sondern das Streben zu abstrahieren, eine geheime Neigung zur Mystik. Das Mechanische blieb bei ihm stets in untergeordneter Bedeutung, und wenn er es schon liebte, seine etwas massive Doppelgriff-Technik gelegentlich anzuwenden, so wußte er doch stets die rechtfertigende gedankliche Grundlage zu schaffen. Ich denke hier an seine Kadenzen zu Beethovens Violinkonzert, die fraglos vor allen ähnlichen Versuchen anderer Geiger den Vorzug verdienen.

Dagegen gelang es Joachim nicht, mit seinen übrigen Kompositionen weitere Kreise zu interessieren. Viel hat er überhaupt nicht geschrieben — bekannt geworden sind nur: das 2. (ungarische) Violinkonzert, die ungarischen Variationen für Violine mit Orchester und die Ouvertüre zu „Heinrich IV.“ Sämtliche Werke zeichnen sich durch peinliche Gediegenheit aus, lassen aber so wenig originelle Phantasie und Gestaltungskraft erkennen, daß einzig der Name ihres Autors ihnen vorübergehende Beachtung verschafft hat. Länger als der Komponist wird der Geiger Joachim im Gedächtnis der Nachwelt leben: als kongenialer Interpret Bachs und Beethovens in Solo- wie in Kammermusikwerken. Die Joachim’sche Quartettkunst wird allen unvergeßlich bleiben, welche sie je miterlebt haben. Denn was der Solist Joachim noch dem Virtuosentum am Tribut entrichten mußte, das fiel beim Kammermusikspiel gänzlich fort. Hier bot Joachim etwas, das in solcher Vollendung kaum je dagewesen ist und schwerlich wiederkommen wird. Denn all denen seiner Schüler, die versuchen, nach seinem Muster Ensemblekunst zu treiben, fehlt doch bei allem Eifer das wesentlichste: die große, tiefschauende und denkende Persönlichkeit, die bis auf den Grund der Dinge blickt und geheimste Intentionen der großen Genien nachfühlend zu deuten weiß. Joachim ist der apollinische Künstler. Darum fand die größte Bewegung des 19. Jahrhunderts keine dauernde Teilnahme bei ihm — darum besaß er doch Gaben, die ihn zu einer ganz einzigen Erscheinung der Musikgeschichte stempeln.

Man hat Joachim oft einen Vorwurf aus seiner langen öffentlichen Betätigung gemacht und ihm gegenüber auf Liszt hingewiesen, der sich auf dem Höhepunkte seines Könnens vom großen Publikum verabschiedete. Abgesehen von der Verschiedenheit der beiden hier verglichenen Künstlercharaktere, abgesehen von den Gründen rein privater Natur, die Joachim zum öffentlichen Musizieren veranlaßten, läßt man außer acht, daß Liszt sich mittlerweile einen ganz neuen Wirkungskreis geschaffen hatte, während Joachim zeitlebens das Konzertieren als Hauptberuf gefesselt blieb, denn die Möglichkeit zu pädagogischer Wirksamkeit, die ihm in die Hände gegeben war, wußte er nicht richtig auszunutzen. Die Einseitigkeit seiner Kunstanschauung war hier ein Hemmnis für ihn. Er beging den Fehler, an die von ihm organisierte und bis zu seinem Tode geleitete Berliner königliche Hochschule für Musik ausschließlich Lehrer seiner Gesinnung zu berufen und impfte dem Institut dadurch von vorneherein den Geist dogmatischer Rückständigkeit und Unfreiheit ein. Auch seiner Tätigkeit als Violinlehrer im besonderen fehlten die großen Erfolge. Er bildete gediegene Musiker und tüchtige Geiger, aber er verstand es nicht, eigene Individualitäten zu wecken. Und wenn vor der ehrwürdigen, beinah schon historisch gewordenen Persönlichkeit Joachims manches scharfe Urteil bisher zurückgehalten wurde, so darf man doch jetzt auf eine gründliche Neugestaltung der Hochschulorganisation hoffen.

Joachims Lebensgang bewegt sich in verhältnismäßig einfachen Linien. Am 28. Juni 1831 zu Kittsee bei Preßburg als Kind jüdischer Eltern geboren, kam er als Wunderzögling der Wiener Geigerschule bald in die Welt hinaus, und empfing in Leipzig die letzten gründlichen Einführungen in alle Disziplinen der Musikwissenschaft. Von großen Kunstreisen, die ihn namentlich in England bekannt und populär machten, abgesehen, bilden Weimar und Hannover die markanten größeren Stationen auf seinem Wege. 1866 (?) vertauschte er Hannover mit Berlin, um hier die neugegründete Hochschule für Musik zu leiten. Bewunderungswürdig war seine Frische und lebendige Rüstigkeit, die er sich bis auf die letzte Zeit bewahrte — wer ihn sah, staunte über die urgesunde, kräftige, körperliche Natur des Sechsundsiebzigjährigen ebenso wie über sein geistiges wachsames Interesse für die ihn berührenden Dinge. Zweifellos, daß eine Persönlichkeit von so hohem, berechtigtem Selbstgefühl starke Einseitigkeiten in sich trug, namentlich durch die rücksichtslose Schärfe manches Urteils vielen Schaden gestiftet hat. Versöhnend wirkt solchen Fehlern gegenüber die innere Ehrlichkeit der Ueberzeugung, welche man bei Joachim stets voraussetzen kann. Er war ein echter freier Künstler. „Frei, aber einsam“ lautete sein Wahlspruch.

Und hinter ihm, im wesenlosen Scheine
Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine

P. B. 


Joseph Joachim †

One of the most renowned personalities of our time, and one of the most significant artists of any era, has left the stage with the passing of Joseph Joachim. Alongside other giants of the previous century—Liszt and Wagner—he too appeared, for a time sharing their pursuit of new artistic goals. Then, however, he abruptly changed course, and in the conflict between factions that split the musical world in two, he declared himself wholeheartedly an opponent of the so-called New German School’s modern and reformist direction. His musical education had been completed under Mendelssohn’s eyes. Later, his deepening friendship with Schumann received its strongest affirmation when Joachim introduced the young, unknown Johannes Brahms to Schumann, who warmly welcomed him as the “Messiah of music.” The association with Brahms gave Joachim’s artistic character its defining trait for his entire life. With unwavering and superior calm, he remained loyal to the convictions he had chosen, and ultimately became their victim. He saw Wagner’s final victory, but even as Brahms’s circle slowly gained ground, it always remained a small, exclusive group.

This futile struggle against contemporary artistic powerholders brought a tragic accent to Joachim’s richly textured life. It isolated him—he had to witness, as holder of one of the most influential positions in the capital, how he gradually lost contact with the forward-driving forces. Speculating on how art might have benefited from true collaboration between Joachim and the artists grouped around Wagner and Liszt is, in the end, idle. Still, it is certain that many valuable talents were squandered and many great artistic achievements stifled in their beginnings by those fruitless party struggles. What really drove Joachim away from Wagner, at heart, was probably his sense that Wagner demanded total, unconditional surrender of personality from all who participated in his works, while Joachim could not concentrate all his energies on just one task. Yet he was not strong enough alone to stand as a distinct rival presence to Wagner. So he found in Schumann first, and then Brahms, the complementary qualities he lacked in himself. At the side of these collaborators, who allowed him far more personal freedom than the autocratic master of Bayreuth, he developed and strengthened all the great qualities bestowed on him by the grace of God.

What is remarkable about Joachim is that he was really only a performing virtuoso. His natural broad musical gifts, however, were so significant that they afforded him a status typically reserved for artists of much wider creative scope. For him, everything was built on the foundation of violin playing. Yet the apparent narrowness of this specialization disappeared entirely, presenting us with a musician of the highest conceivable intellect, the greatest receptive potential, the finest universal sensibility, the rarest cultivated taste, and an acute understanding of the subtlest artistic issues. To appreciate his importance to music history, one must recognize this full intellectual richness within Joachim’s character. It is therefore difficult to consider the violinist Joachim apart from the musician—each explains the other. Joachim did not bring progress to technical violin playing. The true innovators, who opened up new technical pathways and uncovered unknown modes of expression, were just before him: Niccolò Paganini and Louis Spohr. Paganini, an adventurous magician whose incredible technical skills inspired legends and captivated the greatest minds of his era—though he was never able to evoke deeper emotional involvement. Spohr, on the other hand, was a poetic soul with a richly creative nature, who succeeded through the adaptation and development of French violin technique (Rode, Kreutzer, etc.) in introducing new and fertile elements to the German school, and processed them with originality and mastery. Next to Spohr, Joachim’s image appears somewhat pale. Spohr was a born composer, who happened to play violin. Joachim was a born violinist, who lacked a different means of artistic expression and whose creative force was limited. One can refer, rightly, to “Spohr’s technique” or “Spohr’s style”—but not use similar phrases for Joachim. We, the younger generation, who never heard him at his peak, lack a complete picture of his art, and later generations will know only his legend. Paganini’s and Spohr’s playing, however, can still be approximately reconstructed from their compositions.

Yet Joachim’s lack of creative output became, at the same time, the foundation of his greatness. Unable to satisfy personal vanity, he dedicated himself even more eagerly to older inherited literature. While denied the capacity to astonish with innovative technical prowess, he strove all the harder to penetrate established masterpieces intellectually, to explore their content, and as a performing artist in the highest sense, to let the psyche of the work itself shine through his playing. A deep seriousness of character led him from the start to shun all superficial or sensational works. And a certain innate heaviness of touch—(it is well known that Joachim never mastered a truly good staccato)—kept him further from the usual virtuoso repertoire. Instead, he devoted his abilities entirely to the great masterworks of violin literature from Bach, Mozart, and Beethoven. The essence of Joachim’s artistry lay in his vital and beautiful shaping of these works. Here, even without original creative powers, he was able to be profoundly productive in the broadest sense—“the productivity of deeds,” as Goethe said.

Joachim’s sound never dazzled or flattered with sensual charm. In both his playing and his personality, all external decoration was absent. His tone was one that warmed from within, inspired thought and feeling in absolute purity—a tone whose chaste beauty bore something transcendent. Joachim’s playing was spiritual, visionary; there was nothing self-serving or coquettish about it. Rather, he was driven by abstraction, by a secret inclination toward mysticism. Technique always played a subordinate role, and even when he loved to use his somewhat heavy double-stopping, he always sought to build a sound intellectual foundation. Consider his cadenzas for Beethoven’s violin concerto—they surely deserve precedence over all similar attempts by other violinists.

In contrast, Joachim was unable to reach a wider audience with his other compositions. He wrote little—only the second (Hungarian) violin concerto, the Hungarian variations for violin and orchestra, and the overture to “Heinrich IV” gained recognition. All are marked by meticulous craftsmanship, but show so little original imagination and creative power that only the author’s name has secured them passing notice. As a violinist rather than as a composer, Joachim is destined to live longer in posterity’s memory—as the congenial interpreter of Bach and Beethoven in solo and chamber works. His legacy in quartet playing will remain unforgettable to all who experienced it. What the soloist Joachim still had to pay to virtuosity was utterly set aside in chamber music. Here, he offered something so perfectly achieved that its equal may never have existed. For all his students who tried to emulate his ensemble playing, the essential thing was always missing: that deep, reflective personality able to perceive the innermost intentions of the great masters and express them with feeling. Joachim is the apollonian artist. For this reason, the greatest movement of the nineteenth century—its enduring achievement—marked him as a unique figure in musical history.

Joachim was often reproached for his long public career, with some pointing to the example of Liszt, who retired from the stage at the height of his powers. But aside from the purely private reasons that led to Joachim’s passion for public music-making, one must recall that Liszt had, in the meantime, found a completely new sphere of influence, while Joachim devoted his entire life to concertizing, without fully utilizing the opportunities for teaching that were available to him. Here, his narrow artistic outlook was a real obstacle. He made the error of appointing only teachers who shared his outlook at the Berlin Royal Conservatory, which he organized and ran until his death, and thus from the start he instilled a spirit of dogmatic backwardness and lack of freedom in the institution. As a violin teacher in particular, he lacked significant success. He trained solid musicians and capable violinists, but could not inspire true individuality. And even if, out of respect for Joachim’s venerable, almost legendary personality, harsh criticism has been avoided, it is time to hope for a thorough renewal of the school’s structure.

Joachim’s life followed relatively straightforward paths. Born June 28, 1831, in Kittsee near Pressburg to Jewish parents, he quickly became a prodigy of the Viennese violin school and soon launched into the wider world, receiving in Leipzig his last thorough introductions to all the disciplines of music scholarship. Apart from major tours that made him especially popular and well-known in England, Weimar and Hanover formed the main stations of his journey. In 1866 (?), he left Hanover for Berlin, where he directed the newly founded Hochschule für Musik. The freshness and energy he maintained until the end was admirable—anyone who saw him marveled at the primal health and strength of the seventy-six-year-old, as well as his keen intellectual interest in everything that touched him. Doubtless, such a personality, gifted with great and justified self-esteem, held strong partialities, and some relentless judgments have caused real harm. Yet these faults are balanced by the inner honesty of conviction one can always assume in Joachim. He was a truly free artist. “Free, but lonely” was his motto.

[Meanwhile his mighty spirit onward pressed
Where goodness, beauty, truth, for ever grow;]
And behind him, in the insubstantial gleam,
Lay what restrains us all: the common.

[Goethe: Epilogue to Schiller’s Song of the Bell]

P. B. 

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Obituary: Bach Jahrbuch

28 Thursday Nov 2024

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“† Joseph Joachim,” Bach Jahrbuch 4 (1907): 1-2.


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†
Joseph Joachim

ist uns am 15. August 1907 durch den Tod entrissen worden. In ihm ist ein Künstler von Gottes Gnaden, ein einzigartiger Meister auf dem Gebiete der ausübenden Tonkunst abgerufen worden.

            Wenn er als Knabe schon das allgemeine Staunen erregte, so daß Mendelssohn ihn „eine herrliche Erscheinung“ nannte, so ist er vor den Gefahren, die einem „Wunderkinde“ drohen, bewahrt geblieben. In Joachim tritt uns nicht der blendende Virtuose der Geige, sondern der echte, große Künstler entgegen. Niemals hat er sein Können, in dem er keinem Virtuosen nachstand, dazu mißgebraucht, sich selbst und seine Meisterschaft in den Vordergrund zu stellen und zu seiner eignen Verherrlichung das Werk zu verwenden, daß er den atemlos lauschenden Hörern vortrug. Es war die Selbstlosigkeit des echten Künstlers, in der er allein darnach strebte, in die Tondichtung, die er wiedergab, sich ganz zu versenken und von ihr sich durchdringen zu lassen, so daß allein der das Werk geschaffen hatte in höchster Vollendung zur Geltung kam. Ob Bach oder Beethoven, ob Haydn, Mendelssohn oder Brahms aus dem Klang der Geige zu uns redete, stets zog Joachim mit hinreißender Gewalt, mit der überzeugenden Macht der Wahrheit und des innersten Erlebens die Hörer in die Tiefen des Werkes, dem er selbstlos diente.

            Ein echter Künstler aber war er, weil er zugleich ein edler großer Mensch war. In Joachim lassen sich Mensch und Künstler gar nicht scheiden, sie durchdringen sich in voller Harmonie. Wem das Glück beschieden war, ihm persönlich näher zu treten, wer ihn wirklich kennen gelernt hat, wer ihn lieben durfte, der hat einen bleibenden Gewinn für sein Leiben erworben.

            Bachs Tonkunst war dem Wesen Joachims besonders verwandt und vertraut. Das Verständnis für Bach hat der Meister vielen erschlossen. Wer von ihm die Chaconne Bachs gehört hat, wird den Eindruck nie vergessen. Er hat der alten Bachgesellschaft mit voller Hingabe von Anfang an angehört. Die Neue Bachgesellschaft, deren bedeutsamstes Mitglied innerhalb des engeren Vorstandes er von Anfang an war, hat durch seinen Tod einen tiefgreifenden Verlust erlitten. Keines ihrer Mitglieder konnte treuer ihr Wohl auf dem Herzen tragen, keines konnte gewissenhafter den übernommenen Verpflichtungen nachkommen. Niemals hat er trotz Opfern an Zeit und Kraft bei den Vorstandssitzungen gefehlt, wenn nicht Konzertreisen oder in der letzten Zeit die strenge ärztliche Vorschrift ihn gebieterisch hinderten. Alle drei Bachfeste in Berlin, Leipzig und Eisenach hat er durch seine selbstlose Mitwirkung verherrlicht. Auf dem Bachfest in Eisenach ist seine Geige vor der Öffentlichkeit zum letztenmal erklungen.

            Als am 19. August Joachims sterbliche Hülle bestattet wurde, hob der Geistliche seine Rede mit den Worten an: „Ein Lied ist verhallt, die Melodie eines großen Menschenlebens. Und wie, wenn der Meister seine Geige sinken läßt und alles in tiefem Schweigen verharrt, den nachschwingenden Tönen im Innern lauschend, so ist es uns zumute an diesem Sarge. Aber weit hinaus, über den Kreis derer, die ihm menschlich verbunden waren, weit über Länder und Meere, wo nur irgend ein Ohr und ein Herz ist, in das je ein Ton von ihm gedrungen, zittert ein Etwas von diesem Leben nach.“

            Diese Empfindungen schmerzvollen, dankbaren Gedenkens sind auch in unsern Seelen wach gerufen worden, als wir die Kunde seines Heimganges vernommen haben.

R.

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Obituary: New-York Daily Tribune

02 Thursday Dec 2021

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New-York Daily Tribune (August 16, 1907) p. 7.

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JOSEPH JOACHIM DEAD.

––––––––––

Celebrated Violinist Passes Away in Berlin.

Berlin, Aug. 15.—Joseph Joachim, the celebrated violinist, conductor of the Royal Academy of Music, Berlin, and music director of the Royal Academy of Arts, died at 1:45 p.m. to-day. He had been suffering for a long time from asthma and had been unconscious for several days.

––––––––––

Joseph Joachim was born in Hungary, on July 15, 1831, [sic] and early in life attracted much attention by his rare skill as a violinist. He studied under the great masters and appeared at all the capitals of Europe while still a young man. He was created an honorary musical doctor of the University of Cambridge in 1877, and in 1882 was appointed conductor of the Royal Academy of Music in Berlin and music director of the Royal Academy of Arts.

Herr Joachim’s first appearance was made at Pesth, when, after two years’ study, he had attained his seventh year. He first became acquainted with the violin at Kitsee, [sic] a small village in the neighborhood of Pressburg, where he was born. At the age of five he began to learn the instrument. On his first appearance Joachim played a duet with his professor, a Polish maestro named Szervacsinsky, who directed the music at the Pesth Opera House. From Pesth he moved to Vienna, and from Vienna to Leipsic, where, in 1842, he visited Ferdinand David, the eminent violinist, for whom Mendelssohn wrote his famous concerto. David declined to give lessons to one who, he said, already played better than himself. But the experienced virtuoso helped the young player with his advice, and behaved in a fatherly way toward him during his stay at Leipsic, where he studied composition under Hauptmann, chiefly known in the present day as the friend and frequent correspondent of Spohr. In the early part of 1844 Joachim went to London with introductions from Mendelssohn, who, in a letter to Sterndale Bennett, said of him: “I assure you that, although he is only thirteen, I already regard him as one of my most intimate and dearest friends.” Soon afterward Mendelssohn himself went to London, and at a Philharmonic concert given under his direction the brilliant young violinist played in marvellous style the Beethoven concerto.

In 1848, at the age of eighteen, [sic] Joachim was nominated to the post of concert master and professor of the Leipsic Conservatory, in association with his friend, Ferdinand David. A year or two afterward he became, on Liszt’s invitation, concert master at Weimar, and later on received from the King of Hanover a like appointment at the Hanoverian court. Most of the artistic and literary centres of Germany were, indeed, well known to Herr Joachim when he was still a young man; and it must be mentioned that, apart from his musical instruction, he went through a course of study at Göttingen. At Paris he played with great success the year after his first visit to London. This visit was repeated from time to time with brief intervals until 1859; and since that year, from which dates the establishment of the popular concerts, he appeared in London almost every year. His visits to London were broken in 1905, and on August 27 of that year the music critic of The Tribune wrote, on receipt of news that Joachim was too ill to make the journey to England, “whither he has gone with great regularity to preach the evangel of his noble art for half a century,” as follows:

In 1889 he celebrated the semi-centenary of the beginning of his artistic career, and $25,000 was raised as the beginning of a fund for providing poor students at the Hochschule für Musik, which he founded in 1869, with fitting instruments. Last year the diamond jubilee of his first appearance in England was celebrated in Queen’s Hall, London, when a portrait painted by J. S. Sargent, R. A., was presented to him by the Right Hon. A. J. Balfour, and at a concert he conducted his own overture to “Henry IV” and played the Beethoven Concerto, which he had played in London for the first time at a concert of the Philharmonic Society under the direction of Mendelssohn on May 27, 1844. At a similar celebration in Berlin in 1899 past and present pupils of his to the number of 116 violins and violas, with twenty-four violoncellists who had attended his ensemble classes, took part in a concert conducted by Fritz Steinbach. From these circumstances it may be gathered how significant a figure Joachim has been in the musical life of the world since his advent as a prodigy nearly two generations ago.”

The critic of the Tribune quotes as follows from a monograph written by J. A. Fuller Maitland, the music reviewer of “The London Times.”

“Though it were universally conceded that the personal character and disposition of eminent men were to be guarded never so strictly from public inspection, yet in the case of public performers, where technical skill has reached its highest perfection, a kind of self-revelation takes place in every performance; and, besides the ideal interpretation of the music which he plays, Joachim unconsciously tells every one who has ears to hear what manner of man he is in himself. Truth, rectitude, earnestness of purpose, singleness of artistic aim, a childlike clarity of the inner vision, combined with the highest dignity—all these are evident to any but the most superficial listener, and there is a certain quiet ardor, eloquent of strong emotion strongly controlled, such as distinguishes only those who possess the highest imagination. It is recorded that on one occasion, when he played at first sight Schumann’s ‘Fantasia,’ for violin, the composer, instead of bursting into ecstasies over the player’s immediate grasp of the inner meaning of the music or the cleverness of his execution, whispered to his neighbor, ‘One can never love him enough.’ It is, perhaps, this power of stirring up a real personal affection in worthy hearers that is the greatest of all the player’s attributes, and such a power is indeed of priceless value.

“If one had to say in a word what was the secret of Joachim’s influence as an artist, one would surely say that this quality was that in which he stands alone among all the musicians who have ever lived. To hear him lead the Cavatina in Beethoven’s Quartet in B flat, Op. 130, or the Canzona in mode lidico from that in A minor, Op. 132, is to be allowed to gaze into the uttermost profundity of human emotion, into a depth far below the source of tears. In the former quartet two contrasting qualities of the great violinist’s art are set in close proximity, for the beginning of the finale is one of those things in which his youthful impetuosity is almost startlingly displayed. No one who has ever heard him lead a quartet of Haydn can have failed to realize that the dignity of a noble old age is associated with the insouciance, the buoyant fun and frolic of a schoolboy.”

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Obituary: Amalie Joachim; Marburger Zeitung (1899)

25 Sunday Feb 2018

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Marburger Zeitung, 2 December, 1899, p. 2.

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(Amalie Joachim †.) Aus Berlin wurde unterm 5. d. berichtet: Deutschlands größte Lieder= und Oratorien=sängerin ist heute Nacht gestorben. Der Tod brachte der Künstlerin Erlösung von langen, schweren Leiden. Sie litt seit 26 Jahren an Gallensteinen, die verschiedensten Badecuren blieben erfolglos. Sie wagte das letzte Mittel, um Heilung zu finden, sie fasste den Entschluss, sich einer Operation zu unterziehen, einer Operation auf Tod und Leben. Letzten Mittwoch siedelte sie in Begleitung ihrer jüngsten Tochter und ihrer Gesellschafterin nach der Klinik über. Die schwierige Operation gelang; aber die Kräfte der Kranken waren zu schwach, um den Folgen Widerstand leisten zu können. Gestern nachmittags 4 Uhr begann der Kräfteverfall, das Bewusstsein schwand, wenige Stunden später, um 10 Uhr abends, war der liederreiche Mund für immer verstummt. Amalie Joachim ist 1839 in Marburg in Steiermark geboren. Ihre musikalische Ausbildung genoss sie in Wien; hier begann sie, deren Familienname Schneeweiß war, unter dem Theaternamen Weiß am Kärntnerthortheater ihre Bühnenlaufbahn. Die junge Sängerin erwarb sich durch ihre edle Altstimme und ihre vornehme Vortragsweise schnell einen Namen, sie wurde an das hannoversche Hof=Theater als erste Altistin berufen. Im Jahre 1861 heiratete sie den damals schon berühmten Violinvirtuosen Joseph Joachim und beendete gleichzeitig ihre theatralische Laufbahn, die sie glänzend begonnen hatte. Amalie Joachim wurde Concert=und Oratoriensängerin, sie ist in gewissem Sinne als die Begründerin des modernen Liedergesanges zu betrachten, indem sie das Schwergewicht auch nach der geistigen Seite hin verlegte. Der Ruf der deutschen Liedersängerin drang über ihr Heimatland hinaus, ihre echt deutsche Art, die Durchgeistigung und Verinnerlichung ihres Vortrages fand überall Verständnis und erregte darum allüberall Enthusiasmus. Es gab bald kein deutsches Musikfest mehr, bei dem die als die erste Oratoriensängerin, als die beste Liedersängerin geltende Amalie Joachim nicht mitwirken musste, und in England, woselbst Schumann schon damals eine außergewöhnliche Verehrung genoß, galt die Zuziehung der berufensten und vollendetsten Schumann=Interpretin beinahe als etwas Selbstverständliches.

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Obituary: Le Ménestrel

10 Monday Nov 2014

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Le Ménestrel, Vol. 73, No. 34 (August 24, 1907), p. 267-268.

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JOSEPH JOACHIM

__________

Un beau soir d’été de 1843, quelques personnes se trouvaient réunies dans le salon de Mendelssohn, à Leipzig. Schumann, hanté déjà par les visions au milieu desquelles devait, dix ans plus tard, s’égarer sa raison, avait ouvert une fenêtre et laissait son âme et ses regards flotter dans l’espace, comme bien loin de la terre. Mendelssohn s’était mis au piano, jouant avec un tout jeune violoniste la sonate à Kreutzer. Après le dernier accord de œuvre sublime, un silence profond se fit: les interprètes restaient immobiles; une voix seule s’éleva: “Oui, il doit y avoir des êtres dans le ciel, pour comprendre de quelle admirable manière vient de jouer Mendelssohn avec cet enfant.” L’enfant venait d’avoir douze ans, il s’appelait Joseph Joachim.

Hongrois de naissance, ses premiers pas dans la carrière remontaient à cinq ans déjà, car son professeur Szervacsinsky l’avait produit a ses côtés dans un duo, dés 1838, au théâtre de Budapest. L’année suivante marqua le début d’une période d’études méthodiquement conduites au Conservatoire de Vienne, dans la classe de Bœhm. Quand elles furent jugées complètes, Joachim se rendit à Leipzig, ou il se fit entendre, d’abord sans un concert donné par Mme Viardot-Garcia, ensuite au Gewandhaus, dans un quadruple concerto de Maurer. Ses partenaires étaient Bazzini, Ernst et Ernest David [sic]. Un an après, en 1844, sur la recommandation de Mendelssohn, il trouva des appuis à Londres, y obtint de grands succès et y retourna en 1847 eth en 1849. Il prit dès lors l’engagement d’y revenir chaque année. Il n’y manqua jamais par sa faute.

Appelé à Weimar par Liszt, avec le titre de maitre des concerts de la chapelle grand-ducale, Joachim y resta cinq années sans souhaiter s’y fixer définitivement. Les idées nouvelles dont cette petite capitale devenait le foyer s’accordaient mal avec ses tendances restées toujours classiques malgré l’attrait qu’exerça sur lui la musique de Schumann. Il accepta en 1853 le poste de directeur des concerts à Hanovre et lutta toute sa vie pour Brahms contre Wagner, sans tomber toutefois dans les excès d’une ardente polémique. Il existe pourtant une protestation curieuse signée de Joachim, Brahms, Otto Grimm et Scholz. Envoyé par lui, Brahms vint visiter Schumann à Dusseldorf pendant l’automne de 1853. C’est alors que parut le fameux article les Nouvelles Voies, dont on a tant parlé. Schumann attendait Joachim avec une sorte d’allégresse; il composa pour lui, en collaboration, un finale de sonate et inscrivit sur le frontispice: “En prévision de l’arrivée de notre bien-aimé et honoré ami Joseph Joachim, cette sonate a été écrite par Robert Schumann, Albert Dietrich et Johannes Brahms.” Le manuscrit appartenait à Joachim.

Après l’annexion du royaume de Hanovre à la Prusse (1866), Joachim s’établit à Berlin avec la cantatrice Amélie Schneeweiss, qu’il avait épousée trois ans auparavant, et de laquelle il se sépara en 1882. I devint directeur de la nouvelle École royale supérieure de musique, et, après une réorganisation de cette institution, reçut le titre de président du comité directeur. Après la fondation de la Société philharmonique de Berlin (1881-82), Franz Wüllner et ensuite Klindworth, concurremment avec Joachim, en devinrent chefs d’orchestre. Excellent musicien, Joachim ne pouvait être médiocre en rien; cependant il n’avait pas ce que l’ou pourrait appeler la “vision intellectuelle” des œuvres et se bornait à donner des interprétations impeccablement pures de ligne. C’est beaucoup sans doute, et pourtant cela ne suffit jamais à lui assurer, comme chef d’orchestre, un prestige indiscutable. Son véritable domaine était le quatuor. Avec de Ahna et Kruse, remplacés en 1897 par M. Halir, et MM. E. Wirth et R. Haussmann, Joachim a donné de splendides auditions des quatuors d’Haydn, de Mozart, de Schumann, de Brahms et surtout de ceux de Beethoven.

Ce grand artiste est venu assez rarement à Paris, sauf au cours de ces toutes dernières années; mais pendant les apparitions qu’il fit dans cette ville en 1886 et 1887, partout ou on l’entendit, au Châtelet, salle Erard, dans plusieurs réunions privées et notamment chez son ami Lèonard ou il se retrouvait avec Mme Viardot, son jeu personnel et l’admirable cohésion de son quatuor excitèrent l’enthousiasme. Il joua les concertos de Beethoven et de Mendelssohn, la Fantaisie, op. 131, de Schumann, les Danses hongroises de Brahms, des pièces de Bach, ses Variations pour violon et orchestre, et beaucoup de musique de chambre.

Ses Variations, disons-nous! Oui, car il éprouva parfois le désir de fixer au moyen des notes quelques-unes de ses pensées ou de ses impressions. Il a laissé trois concertos, un Andantino e Allegro avec orchestre, un Nocturne avec orchestre, des morceaux avec piano, des ouvertures, Hamlet, Demetrius, A la mémoire de Kleist, etc. Sa musique, peu originale, rappelle beaucoup celle de Schumann. Sous le titre Ecole du Violon, Joachim a publié, en collaboration avec M. Adreas [sic] Moser, les trois premiers volumes d’une vaste collection d’œuvres de maitres avec remarques critiques, cadences, doigtes, etc. C’est la le dernier travail dont il se soit occupé.

Joachim conserva toute sa vie le culte de Schumann. Il fut naturellement appelé à prendre part à deux grandes fêtes commémoratives, qui eurent lieu à Bonn, la première en 1873, la seconde en 1906, en l’honneur du maitre. Pendant cette dernière, ayant a prononcer quelques

p. 268

mots sur la tombe bien connue du Sternenthor, il évoqua ce touchant souvenir: “Schumann et Clara vinrent a Hannovre et je voulus leur ménager quelques joies musicales. Nous jouàmes pour eux des quatuors et il était tout simple que je choisisse à cet effet l’un de ceux que j’aimais avec prédilection, celui en fa mineur de Beethoven. Après l’avoir exécuté, je voulus mettre sur les pupitres les parties de l’un des plus beaux ouvrages de Schumann en ce genre, mais il appuya sa main sur moi de la façon cordiale qui lui était habituelle, et ses yeux se tournant vers les miens avec une admirable expression dans les regards, il me dit: Non, après le quatuor que nous renons d’entendre, il ne faut pas jouer celui-ci.”

AMÉDÉE BOUTAREL.

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Obituary: Blätter für Haus- und Kirchenmusik

02 Sunday Nov 2014

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Blätter für Haus- und Kirchenmusik, Vol. 11, No. 12, (September 1, 1907), pp. 177-179.

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Josef Joachim †.

“Nur ein Geiger!” Allerdings der größten einer. Und als ihm der Tod am 15. August das Saitenspiel zerschlug, gedachten wir wehmütig der Stunden da er es uns in so wundervoller Weise erklingen ließ.

Aber doch war er auch wieder mehr als ein bloßer Geiger. Fast vier Jahrzehnte hindurch wirkte er in der Reichshauptstadt und war als ausübender Künstler für die Entfaltung und Entwicklung des musikalischen Lebens in ihr von großer Bedeutung. Von größerer aber und von weittragenderer als Lehrer seines Instruments. Richtiger gesagt: seiner Kunst. Denn das war das Beste an ihm, daß er nicht nur gute Geiger bilden wollte, sondern gute Geiger, die zugleich echte Künstler wären. — — Wird jetzt wohl in Nachrufen, die dem entschlafenen Geigenmeister gewidmet sind, in erklärlicher Begeisterung gesagt, er habe der ganzen Musikentwicklung in Berlin die Wege gewiesen  — in einem heißt es sogar, er habe der ganzen Musikwelt Richtung und Ziel gegeben — so braucht man demgegenüber doch nur darauf hinzuweisen, daß naturgemäß ja weitgehender und wirksamer jener Einfluß ist, den die Oper, den die Orchester- und Gesangskonzerte ausüben, als der von wenigen Quartettabenden, von noch weniger Solovorträgen oder gar von der nicht öffentlichen Musikdarbietung in der Hochschule ausgeht.

Im Wesen Joachims, in seinem Werdegange sowie in der Auffassung und Lehre seiner Kunst findet sich auffallend viel, was zu einer Vergleichung mit dem großen Spohr, dem Vater der deutschen Geigerschule, reizt, der ja noch vielseitiger war als Joachim, der sein Ideal aber auch in den Klassikern beschlossen sah.

Spohrs Leben reichte nahe an 76 Jahre, Joachims ging etwas darüber hinaus. Beide wirkten fast 40 Jahre lang in ihren hervorragenden Stellungen. Beider Talent bekundete sich zuerst dadurch, daß sie Lieder auf einer Kindergeige nachspielten, die der eine von der Mutter, der andere von der Schwester hatte singen hören. Beider Bogentechnik war anfangs vernachlässigt und mußte später ernstlich umgebildet werden. Beide wählten sich eine Künstlerin zur Lebensgefährtin, Spohr eine Harfenspielerin, Joachim eine Sängerin, mit denen beide auch auswärts, so in Paris, namentlich aber viele Jahre hindurch in London konzertierten. Beider Haupttätigkeit fällt in die Zeit nach großen geschichtlichen Ereignissen. Diejenige Spohrs nach des Vaterlandes Errettung von der Fremdherrschaft, die Joachimsche beginnt mit der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches. Spohr sah in dem formschönen und gefühlsinnigen Mozart sein Vorbild, und bald wurde er, nur anfangs ein Verehrer Beethovens, ein entschiedener Gegner seiner Musik. So wurzelte Joachims Künstlerseele in dem tiefgründigen Beethoven, während ihn Wagners Musik nur kurze Zeit anzog, und er sich ihr dann feindlich gegenüberstellte. Als Spohrs Geigerschule in Kassel 1859 ihr Ende fand, begann die Joachims in Hannover zu erblühen, um sich dann zehn Jahre später in Berlin herrlich zu entwickeln. Was Spohr begonnen hatte, setzte Joachim im gleichen Geiste fort. Aber er vertiefte die Kunst des Violinspiels, indem er ihr höhere Aufgaben zu lösen gab.

Es paßt durchaus auch auf Joachim, was Rochlitz von Spohr sagt: “Die ausgezeichnetste Fertigkeit, alle Arten des Bogenstriches, alle Verschiedenheiten des Geigentones, die ungezwungenste Leichtigkeit, das macht ihn zu einem der geschicktesten Virtuosen. Aber die Seele, die er seinem Spiele einhaucht, die Innigkeit des Gefühls und seine Einsicht in den Geist der verschiedensten Kompositionen und seine Kunst, jede in ihrem Geiste darzustellen, das macht ihn zum wahren Künstler.”

Joachim, am 28. Juni 1831 in Köpcsény bei Preßburg geboren, hatte den ersten Violinunterricht bei Szervaczinski, dem Konzertmeister der Pestet Oper, kam aber schon 1838 nach Wien, wo ihn Miska Hauser kurze Zeit und dann Josef Böhm fünf Jahre lang unterrichtete. Ihm verdankte er fast alles, was er konnte. Als fertiger Spieler ging er 1843 nach Leipzig, wo er in demselben Jahre bereits im Gewandhause mit großem Erfolge auftrat. Unter Mendelssohns Direktion spielte er 1844 in London zum ersten Male öffentlich das Beethovenkonzert und zwar den Berichten zufolge Meisterlich. Liszt zog ihn nach Weimar, wo er 1849 Konzertmeister wurde. Doch schon 1853 nahm er eine Stellung in Hannover an, die ihn für die Oper und für Solovorträge in den Hofkonzerten verpflichtete. Seiner wissenschaftlichen Ausbildung hatte er in Leipzig schon fleißig obgelegen. Von Hannover aus besuchte er eine Zeitlang Vorlesungen an der Universität zu Göttingen. — Kurze Zeit und nur äußerlich gehörte er der neudeutschen Schule an, öffentlich sagte er sich von ihr los, schrieb auch an Liszt, daß er selbst ihm wert, seine Musik ihm aber stets fremd bleiben werde. Mit Wärme wandte er sich dann der Persönlichkeit und der Musik des Brahms zu. — Er durfte sich in Hannover der Gunst des Königspaars erfreuen, das sich ihm auch zu Taufpaten anbot, als er zum Christentume übertrat. Bald darauf vermählte er sich mit der Opernsängerin Amalie Schneeweiß. Durch die staatliche Umwälzung des Jahres 1866 wurde er seiner Verpflichtungen in Hannover ledig. Zunächst machte er mit seiner Gattin weitere Kunstreisen und ließ sich dann 1868 in Berlin nieder, wo er bald darauf zum Direktor der Königlichen Akademischen Hochschule für Musik ernannt wurde. Das blieb er bis 1882. Da bestimmte ein neues Statut, daß die Vorsteher der vier Abteilungen (für Komposition, für Gesang, für Orchesterinstrumente und für Klavier) in jährlichem Wechsel die Direktion zu übernehmen hätten. Im Jahre 1893 ordnete indes der Kaiser an, daß Joachim, solange er lebe, als Direktor des Instituts zu betrachten sei. Mit seinem Tode wird daher nicht die Stelle des Direktors, sondern nur die des Vorstehers der Abteilung für Orchestreinstrumente frei.

Während seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule behielt Joachim seine Konzertreisen, namentlich die nach London, bei. Schon bald nach seiner Anstellung begründete er das weltberühmte Streich-Quartett, das am längsten in der Besetzung Joachim-de Ahna-Wirth-Hausmann bestand und vorzugsweise Haydn, Mozart und Beethoven pflegte, diesen auch namentlich in seinen letzten Quartetten. Lange Jahre hindurch blieben diese Quartett-Darbietungen mustergültig. Joachim, obschon der Geburt nach kein Deutscher, war doch mit deutschem Empfinden durchtränkt. Von seinem siebenten Jahre an atmete er deutsche Luft und lebte und webte von da ab fortwährend in der Atmosphäre der deutschen Kunst. Daher ist er ihr ein treuer Anhänger und selbstbewusster Apostel gewesen. Und dies Selbstbewusstsein, das sich meist in der edlen Form der Würde zeigte, drückte sich auch äußerlich bei seinem Auftreten aus, wie wir selbst es noch in ähnlicher Weise bei der reckenhaften Persönlichkeit Spohrs gesehen haben. Joachim war aller Griff- und Strichkünste Meister, kehrte aber nie den Virtuosen hervor, sondern wandte von seiner großen Kunstfertigkeit nur soviel an, wie erforderlich war, die Vortragsstücke möglichst vollendet darzustellen. Mit feinem Sinne drang er in das Verständnis eines jeden derselben ein, und es war ihm gegeben, es auch seinen Partnern zu vermitteln. So brachte er die Quartette im Geiste der Komponisten, aber doch vom Hauche seines eigenen Gefühls durchweht, heraus. Wer das in seiner guten Zeit erlebt hat, wer ihen damals das Mendelssohn- oder Beethoven-konzert sowie Bachs Sachen für eine Sologeige hat spielen hören, der ist Zeuge von etwas Unvergleichlichem gewesen. Die Wahrheit aber verlangt die Feststellung, daß die Kraft des Siebzigjährigen schon nachließ. Wie hätte die des Sechsundsiebzigjährigen noch ausreichen können! Aber so groß war die Verehrung für den Künstler, daß man bis zuletzt ihm zujubelte, wenn er nur auftrat und — aus übergroßer Liebe blind und taub — entzückt war, wenn er spielte. Die Menge sah nicht den kurzen, unsichern Strich, hörte nicht den müden, oft unreinen Ton. Doch es gab auch Zuhörer, denen dann Joachims Spiel schmerzlich war.

Wenigen Sterblichen war das Glück so hold, wie dem nun von uns Geschiedenen. Man kann sagen, daß er beständig auf sonnigen Höhen gewandelt sei. Gar selten nur verdunkelte seinen lachenden Himmel eine Wolke. “An Ehren und an Siegen reich” beschloss er sein langes Leben. Und das schwere Leiden, von dem er in den letzten Wochen betroffen wurde, kam ihm kaum noch zu Bewusstsein. Ihm selbst nicht bemerkbar, zog ihn der Tod sachte in seine Schatten und raunte ihm dabei die Worte des zweiten Themas aus dem Schubertschen d Moll-Quartett, das er uns so oft herrlich vorgeführt hat, ins Ohr: “Sei gutes Muts, ich bin nicht wild, sollst sanft in meinen Armen schlafen!” Mit großem Gepränge und angesichts von Tausenden, die ihn auf seinem letzten Wege geleiteten, wurde er am 19. August auf dem Kirchhöfe der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche ins Grab gelegt. Zu den Modernen gehörte er in keiner Weise, er hätte sich sonst verbrennen lassen.

*                             *

*

Was wir gegen ihn hatten: daß er der Kunst Schranken setzte, daß er sich zu der großen Entwicklung der deutschen Musik, die durch den Namen Richard Wagner bezeichnet wird, feindlich verhielt und seinen Schülern nicht einmal gestatten wollte, ihr teilnehmend zu folgen, das braucht hier nicht erörtert zu werden, durfte aber nicht verschwiegen bleiben.

Wenn es nun auch mit dem Joachim-Quartette zu Ende ist, wenn des Meisters Sologeige uns auch nicht mehr erfreuen wird — wir können es tief beklagen, brauchen aber nicht zu verzagen. Es gibt schon und wird fernerhin vorzügliche Streichquartette geben, und auch hervorragende Bach- und Beethovenspieler werden wir nicht zu entbehren brauchen. Die schöne Grabschrift Grillparzers für Franz Schubert paßt in ihrer ersten Hälfte auch für Joachims Ruhestätte: “Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz.” Die zweite Hälfte können wir, die trauernden Hinterbliebenen, als Trost mit einer leichten Abänderung auf uns beziehen: “Aber es bleiben uns schöne Hoffnungen.”

Joachims ernster, hochstrebender Kunstsinn und seine Geigenkunst sind nicht mit ihm gestorben. Der ausübende Künstler zwar ist von uns gegangen, der große Lehrmeister jedoch lebt in einer reichen Anzahl seiner Schüler fort. Als Lehrer ihres Instrumentes, als Solisten, Orchestermitglieder, Kapellmeister findet man sie in allen Landen, in seinem Geiste wirkend. Nicht das ist sein größter Ruhm, daß er einige erhabene Kunstwerke unvergleichlich zur Geltung zu bringen wußte — das blieb auf engen Raum und kurze Zeit beschränkt. Sondern, daß er seinen Geist auf Schüler übertragen konnte, die nun echte Kunst und edlen Kunstsinn überall hin verbreiten. In ihnen lebt Joachim weiter und wird so noch lange weiter leben.

Berlin, 20. August 1907.      Rud. Fiege


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Obituary: Rheinische Musik- u. Theater-Zeitung

31 Friday Oct 2014

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Rheinische Musik- u. Theater-Zeitung, Vol. 8, No. 33/34 (August 24, 1907), pp. 413-414,

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Obituary: La Revue Musicale

30 Thursday Oct 2014

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La Revue Musicale, Vol. 7, Nos. 18-19 (September 15-October 1, 1907), p. 457.

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NÈCROLOGIE: IOACHIM

Nous ne referons pas ici la notice du grand violoniste Ioachim, aussi estimé en France qu’en Allemagne; nous voulons cependant rappeler l’exemple qu’il laisse à tous les virtuoses. Ioachim a été le meilleur interprète de Beethoven parce qu’il avait pour principe, non d’étaler sa personnalité d’exécutant, mais de l’effacer au contraire devant le chef-d’œuvre qu’il jouait et qu’il laissait parler seul. Rien n’est plus rare qu’un tel mérite associé à une technique parfaite! Comme quartettiste, Ioachim lègue aussi cette leçon à tous ceux qui font de la musique d’ensemble: dans un quatuor classique, le premier violon ne doit pas chercher à tout dominer; ici encore, d’est le respect de la pensée du compositeur et non le souci du succès personnel qui est de règle. Telles sont le deux vérités qu’impose à notre réflexion le souvenir de l’admirable artiste allemand.


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Die Trauerfeier für Joseph Joachim (Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung)

29 Wednesday Oct 2014

Posted by Joachim in Obituaries, Reminiscences & Encomia

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Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung (August 20, 1907), p. 2.

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The Obsequies for Joseph Joachim

Deathbed

Yesterday afternoon at 4 o’clock a final and devout host of listeners congregated around Joseph Joachim. But it no longer was the golden tone of his violin that entranced the gathering. Joachim’s genius had lowered his flambeau, now only the rustling of the wings of death moved quietly through the hall.


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Invitation to the memorial service for Joseph Joachim


In the entrance hall of the Academy of Arts which had been transformed into a chapel stood the casket veiled with a dark red blanket. The black walls of the chapel swallowed the little light that came from the covered lamps, and the only reflection came from the red coulour of the blanket, a small portion  of the shine of the personality of the man which only a short while ago shone over all the world.



The sizeable hall could not accommodate all that had come to spend one last time with Joachim under the same roof, far into the corridors people stood in silence, and outside in the summer’s afternoon light further thousands waited to see the casket of the master being taken to the burial site.

The family of the deceased was seated to one side of the resplendent bed which had been formed by the laying all around the catafalque the abundance of flowers that had been received. The Kaiser was represented by the not unknown composer First Lieutenant von Chelius [Oskar von Chelius (*1859 — †1923)], while the Kaiserin sent Count Mirbach [Wilhelm Graf von Mirbach-Harff (*1871 — †1918)]. Prince Friedrich Wilhelm von Prussia as well as the Fürst Reuss [Prince Heinrich XXIV Reuss of Köstritz (*1855 — † 1910)] also attended. The Government was represented by the Minister for Cultural Affairs Holle [Ludwig August Hugo Holle (*1855 — †1909)], the City of Berlin by its Mayor Reicke [Georg Reicke (*1863 — †1923)], and the Police President von Borries [Georg Hermann Julius Bodo Friedrich von Borries Jr. (*1857 — †1922)]. Further Chief of the General Staff von Moltke [Helmuth Johann Ludwig von Moltke (*1848 — †1916)], and Gerhard Hauptmann [(*1862 — †1946)] appeared on behalf of literature.

For Music the entire teaching staff appeared together with their colleagues from the Academy of Art, The University of Berlin sent a deputation, the Technical High school was represented by Professor Kammerer [Otto Kammerer (*1865 — †1951)] . Further deputations came from the City of Bonn, and the Bonn Beethoven House, the Meininger Court Band, the Privy Councillor of the Court Theatre of Dresden, and General Music Director Steinbach [Fritz Steinbach (*1855 — †1916)] for the Music Academy Köln. The ceremony was introduced through the solemn sounds of Bach’s hymn “when one day I shall die” softly transmitted from the side hall.

The Priest Niethack-Stahn [Walther Niethack-Stahn, or Nithack-Stahn  (*1866 — †1942)] of the Kaiser Wilhelm Memorial Church approached the casket and held the commemorative address, pleasant therein sounded the phrase that for decades Joachim had been the musical conscience of Germany. After the minister the president of the Academy of Arts Privy Councillor Otzen [Johannes Otzen (*1839 — †1911)] spoke, among other things he said: There have been other great violinists prior to Joachim as well as in his time, but most have been forgotten, and of those that have not been fully forgotten one can say that their artistic perfection had retained their name in posterity.

What a difference here. You will sympathize with me when at this moment I wish that I were a musician, or that one who had sat at the master’s feet, and were filled with his intellect were to stand here in my place.

I can not and must not dare to touch the immortal artistic merits of the great master, which I can barely foresee, or understand or delineate. The appreciation of the artistic being of Joseph Joachim must at first remain the prerogative of a musical ceremony, only late generations will fully understand. But what I may and can do in this solemn farewell is to highlight the relationship towards other members of the Academy by the deceased.

All of you honored members who have gathered here with reverence before the supreme greatness of the deceased will even if in the first instance you revere Joachim the musician, have difficulty separating him from Joachim the man.

Often in high quality artistry we painfully miss that which really indicates greatness. The harmonious penetration of the artist with the human, hence the triumph of such an appearance from which it seems that humanity must first draw its true goal to recognize its true value at the same time that it realizes that such harmony can only be found in choice favourites of the gods.

The speech by Otzen was followed by music, and the modest nut brown casket was carried out of the hall.

Personen / Musiker / Joachim, J. / Tod

THE FUNERAL PROCESSION

The streets of Old-Charlottenburg from the high school to the cemetery on the Fürstenbrunner Weg were lined with mourners. One could see that someone of great stature was being laid to rest, the procession stretched itself into an endless row. Ahead went students carrying the banner of the Academy of Music, then the plain hearse followed by five large carts carrying the load of wreaths and floral tributes. It was especially noted that in this procession the use of the empty imperial gala wagen [sic] as has been customary with the funeral of other important personalities was absent, instead the imperial representative accompanied the casket travelling in a court carriage to the cemetery. The row of carriages were accompanied by the uniformed band masters of each of the Berlin regiments.

AT THE GRAVE

Around six o’clock the impressive funeral procession arrived at the churchyard of the Kaiser Wilhelm-Memorial Church on the Fürstenbrunner Weg. Here the band of the 4th Guard Regiment under the direction of Army Music Superintendent Professor Rossberg led the casket with the sounds of Beethoven’s funeral march to the grave. After the minister had consecrated the corpse, the band intoned the song “what God does is benevolent” while at the same time family members moved closer to enable each to add to the tomb the customary handful of earth. Then the earth closed over Joseph Joachim.

Joachim's Grave

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof
Berlin-Charlottenburg, Germany

Grave: D-G2 Gitter (Ehrengrab)
Amalie Joachim (1839-1899) and Joseph Joachim (1831-1907)

©Robert W. Eshbach 2014


jj-initials1-e1395761217629Die Trauerfeier für Joseph Joachim.

Gestern nachmittag um vier Uhr geschah es zum letzten Male, daß eine andächtig lauschende Schar um Joseph Joachim versammelt war. Aber nicht mehr der goldene Ton seiner Geige hielt die Erschienenen im Bann, der Genius Joachims hatte seine Fackel gesenkt, und nur das Rauschen des Todesfittichs zog leise durch die Halle.

Im Vestibül der Kunsthochschule, das zu einer wunderschönen Trauerkapelle umgewandelt war, stand der Sarg, von einer dunkelroten Decke verhüllt. Die schwarzen Wände verschlangen das Licht, das aus den verhüllten Lampen strömte, und nur von dem Rot dieser Decke über dem Sarge Joachims strahlte ihr Glanz zurück — ein geringer Teil jenes Glanzes, der noch vor kurzem von der Persönlichkeit des Mannes im Sarge über die ganze Welt geleuchtet hatte.

Die geräumige Halle vermochte die Zahl derer, die gekommen waren, zum letzten Male unter einem Dache mit Joachim zu weilen, nicht zu fassen. Bis weit in die Gänge hinaus standen die schweigenden Scharen. Und draußen im hellen Lichte des Sommernachmittags warteten weitere Tausende, um den Sarg des Meisters zu sehen, wenn er zu Grabe getragen würde.

Zur Seite des prangenden Beetes, das aus den Blumen der in schier unendlicher Fülle rings um den Katafalk niedergelegten Kränze gebildet wurde, hatte die Familie des Verstorbenen Platz genommen. Als seinen Vertreter hatte der Kaiser den als Komponisten nicht unbekannten Oberstleutnant v. Chelius entsandt, die Kaiserin den Grafen Mirbach. Auch Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen war erschienen, ebenso Fürst Reuß. Die Staatsregierung war durch den Kultusminister Holle vertreten, der Magistrat von Berlin durch Bürgermeister Reicke, und auch der Polizeipräsident v. Borries hatte sich eingefunden. Desgleichen der Chef des Generalstabes v. Moltke. Gerhart Hauptmann vertrat die Literatur, von der Musik war selbstverständlich der gesamte Lehrkörper der Hochschule erschienen, zusammen mit den Kollegen von der bildenden Kunst. Die Universität Berlin hatte eine Deputation gesandt, für die Technische Hochschule war der Rektor Professor Kammerer erschienen. Abordnungen hatten ferner die Stadt Bonn und das dortige Beethoven-Haus entsandt, desgleichen die Meininger Hofkapelle, die Generalintendanz der Dresdener Hoftheater und das Konservatorium in Köln mit Generalmusikdirektor Steinbach an der Spitze.

Die Feier wurde durch die ernsten Klänge des Bachschen Chorals “Wenn ich einmal soll sterben” eingeleitet, die von einem Nebensaal nur leise herüberwehten. Dann trat der Pfarrer der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche Niethack-Stahn an den Sarg und hielt die Gedächtnisrede. Besonders wohltuend berührte darin der Satz, in dem er sagte, daß Joachim Jahrzehnte hindurch das “musikalische Gewissen” Deutschlands gewesen sei.

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Johannes Otzen

Nach dem Geistlichen ergriff der Präsident der Akademie der Künste, Geheimrat Otzen das Wort. Er sprach unter anderem:

“Es hat ja vor Joachim und neben ihm große Geiger gegeben. Die meisten sind vergessen, und  bei den nicht ganz vergessenen ist es fast immer ein großes Virtuosentum gewesen, das ihren Namen der Nachwelt erhalten hat.

Wie anders hier. Sie werden es mir nachfühlen, daß ich in diesem Augenblick wünschen muß, ich wäre ein Musiker, oder aber ein solcher, der zu des Meisters Füßen gesessen und seines Geistes voll ist, stände an meiner Stelle!

Ich kann und ich darf nicht wagen, die unsterblichen künstlerischen Verdienste des großen Meisters auch nur zu berühren, die ich kaum zu ahnen, nicht zu verstehen und noch weniger zu schildern vermag.

Diese Tat — die volle Würdigung des künstlerischen Wesens von Joseph Joachim, muß zunächst einer Trauerfeier der Musik vorbehalten bleiben und wird in ihrer vollen Lösung wohl erst späteren Geschlechtern zufallen.

Was ich aber darf, und was ich kann, das ist, in dieser feierlichen Abschiedsstunde des schönen Menschentums unsere Verblichenen zu gedenken und insbesondere sein Verhältnis zu uns, den Mitgliedern der Akademie, in Liebe und Wehmut zu zeigen. Ihnen allen, hochverehrte Mitglieder dieser Versammlung, die voll Ehrfurcht vor der Majestät solches Toten hier erschienen sind, wird es, auch wenn Sie den Musiker Joachim in erster Reihe verehren, doch schwer werden, diesen von dem Menschen Joachim zu trennen.

Wie oft und wie schmerzlich vermissen wir bei hoher Künstlerschaft dasjenige, was erst wahre Größe verleiht, die harmonische Durchdringung des Künstlers mit dem Menschen. Aber daher auch das Sieghafte solcher Erscheinung. Es ist, als wenn die Menschheit aus dieser erst ihr wahres Ziel und ihren wahren Wert erkennt, — aber auch die bedrückende Gewißheit, daß eine solche Harmonie nur von den ganz Auserwählten und Lieblingen der Götter zu erreichen ist.

Ein solcher Liebling war unser Joseph Joachim und dabei von einer solchen Bescheidenheit, Güte und wahren Menschenliebe, die ihn jedem unvergesslich machte, der auch nur vorübergehend je das Glück seiner Bekanntschaft genossen hat.” Nach der Rede Otzens erklang wiederum Musik, und der bescheidene nußbraune Sarg wurde hinausgetragen.

Der Leichenzug.

Die Straßen Alt-Charlottenburgs von der Hochschule bis zum Friedhof am fernen Fürstenbrunner Weg waren von einem lebenden Spalier eingesäumt. Man merkte es dem Straßenbilde an, daß ein ganz Großer zu Grabe getragen wurde. Der Leichenzug selbst dehnte sich in endloser Reihe. Voran fuhren Studenten mit dem Banner der Hochschule für Musik. Dann folgte der einfache Leichenwagen und dahinter auf fünf großen Tafelwagen die Last der Kränze. Es fiel besonders auf, daß in dem Zuge nicht wie bei den Begräbnissen anderer großer Männer das tote Prunkstück eines leeren kaiserlichen Gala-wagen mitfuhr, sondern daß der Vertreter des Kaisers an einer Hofequipage den Sarg bis zum Friedhof begleitete. Die Reihe der Wagen wurde dann noch einmal durch eine uniformierte Gruppe unterbrochen. Die Kapellmeister sämtlicher Berliner Regimenter schritten im Zuge mit. Auf diese Weise ehrte auch das militärische Oberkommando den Meister.

Trauerfeier Notice copy

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof
Berlin-Charlottenburg, Germany

Grave: D-G2 Gitter (Ehrengrab)
Amalie Joachim (1839-1899) and Joseph Joachim (1831-1907)

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Obituary: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung

28 Tuesday Oct 2014

Posted by Joachim in Obituaries

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Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung 36, No. 413 (August 16, 1907): 2-3.

N. B.: Obituaries are posted for historical interest only, and should not be taken as sources of accurate biographical information.


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Joseph Joachim.
Von
Dr. Leopold Schmidt.

Lange, lange schon mußten wir es kommen sehen — aber wir mochten uns mit dem Gedanken nicht vertraut machen. Das rüstige Alter des Meisters kam unserer Neigung entgegen, den Wandel der Dinge zu vergessen, und machte es der Vorstellung doppelt schwer, sich die ehrwürdige Gestalt aus dem Konzertleben fortzudenken. Wenn am Ende eines Winters in der letzten Quartettsoirée das teure Haupt sich in seiner vornehm-bescheidenen Weise dem endlosen Beifall neigte, regte sich wohl zuweilen in den Herzen seiner Hörer die bange Frage nach der Zukunft; aber wie auf etwas Selbstverständliches rechnete man stets auf sein Wiedererscheinen an der historisch gewordenen Stätte seiner Wirksamkeit. Wir mußten die Jahre zählen, wir mußten besorgniserregende Kunde erhalten, um das nahe Ende ernstlich vor Augen zu haben.

Man sagt, kein Mensch sei unersetzlich. Das trifft für Persönlichkeiten wie Joachim ganz gewiß nicht zu. Die Lücke, die sein Hinscheiden hinterlässt, wird auf zu verschiedenen Gebieten empfunden werden, als daß sie je ausgefüllt werden könnte. Hervorragende Künstler haben neben ihm gelebt und werden nach ihm kommen, deren Können und Energie unsere Verwunderung erheischen. Was ihnen Joachim gegenüber fehlt, ist das Geschlossene der Persönlichkeit und das, ich möchte sagen, reine Verhältnis zu ihrer Kunst. Joachim war der Letzte einer Generation, die noch unberührt war von Reklame- und gewinnsüchtigen Neigungen der Jetztzeit, die sich in idealistischer Gesinnung auslebte in dem, was sie sein mußte. Das war es wohl auch, was die Menge empfand, so oft der Meister das Podium betrat. Wer es miterlebt hat, welche Bewegung dann durch den Saal ging, wie dieser Beifall so ganz anders klang als der den Virtuosen gespendete, der weiß, in wie hohem Grade sich hier eine seltene Vereinigung von Mensch und Künstler wirksam erwies. In Joachim verkörperte sich eine längst entschwundene Zeit, die er zuletzt allein noch vertrat, und die mit ihm zu Grabe getragen wird. In Jahrzehnten treuester Hingabe an seinen Beruf hatte sich ein Nimbus um seine Person gebildet der überall empfunden und gewürdigt wurde. Und darin lag wohl vor allem die Bedeutung seines an Erfolgen und Ehrungen beispiellosen Daseins begründet. Joachim war mehr als ein Liebling des Publikums; auf einsamer Höhe stand er, der Stolz des musikalischen Deutschlands, gleich angesehen im Auslands, vornehmlich in England, das ihm fast eine zweite künstlerische Heimat geworden.

Es wäre kleinlich, seiner gedenkend nur von dem großen Geiger zu sprechen. Gewiß hat er, selbst als Virtuose, nicht seinesgleichen gehabt. Das wissen am besten seine Schüler, denen er in guten Zeiten mühelos vormachte, womit in öffentlichen Konzerten zu pruuken [sic] er verschmähte; die beobachten konnten, wie unabhängig seine Technik war, wie er sich in Proben und Aufführungen oft ganz verschiedener Lagen und Fingersätze bediente. Auch die Besucher seiner Quartettabende (in denen er vielleicht das Feinste und Beste seiner Kunst gegeben) erlebten es oft genug, daß er beim Reißen einer Saite unvorbereitet auf der anderen weiterspielte. Er, der geborene Ungar, war eben wie ein Zigeuner mit seinem Instrument verwachsen, das beim Musizieren gleichsam ein Glied seines Körpers wurde. Sein ganzes Spiel atmete Freiheit, Freiheit im Rhythmus, Freiheit in der Auffassung. Das überhörten diejenigen, die darin nur das Solide, technisch Vollendete und Edle wahrnahmen, mit dem Joachim recht eigentlich den Stil einer modernen deutschen Geigerschule begründet hat. Allein auch der Lehrmeister vervollständigt das Gesamtbild des Mannes nur halb. Als solcher hat er mittelbar und unmittelbar weitesten Einfluß geübt. Vor allem durch sein Vorbild; dann aber durch die zahllosen Schüler, die seine Lehre und Anschauungen in die ganze Welt getragen haben. Das Beste freilich konnte ihm niemand abgucken, das bleibt immer an die Persönlichkeit gebunden.

Das Wesentlichste in Joachims Erscheinung war bei alledem der eminente Musiker. Sein geniales Violinspiel war nur die zufällige Emanation einer Musiknatur, wie sie stärker kaum jemals auf die Mitwelt gewirkt hat. Deshalb konnten so gut wie Geiger auch Sänger, selbst Komponisten von ihm lernen. Nur so erklärt es sich auch, daß er mutschaffend das Musizieren von Generationen bestimmen konnte. Bekannt is, was er allein für die Darstellung der Beethovenschen Musik getan hat. Sein Vortrag des Violinkonzertes bedeutete seinerzeit eine Offenbarung, und wie er die gesamte Quartettmusik Beethovens zum Leben erweckt hat, wird sie für immer vorbildlich bleiben. Nicht weniger aber hat er mit dazu beigetragen, für die Auffassung und den Vortrag Bachs die Richtschnur zu geben, und mehr, als wir uns vielleicht bewußt sind, ist unsere Vorstellung von Spohr und Mendelssohn durch ihn beeinflußt. Seinen Freunden Schumann und Brahms endlich hat er wie im Leben, so in ihrem Schaffen als unermüdlicher Vermittler nahe gestanden.

Als ausübender Musiker ist Joachim in seiner Art nur wenigen Auserwählten an die Seite zu setzen. Liszt und Rubinstein als Pianisten, Stockhausen als Sänger waren aus demselben Holz geschnitzt. Wie diesen war es Joachim gegeben, den Hörer vom ersten Ton an in seinen Bann zu zwingen, und diese Macht entsprang wiederum der eigenen unbedingten Hingabe an die Sache. Joachim war es immer nur um die Musik zu tun, die er machte, und das fühlte man und folgte ihm willig. Das war das Geheimnis seiner Größe, die auch von den Gegnern — und Joachim hatte deren — anerkannte werden mußte.

Daß eine solche Künstlernatur sich auch schöpferisch betätigte, ist nur natürlich, wenn auch der Komponist in Joachim erheblich hinter dem reproduzierenden Musiker zurücktrat. Um so energischer brachte er seinen persönlichen Geschmack zur Geltung. Man hat es dem Meister zum Vorwurf gemacht, daß er allzusehr an den Idealen seiner Jugend festgehalten habe und dem Fortschritt im Wege gewesen sei. Wer seine Entwicklung aufmerksam bis ans Ende verfolgt hat, weiß, daß dem nicht ganz so ist. Alles wahrhaft Große hat ihn empfänglich gefunden, und es wäre eine Fälschung, ihn schlechthin zu einem Anti-Wagnerianer zu stempeln. Wenn auch nach längerem Widerstreben, so haben doch sowohl die Werke des Bayreuthers wie manches andere Moderne (zum Beispiel Verdi) später seine wohlabgewogene Schätzung erfahren. Allerlei Persönliches spielte eben dabei mit. Andererseits muß man es verstehen und sich dessen freuen, daß eine so aufgeprägte Individualität überzeugungstreu auf festem Grund und Boden stand und die Schwankungen des Zeitgeschmackes nicht haltlos mitmachte. Die Kunst war ihm etwas Heiliges, und er konnte zornig werden, wenn er ihre Würde von frevelnden Händen angetastet glaubte. Die jüngste Phase der musikalischen Entwicklung lehnte der alternde Meister einfach ab. In den Werken unserer Modernen und ihren Exzentrizitäten (die er übrigens bis in seine letzten Lebenstage verfolgte) vermochte er nichts zu entdecken, was sich mit seinen Begriffen von Schönheit, musikalischer Erfindung oder auch nur technischem Können noch irgendwie hätte in Einklang bringen lassen.

Wir alle wissen, wie sehr beim Künstler die menschliche Persönlichkeit mitspricht, wie sie sein Wirken hemmen oder fördern kann. Die Art, wie Joachim auf dem Podium dastand, wie er die Geige hielt und sie liebevoll ansah, gehörte mit zu dem Eindruck seines Spiels. Im Leben besaß er im hohen Grade das, was wir Charme nennen. Er konnte überaus gewinnend sein. Aus meiner Studienzeit kommen mir kleine Züge, die bezeichnend dafür sind, in die Erinnerung. Einst passierte Frau Neruda in der Probe, als sie Vittis [sic — recte: Viotti] A-moll-Konzert spielte, ein kleiner Gedächtnisfehler. “Seltsam,” sagte Joachim, um der Künstlerin chevaleresk über jede Verlegenheit vor dem Orchester hinwegzuhelfen, “an derselben Stelle komme ich auch immer heraus.” Als Eleve der Hochschule war ich mit einem der Lehrer in Konflikt geraten und verweigerte den weiteren Besuch seines Kursus. Ich wurde zum Direktor beschieden. In Erwartung ernstlicher Vorhaltungen und fest entschlossen, mein Recht zu behaupten, betrat ich des Meisters Amtszimmer. Freundlich wird ich gebeten, Platz zu nehmen; dann erwähnte Joachim kurz meine Weigerung, sah mich mit seinen tiefen Augen an und sagte, indem er mir die Hand bot: “Würden Sie wieder hingehen, wenn Sie mir damit einen Gefallen tun?” Natürlich tat ich es; es wäre unmöglich gewesen, in diesem Augenblick nein zu sagen.

Es gibt viele, die in ihrer Beurteilung den Menschen vom Künstler scharf getrennt haben. Joachim was wie alle temperamentvollen Naturen von starken Sympathien und Antipathien beherrscht. Auch war er durchaus keine von den verträumten, weltfremden Künstlerseelen und wußte aufrecht seinen Weg zu verfolgen. Da mochte es manchem nicht behagen, daß dieser Weg so hoch hinaufführte. Aber trotz allen Parteiengezänkes, trotz aller Strebungen, die sich im besonderen gegen Joachims Schöpfung, die königliche Hochschule für Musik, richteten, hat seine ehrwürdige Persönlichkeit, der schließlich auch das Unglück nicht erspart geblieben ist, die Kritiker zum Schweigen gebracht. Auch wer nicht in unbewachten Momenten einen Blick in diese Seele getan, wer nichts von den Opfern wußte, die das Leben von ihr gefordert: der konnte aus dem rührenden Ton seiner Kantilene, aus der männlichen Art der Pflichterfüllung bis zum letzten Krankenlager erkennen, welch guter und edler Mensch dieser Künstler gewesen ist. Am offenen Sarge, man kann es in Wahrheit sagen, wird nichts laut als die Trauer um den Heimgegangenen.

Schon jetzt dünkt uns der Verlust groß. Aber erst später und ganz allmählich werden wir in vollem Umfange uns bewußt werden, was wir an Josef Joachim verloren haben.

*     *
*

Im Sterbezimmer Joachims waren gestern beim Ableben des Meisters seine Töchter Frau Feld-Joachim, Marie und Elisabeth und die Söhne Dr. Paul, Dr. Hermann und Hauptmann Joachim versammelt. Ferner waren die Mitglieder des Joachim-Quartetts, die Professoren Halir, Hausmann und Wirth sowie die Herren Franz und Robert v. Mendelssohn anwesend. Joachim ist ganz sanft entschlafen.

Die von der Akademie der Künste veranstaltete Trauerfeier findet in der Hochschule für Musik in Charlottenburg am Montag, den 19. d. M., nachmittags 4 Uhr statt. Die Beerdigung erfolgt nach dem Kirchhof der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche.


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