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Joseph Joachim

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Joseph Joachim

Category Archives: Reminiscences & Encomia

Aus Robert Schumann’s letzten Tagen

05 Friday Jun 2015

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Ernst Rabich, Haus und Kirchenmusik, vol. 1, no. 1 (January 1, 1897), p. 15.


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Aus Robert Schumann’s letzten Tagen

Aus Robert Schumanns letzten Tagen veröffentlicht Ed. Hanslick in der “N. Fr. Pr.” bisher noch ungedruckte Briefe des geistig erkrankten Komponisten. Sie sind an Brahms und Joachim gerichtet und Hanslick leitet diese Veröffentlichung folgendermassen ein: “Brahms hatte auf die Nachricht von Schumanns Erkrankung sofort seinen Wohnsitz in Düsseldorf genommen, um in dieser schweren Prüfungszeit Frau Clara und ihren Kindern trost- und hilfreich zur Seite zu stehen. Schumann hatte zuerst an dem jungen Brahms das grosse Talent erkannt und anerkannt — jetzt bekam die Familie Gelegenheit, sein Herz kennen zu lernen. Brahms war der häufigste und willkommenste Besucher in Endenich; er kam wöchentlich ein-, auch zweimal zu dem Kranken, der mit zärtlicher Liebe an ihm hing. Sein Erscheinen wirkte offenbar freundlich beruhigend auf Schumann, mit dem er von dessen Angehörigen und über Musik sprach, auch vierhändig spielte. Sonst gestattete der Arzt nur sehr selten nahen Freunden den Zutritt zu Schumann, dem jede Aufregung sorgsam fernzuhalten war. Clara selbst durfte ihn erst ganz kurz vor seinem Tode sehen, als er nicht mehr sprechen konnte. Joachim schreibt mir bei Übersendung des letzten Schumannbriefes: “Ich habe Schumann dreimal in Endenich besucht; das erste Mal hatte ich trostreiche Eindrücke, es war ganz sein freundlicher Blick, das liebreiche, tieftreue Auge, wie es uns auch aus so vielen seiner Notenreihen, von schönen Welten träumend, entgegenleuchtet. Er sprach viel und hastig, freilich, frug nach Freunden und musikalischen Vorgängen und zeigte mir alphabetische Register von Städtenamen, die er emsig zusammengestellt. Als ich fort wollte, nahm er mich noch geheimnisvoll in eine Ecke (obwohl wir unbeachtet waren) und sagte, dass er sich von da wegsehne; er müsse von Endenich weg, denn die Leute verständen ihn gar nicht, was er bedeute und wolle. Es schnitt mir ins Herz! Zum Abschiede begleitete er mich noch ein Stück auf die Chausee und umarmte mich dann. (Ein Wärter war in der Ferne gefolgt.) Die beiden weiteren Male schwand leider jeder Hoffnungsschimmer; zusehends hatte er auch körperlich wie geistig abgenommen.”

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From Ethel Smyth: Impressions that Remained

01 Monday Jun 2015

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Ethel Smyth, Impressions that Remained, New York: Alfred A. Knopf, 1946, p. 251; p. 354.


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 From Ethel Smyth: Impressions that Remained

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Ethel Smyth

Screen Shot 2015-06-02 at 9.25.20 AMf the Joachims I saw a good deal. She was the finest contralto I ever heard, and until she got too fat, the Orpheus of one’s dreams. Joachim according to all English people was of course perfection, but I saw him in another setting and never wholly liked him — perhaps among other reasons because trouble was even then brewing in his house and all my sympathies were with the wife, who, though socially far less than satisfactory than her husband, was a warm, living human being. I wished she would not crawl under the supper table in a fit of New Year jollity, armed with a hat-pin, but why did Joachim allow it, I ask myself. Why did he sit there serenely at the head of the table looking like a planed-down Jupiter and utter no remonstrance? In a certain letter Rubinstein’s answer to this riddle may be found, though obviously grotesque, it proves that I was not the only Joachim-heretic in the world. That evening Joachim told me he had just heard Melba, and raved about her; “How can one speak of coldness,” he asked, “in connection with such phrasing?” Perhaps he knew that the same accusation was often levelled against himself, and in both cases it is obvious what people meant — the “coldness,” compared to Renaissance work, of the Delphic Character, which is not to everyone’s taste.


 Elisabeth (Lisl) von Herzogenberg to Ethel Smyth

Leipzig, November 5, 1882

 … And this man [Anton Rubinstein] maintains in his blind madness the German “inwardness” (Innerlichkeit) means nothing, or rather is another word for impotence, whereby of course he is thinking of Brahms! He said some nice things about the ugly Joachim affair, and thinks he started the whole business in order to marry an English Lady Somebody! “If that is so,” he added grimly, “then I have no use for his Beethoven Concerto and his inwardness and all the rest of it!” Though this is nonsense from the point of view of art, humanly speaking it was warm and sympathetic, and I was glad to hear the frivolous R. talking in that style.

I have not told you, I think, that Frau Joachim has been here and that I visited her in her hotel. I considered it my duty, though it wasn’t easy, for I dreaded what the impression might be. But it was good beyond all expectation; she threw her arms round my neck, sobbing, and was so simple — merely the mother, the lioness robbed of her cubs — that I was deeply touched. Still I cannot get rid of the feeling that she has let herself drift in the direction of cheap, trivial, sentimental yearnings, and gazed forth right and left with moderate lust of conquest; not with any evil intention, but after the fashion of people whose souls are poorly furnished. Things are different now; I think sorrow has ripened and ennobled her, and that took hold of me. Her despair when she speaks about the children (they have taken the daughters to England) is so touching. Imagine! not a soul, except Frau O. and myself went to see her, and in Berlin everyone cuts her — so cowardly and evil is the world! And the worst of all are the virtuous women, who make me perfectly furious. [1]


[1] Later, when Herzogenberg accepted a post offered him by Joachim at the Hochschule, Lisl did not call on Frau Joachim, who was still living in Berlin. [Original footnote.]

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Agathe von Siebold: Göttingen, Summer of 1857

31 Sunday May 2015

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Hans Küntzel, Brahms in Göttingen, Göttingen: Edition Herodot, 1985, pp. 96-98.


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Agathe von Siebold: Göttingen, Summer of 1857

(from Allerlei aus meinem Leben)

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Agathe von Siebold

(*1835 — †1909)

 Screen Shot 2015-05-31 at 10.20.40 PMin wunderschönes Jahr war dann für mich das Jahr 1857, wo im Sommersemester Joseph Joachim sich Studierens halber in Göttingen aufhielt. Gekannt hatte ich den großen Künstler schon früher, aber näher bekannt und befreundet wurden wir erst durch meinen Freund und Lehrer Julius Otto Grimm, den mit Joachim eine enge Freundschaft verband. Es war ein ganz herrlicher Sommer, den ich da verlebte. Täglich die herrlichste Musik oder schöne Ausflüge in die Wälder. Joachim hatte auch verschiedene Schüler für die Zeit seines Göttinger Aufenthaltes nach sich gezogen, die des Meisters Unterricht hier genießen wollten: Adolf Bargheer, nachmals Musikdirektor in Basel, Friedemann Bach, ein Nachkomme des großen Sebastian, Herner, der erst Orchestermitglied in Hannover, dann Musikdirektor und Kapellmeister dort wurde. Dieser Herner war ein äußerst begabter Mensch, ein musikalisches Genie. Fast auf allen Instrumenten vermochte er zu spielen, wenn auch die Geige sein Hauptinstrument war. Auf dem Cello war er sehr tüchtig, und dieses Instrument spielte er auch in den häufig stattfindenden Kammermusik-Zusammenkünften, wo Joachim selbstverständlich an der ersten Geige saß, Bach an der zweiten, während Adolf Bargheer Bratsche spielte. Es gesellte sich dann später noch Carl Bargheer, der ältere Bruder von Adolf hinzu, Geiger und Kapellmeister in Detmold. Gott, war das schön! Ich lebte wie in einem Meer von Glück und Entzücken. Immer, alle Tage, die wunderbare Musik und das fröhliche Zusammensein im Grimmschen, in unserem, im Dirichletschen Hause. Auch ich fand Beachtung mit meinem Gesang und Joachims damalige Lieblingsstücke, den Liederkreis an die ferne Geliebte von Beethoven, und die wunderbar schönen schottischen Lieder mit Cello und Geige und Klavierbegleitung von Beethoven sangen wir wochenlang alle und alle Tage. Als mein Lehrer J. O. Grimm einmal ein paar Wochen verreisen mußte, da bat er Joachim, mit mir indessen Musik zu treiben, und da kam der große Künstler fast alle Tage und ließ mich seine und meine Lieblingslieder singen. Auch tat er mir einmal die Ehre an und spielte die G-dur Geigensonate von Mozart mit mir und war dabei so schön geduldig, wenn ich in meiner Weise stümperte oder Taktfehler in der letzten Variation machte. Dann hielt er nachher wohl seine Hand geöffnet hin und sagte: “Ich bitte mir von Ihnen so und so viel Achtel (oder Viertel oder Sechzehntel) aus, um die Sie mich betrogen haben.” Meine Stimme hatte er gern und verglich den klaren, hohen Sopran wohl mit einer Amati-Geige. Ich erinnere mich noch ganz genau des Abends, wo ich ihm zuerst, und was ich ihm vorsang. Das war bei Dirichlets, der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy. Frau Rebekka hatte mir aus Berlin von Frau Fanny Mendelssohn eine Arie von dem alten italienischen Meister Porpora mitgebracht, die Joachim nicht kannte. Dieselbe hatte ich bei Grimm einstudiert und trug sie nun vor, und außerdem eine Arie von Händel aus dem Josua: “O, hätt’ ich Jubals Harf etc.” Ich glaube, ich zog mich damals ganz anständig aus der Affäre, denn Joachim war sehr freundlich, und von der Zeit an durfte ich immer mit musizieren. Dann erinnere ich mich auch noch meines Geburtstages, des 5. Juli, wo ich 22 Jahr alt wurde. Grimm gab an dem Tage, ein Sonntag war’s, eine seiner Matinéen im Ritmüllerschen Saal. Joachim spielte, und ich sang die Haydn’sche Schöpfungsarie “Nun beut die Flur.” Dies Mal machte ich es wirklich gut, denn sowohl Joachim wie auch Julius Hey, der nachherige Gesangsprofessor, sagten mir viel Erfreuliches.

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Wunderherrlich, voll Schönheit und Poesie, waren auch die gemeinsame Ausflüge. Oft lagen wir im Wald oder am Waldrand im Schatten und lasen uns schöne Sachen vor: z.B. Brentanosche Novellen “Die mehreren Wehmüller,” Indische Sagen, übersetzt von Holzmann u.s.w., und die Romantik dieser Werke paßte so ganz und gar, so harmonisch zu der ganze Poesie unseres Daseins. Es war eine so herrliche und reiche Zeit, wie ich sie vorher nie gekostet hatte, und tief ist sie in mein Gedächtnis eingegeraben. Auch sie mußte ein Ende nehmen. Ich mußte mit der Mutter auf Reisen gehen. So schön die Aussicht gewesen wäre, ins Fichtelgebirge, dann nach München und nach Berchtesgaden zu gehen, jetzt freute ich mich kein bißchen darauf, reiste sogar sehr ungern ab, denn Joachim und die anderen lieben Musikanten blieben noch in Göttingen, und ich mußte scheiden.

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Sir Henry Wood on Joachim’s Diamond Jubilee

20 Wednesday May 2015

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Henry J. Wood, My Life of Music, London: Victor Gollancz Ltd. 1938, pp. 183-185.


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JOACHIM (1904)

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Henry Wood ca. 1906

The outstanding event of the 1904 season was the diamond jubilee of Joseph Joachim. A wonderful reception was given for him in Queen’s Hall on Monday, May 16. The president was Arthur James Balfour whom, for the first time, I had the honour of meeting. On the programme appeared a delightful poem by Robert Bridges and, on the second page, a reproduction of a pencil drawing by Frau Moritz Hauptmann; also a recently-taken photograph.

I opened the concert with Mendelssohn’s Hebrides Overture. I may say that, in those early days of my conducting, Mendelssohn was not a great favourite of mine; I was more devoted to Bach, Beethoven, Brahms, and Wagner. Joachim, on the other hand, had known Mendelssohn personally — indeed, he had played with him. He was naturally devoted to Mendelssohn’s works. I was therefore not a little proud of the result of my conducting of the Hebrides overture, for it brought nothing but words of praise from Joachim.

Later, that amazing personality Sir Hubert Parry read, and Balfour presented an illuminated address to Joachim together with his portrait by Sargent. The second item on the programme was announced as ‘solo violin’, and someone went into the artists’ room and brought Joachim’s fiddle-case which he opened amid tremendous applause and enthusiasm. I began the introduction to Beethoven’s violin concerto and Joachim gave a memorable performance of it with his own cadenza. This was followed by his arrangement of Schumann’s Abendlied for violin and orchestra. The musical part of the programme closed with Joachim conducting his own overture to Shakespeare’s King Henry IV (written in 1885) and also the Brahms Academic Festival Overture.

In his address Balfour referred to Joachim’s association with Mendelssohn and told us how the composer conducted the concerto we had just heard when Joachim played it at the Philharmonic concert of May 27, 1844. He then addressed Joachim thus:

“Learning from Mendelssohn and working with Brahms and in the comradeship of life-long friends, you have devoted your whole energies as executant and composer to continuing the tradition and maintaining the ideal of classical music. We now hold it that the sixtieth anniversary of your first appearance in London should not pass without greeting. Your first thoughts as a performer have ever been for the composer, not for yourself.”

The list of the committee and subscribers numbered six hundred and three and contained all the greatest names in music, literature, painting, and even politics.

Of Joachim I always felt that one was in the presence of a Hungarian gentleman of great intellect, and although his playing lacked the emotional depth of that of dear Ysaÿe, his was a quiet classical serenity free from any trace of exaggeration and always musical and scholarly. Joachim was always conscious of his dignity; one could never have the fun out of him that was possible with Ysaÿe. He was a great friend and always a welcome guest at the house of Edward Speyer in Elstree — generally known as the ‘Elstree Speyer’, and cousin to Sir Edgar. Those two did not quite hit it musically: Edgar was all out for the modern in music, Edward for the strictly classical.

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Wilhelm Altmann: Joseph Joachim †

03 Saturday Jan 2015

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Wilhelm Altmann, Joseph Joachim †, Die Musik, Vol. 6 No. 24 (1906/1907), pp. 319-329.


Wilhelm Altmann (*1862 — †1951) was a German historian, musicologist and librarian. In 1900, he was named head librarian at the Königliche Bibliothek in Berlin, and in 1905 he became a professor of music there. After 1906, he was founding director of the Deutsche Musiksammlung at the Royal Library. From 1915 to 1927 he was director of the Music Division of the Preußische Staatsbibliothek. A violinist, he was a connoisseur of chamber music, and the author of several handbooks on the chamber literature.

Links: DB, NÖ, WIKI


 

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Unverwüstlich schien Joseph Joachims Gesundheit zu sein, unverwüstlich seine Freude am öffentlichen Auftreten, die er zuerst am 17. März 1839 gekostet hatte, unverwüstlich auch der Erfolg, der seit seinen Knabenjahren ihm immer ein treuer Begleiter gewesen war. Da trat an den fast Sechsundsiebzigjährigen Ende März dieses Jahres, als er mit seinem Quartett auf einer Konzertreise in Wien weilte, der Engel des Todes mahnend heran. Es war ihm zwar noch vergönnt, seinen Berliner Quartettzyklus zum Abschluss zu bringen, bei dem Bonner Kammermusikfest und dem dritten (Eisenacher) Bachfest mitzuwirken, ja selbst noch in London zu konzertieren, wohin er sich seit 1844 alljährlich zu begeben pflegte, allein die Hoffnung, dass der Künstler uns in der nächsten Saison noch erhalten sein würde, durfte man kaum noch hegen. Zu den ernstesten Besorgnissen hatte man Grund, als gegen Ende Juni das Konzert der Königlichen Hochschule, in dem Joachim den “Elias” seines väterlichen Freundes und geistigen Wohltäters Mendelssohn aufführen wollte, wegen Erkrankung des greisen Künstlers an Influenza abgesagt wurde. Seitdem schwebte sein Leben in Gefahr, obwohl noch mancher Tag nicht gerade hoffnungslos sich anliess, bis in den ersten Augusttagen ein Schlaganfall sich einstellte, dessen Folgen der Altmeister der Geige am 15. August, nachmittags um 1 ¾ Uhr, erlegen ist.

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Für das Kunstleben, und zwar nicht bloss das Berliner und Londoner, bedeutet sein Hinscheiden einen schweren Verlust, der vielen unersetzlich erscheinen dürfte. Der Zauber, den der Name Joachim ausströmte, die Verehrung, die er bei jung und alt genoss, war unbeschreiblich. Um so schwieriger ist es, so bald nach seinem Tode sein Wirken mit ruhiger Objektivität zu beurteilen. Sicher ist: seine Zeit war erfüllet; er ist von uns gegangen, nachdem er seine Mission beendet hatte. Vielleicht wäre sein Ruhm uns noch heller erchienen, wenn er freiwillig zugunsten jüngerer Kräfte schon vor einigen Jahren sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hätte. Aber er brauchte wohl, um frisch zu bleiben, den Beifall und die Liebe des Publikums. Es war dies vielleicht eine kleine Schwäche an ihm; er war eben auch ein Mensch. [1]

Versuchen wir im folgenden in grossen Zügen sein Leben zu schildern und uns klar zu machen, was er als ausübender Künstler, als Lehrer seines Instruments, als Dirigent und auch als Tonsetzer geleistet hat. Wir werden sehen, dass er zu den Auserwählten gehört hat, dass seine Lebensarbeit eine ungemein fruchtbare gewesen ist, dass man ihm viel zu wenig Ehre angedeihen lassen würde, wollte man ihn nur als Geigerkönig bezeichnen.

Er hat die oft ausgesprochene Behauptung, dass aus einem Wunderkinde nie ein Künstler ersten Ranges werden könne, aufs glänzendste widerlegt. Als siebentes Kind einer nicht unbemittelten Kaufmannsfamilie ist er am 28. Juni 1831 in dem kleinen, etwa eine Stunde Wegs südlich von Pressburg gelegenen ungarischen Flecken Kitsee geboren worden. In Pest, wohin seine Eltern schon 1833 übergesiedelt waren, erhielt er schon frühzeitig Violinunterricht bei dem Konzertmeister der dortigen Oper Serwaczynski. Mit Staunen vernehmen wir, dass dieser Künstler mit ihm bereits am 17. März 1839 ein Doppelkonzert von Eck öffentlich vortragen konnte. Auf dringendes Anraten einer Wiener Cousine wurde der kleine Geiger, dessen Talent allgemein bewundert wurde, bereits im Sommer desselben Jahres nach Wien gebracht, um hier zunächst von dem berühmten Geiger Georg Hellmesberger sen., bald aber von dem hervorragenden, als Haupt der Wiener Schule geltenden Geigenpädagogen Joseph Böhm (1795 — 1876) zum Virtuosen und auch tüchtigen Musiker herangebildet zu werden. Fünf Jahre blieb Joachim in der österreichischen Hauptstadt, die damals noch in musikalischer Hinsicht weit mehr tonangebend als heute war, und studierte in diesem Zeitraum mit solcher Hingabe und solchem Ernst, dass sein Lehrer ihm schliesslich nichts mehr beibringen konnte und ihm riet, sich seinen letzten Schiff in Paris zu holen.

Doch wieder griff jene Cousine ausschlaggebend in sein Leben ein. Sie hatte mittlerweile infolge ihrer Verheiratung Wien mit Leipzig vertauscht und war so voll des Lobes über das Musikleben dieser Stadt und über deren musikalische Koryphäen, insbesondere über Mendelssohn und Robert Schumann, dass Joachims Eltern sich bewogen fühlten, den Knaben nach der Pleissestadt zu schicken. Hier öffnete ihm sein Talent bald alle Pforten; insbesondere nahm sich seiner Mendelssohn auf das freundlichste und nachhaltigste an. Dieser fand, dass der Wunderknabe keinen Lehrer für sein Instrument mehr nötighabe, veranlasste ihn aber, seine thoretischen Studien bei Moritz Hauptmann, dem berühmten Lehrer des Kontrapunkts und Thomaskantor, fortzusetzen und vor allem auch seine allgemeine Bildung durch gründlichen Unterricht in wissenschaftlichen Fächern zu vervollkommnen; er besorgte ihm auch in dem Magister Hering eine ungemein geeignete Lehrkraft und hatte bald die Freude, dass der “Teufelsbraten”, wie er den jungen Joachim zu nennen pflegte, auch in den Wissenschaften gut heimisch wurde. Neben Mendelssohn, mit dessen Familie Joachim bis zu seinem Tode in den inngsten Beziehungen blieb, förderten ihn auch Schumann, dessen Frau er später in reichstem Masse seine Dankbarkeit beweisen konnte, und Ferdinand David in jeder Hinsicht. Diesem spielte er gelegentlich Werke, die er neu studiert hatte, vor.

Das erste öffentliche Auftreten Joachims in Leipzig fand in einem Konzert der Sängerin Viardot-Garcia am 19. August 1843 statt; er trug, von Mendelssohn auf dem Klavier begleitet, dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend, ein Konzertstück von — De Bériot vor. Bereits im folgenden Jahre finden wir ihn zum ersten Male in London, wo von da ab keine Konzertsaison ohne sein Auftreten mehr möglich zu sein schien. Hier spielte er am 27. Mai 1844, und zwar unter Mendelssohns Direktion, das damals noch wenig beachtete Violinkonzert von Beethoven, [2] das er dann im Laufe der Jahre geradezu populär gemacht hat. Natürlich war auch Mendelssohns Violinkonzert bald eine ständige Nummer seines Repertoires, das in bezug auf Geigenkonzerte sich in den letzten Jahren ausserdem auf die Bachschen, auf die Mozartschen (namentlich in A-dur und D-dur), Viotti’s a-moll No 22, die Spohrsche Gesangsszene, auf sein ungarisches und sein G-dur Konzert, auf Bruch No. 1 und 3 und vor allem auf Brahms (auch Doppelkonzert) erstreckte; dazu kamen noch an Werken mit Orchesterbegleitung die gern gespielte Schumannsche Fantasie und die Romanze von Bruch op. 42.

Auch nach Mendelssohns Tod blieb Joachim noch in Leipzig, wo er als zweiter Konzertmeister dem Gewandhausorchester angehörte. Als er im Oktober 1850 einem Rufe als Konzertmeister nach Weimar folgte, schied er von “Klein-Paris” mit dem sicheren Bewusstsein, sich hier eine höhere künstlerisch-ästhetische Bildung angeeignet zu haben, sowie im Besitz eines höchst gediegenen, dem Virtuosenstandpunkt durchaus entgegengesetzten musikalischen Geschmacks zu sein. Es war ganz natürlich, dass in Weimar die eminente Persönlichkeit seines grossen Landsmannes Franz Liszt, der ihn auch berufen hatte, auf Joachim einen sehr starken Einfluss ausübte. Mit ihm zusammen komponierte er eine ungarische Rhapsodie “für Klavier und Violine”, die er später fast verleugnet zu haben scheint; unter Liszts Einfluss entstand im Stile von dessen symphonischen Dichtungen, bald nachdem Joachim im Anfang des Jahres 1853 als Königlicher Konzertmeister nach Hannover übergesiedelt war, seine “Hamlet”-Ouvertüre. Als er sie an Liszt am 21. März 1853 sandte, schrieb er dabei folgende bedeutungsvolle Worte: [3] “Der Kontrast aus der Atmosphäre hinaus, die durch Ihr Wirken rastlos mit neuen Klängen erfüllt wird, in eine Luft, die ganz tonstarr geworden ist von dem Walten eines nordischen Phlegmatikers [4] aus der Restaurationszeit, ist zu barbarisch! Wohin ich auch blicke, keiner, der dasselbe erstrebt wie ich; keiner statt der Phalanx gleichgesinnter Freunde in Weimar. Die Kluft zwischen dem heftigsten Wollen und dem unmöglichen Vollbringen gähnte mich verzweifelt an. Ich griff da zum ‘Hamlet’. Die Motive zu einer Ouvertüre, die ich schon in Weimar habe schreiben wollen, fielen mir wieder bei.”

Durch Liszt trat Joachim auch in Beziehungen zu Richard Wagner, dessen “Lohengrin” ihn hoch begeistert hatte; nach dem Karlsruher Musikfest 1853 besuchte er in Gemeinschaft mit Liszt, Hans v. Bülow, Peter Cornelius u. a. den grossen Verbannten, der aus seinem Züricher Asyl zum Treffpunkt nach Basel gekommen war. Von ihm erhielt er denn auch zum Sittener Musikfest 1854 eine Einladung. Man kann sich denken, wie schmerzlich Wagner und Liszt es empfanden, als Joachim, für den in Hannover die Stellung eines Konzertdirektors geschaffen worden war, sich ihnen mehr und mehr entfremdete, bis er 1860 in Gemeinschaft mit Brahms, Julius Otto Grimm und Bernhard Scholz sich von ihnen öffentlich lossagte. [5]

Diese Sinnesänderung Joachims ist in erster Linie auf seine Freundschaft mit Johannes Brahms zurückzuführen, der mit ihm durch den Geiger Remenyi bekannt geworden war. Als sie einander kennen lernten, stand Joachim sowohl als reproduzierender wie auch als schaffender Künstler weit über Brahms, war sich aber sofort darüber klar, was in diesem schlummerte. “Er war nicht nur der erste überhaupt,” sagt Andreas Moser, “der Brahms’ Genius in seiner ganzen Bedeutung erkannte, sondern, was ungleich schwerer wiegt, er hat trotz aller Misserfolge, von denen die meisten seiner [Brahms’] Werke bei ihrem Erscheinen begleitet waren, ungeachtet aller persönichen Anfechtungen, in unerschütterlicher Treue an ihm festgehalten und keinen Tag seines Lebens das volle Vertrauen auf den endlichen Sieg seines Freundes verloren.” Je mehr sich in Joachim die Erkenntinis von Brahms’ Bedeutung bekräftigte, um so weniger hatte er Neigung, selbst sich als Komponist zu betätigen. Ursprünglich bestand in bezug auf das Schaffen zwischen beiden gleichstrebenden Freunden ein edler Wetteifer; jahrelang sandten sie sich regelmässig alle acht Tage Studien im doppelten Kontrapunkt, Kanons, Fugen, Präludien, Choräle, Variationen und dergleichen zu, die sie aufs strengste gegenseitig prüften, um auf diese Weise Meister des musikalischen Satzes zu werden. Von Hannover aus besuchten sie auch zur Vervollkommnung ihrer Bildung Vorlesungen an der Universität Göttingen.

Bereits in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts galt Joachim als der erste der lebenden Geiger; allgemein wurde schon damals anerkannt, dass bisher noch niemals ein Virtuose sich so dem Musiker untergeordnet habe. Wilh. Joseph von Wasielewski, einer der sachverständigsten Beurteiler, schrieb im Jahre 1860 folgendes Urteil über Joachim nieder, das in geradezu mustergültiger Weise die treffendste Charakteristik über den Geiger Joachim abgibt: “Joachims unvergleichliches Violinspiel zeigt das wahrhafte Musterbild, das Ideal eines vollkommenen Geigers mit Beziehung auf unsere Gegenwart natürlich. Weniger kann und darf man nicht von ihm sagen, aber auch nicht mehr, und es ist genug. Was aber diesen ersten aller lebenden Violinisten ausserdem so hoch über das jetzige Virtuosentum nicht bloss seiner Fachgenossen, sondern der ganzen Musikwelt hinaushebt ist die Tendenz, in der er seinen Beruf ausübt. Joachim will nicht Virtuose im herkömmlichem Sinne, er will Musiker vor allen Dingen sein. Und er ist es — ein bei seiner absolut dominierenden Stellung um so nachahmenswerteres Beispiel für all jene, die vom Dämon kleinlicher Eitelkeit besessen, immer nur ihr langweiliges Ich zur Schau stellen wollen. Joachim macht Musik, seine eminente Leistungsfähigkeit befindet sich allein im Dienste der echten, wahren Kunst, und so ist es recht. Man muss diesen Künstler dafür besonders lieb und wert halten.” Nicht vergessen darf auch werden, dass Joachim der Geigerwelt die Solo-Sonaten von Bach eigentlich erst erschlossen, dass er sie, for allem die Ciaconna aus der vierten Sonate, ausserdem auch die sogen. Teufelstriller-Sonate von Tartini geradezu populär gemacht hat.

Die Wertschätzung Joachims wuchs in noch höherem Masse, als er 1869 in Berlin, wohin er von Hannover zunächst als Privatmann übergesiedelt war, beauftragt worden war, die Königliche Hochschule für Musik mit ins Leben zu rufen. [6] Er hat hier eine wahre Hochschule für Geiger begründet; seine zahlreichen Schüler sitzen als Konzertmeister nicht bloss in den ersten Orchestern Deutschlands, sondern auch Englands und Amerikas. Mit Recht durfte sein Biograph Andreas Moser sagen: “Es dürfte schwer fallen, für die hingebende Treue und gewissenhafte Pflichterfüllung, mit der Joachim vom Tage der Gründung bis auf die heutige Stunde dem Ausbau und der Entwicklung der Hochschule seine besten Kräfte gewidmet hat, ein auch nur annäherndes Beispiel an die Seite zu stellen. Nur der lauterste Idealismus und das freudige Bewusstsein, Gutes und Segenbringendes zu stiften, können die aufopfernde Mühewaltung erklären, die er an seine Schöpfung gewendet hat.” [7]

Dass er die Hochschule vorwiegend in musikalisch-konservativem Sinne leitete, war bei seinem ganzen Entwicklungsgang nur natürlich, doch hätte es nichts geschadet, wenn mit den Modernen [8] etwas mehr Fühlung genommen worden wäre. Dass aber die Nennung des Namens Richard Wagners bei Joachim verpönt gewesen sei, wie bisweilen behauptet wurde, entspricht nicht den Tatsachen: liess es sich doch gar nicht umgehen, dass in den Orchesterübungen Fragmente aus Wagners Werken aufgelegt und studiert wurden. Gehindert hat Joachim auch keinen seiner Schüler, sich an die “Modernen” anzuschliessen. Die gesamten Hochschüler hingen jedenfalls an ihm wie an einem Vater; dies zeigte sich auch bei jeder Gelegenheit.

Noch leben in unser aller Gedächtnis die imposanten Feierlichkeiten, die anlässlich seines fünfzigjährigen (1889) und sechzigjährigen (1899) Künstlerjubiläums stattgefunden haben, Feiern, die beredtes Zeugnis ablegten von der ungemeinen Verehrung, deren sich der grosse Künstler allgemein erfreute. Er hat übrigens, seitdem die Königliche Hochschule besteht, nie Privatunterricht erteilt, obwohl namentlich die reichen Ausländer ihm gern dafür das denkbar höchste Honorar gezahlt hätten. Vielfach hat er jungen strebsamen unbemittelten Leuten tüchtige Lehrer aus eigener Tasche gehalten, wie er denn überhaupt seine Kunst und auch seine Börse oft und stets gern in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hat.

Unvergessen darf in dieser Hinsicht auch nicht bleiben, was er alles für das Berliner Philharmonische Orchester [9] getan hat, um dessen Weiterbestand in kritischer Zeit zu sichern.

Neben seiner Tätigkeit an der Königlichen Hochschule, wo er auch einen Teil der Orchesterübungen abhielt, wirkte Joachim auch eifrigst in der musikalischen Sektion der Königlichen Akademie der Künste, deren Vice-Präsident er seit einer Reihe von Jahren gewesen ist. Eine Zeitlang veranstaltete die Akademie sogar eigene Konzerte unter Joachims Leitung. Seit etwa 20 Jahren aber hat dieser den ihm aus seiner hannöverschen Zeit liebgewordenen Taktstock nur bei den Festlichkeiten der Akademie und den Aufführungen der Hochschule geführt. Es war sein stiller Kummer, dass selbst in den Reihen seiner wärmsten Anhänger sich Leute befanden, die an sein Direktionstalent nicht recht glauben wollten. [10]

Um so mehr wurde allgemein anerkannt, was Joachim als Quartettspieler in der geistigen Durchdringung der Tonwerke und besonders im seelenvollen Vortrag der langsamen Sätze geleistet hat. Bald nach seiner Übersiedlung nach Berlin gründete er hier ein Streichquartett, das am längsten in der Zusammensetzung Joachim, de Ahna, [11] Wirth und Hausmann bestanden hat und sich die Pflege der klassischen Quartettmusik, besonders der letzten Beethovenschen angedeihen liess. Erst das Joachim-Quartett hat diese rein transcendentale Musik enthaltenden Werke grösseren Kreisen erschlossen, wenn auch schon Laub mit seinem Quartett vorgearbeitet hatte. Während alle sonstigen Quartettvereinigungen in Berlin nicht sonderlich prosperierten, war bei dem Joachim-Quartett die Singakademie bis aufs Podium hinauf stets ganz gefüllt. [12] Es hat auch sonst überall, wohin es gekommen ist, die grösste Anerkennung gefunden; selbst in den letzten Jahren, wo dem greisen Führer die Finger nicht mehr ganz gehorchen wollten, war nur eine Stimme, dass die geistige Auffassung und die Frische des Vortrages nach wie vor einzigartig seinen. Zu bedauern ist nur, dass die Quartette moderner Komponisten von ihm höchst selten aufs Programm gesetzt wurden. Berücksichtigt hat er eigentlich nur Komponisten, die keine Neuerer waren und vor allem von Brahms ihm empfohlen wurden, so z. B. Dvořak, den Prinzen Reuss, Robert Kahn, Ernst von Dohnanyi, doch kamen auch wohl, namentlich in früherer Zeit, Ausnahmen vor. Selbstverständlich stand der Name Brahms sehr oft auf den Programmen. Das Übergewicht dieser Persönlichkeit in Joachims Anschauungen und Handeln war so gross, [13] dass er derüber manchem, auch der klassischen Richtung zugewandten Komponisten nicht die genügende Beachtung schenkte, so z. B. Friedrich Kiel und Heinrich von Herzogenberg, obwohl diese sogar an seiner Seite gewirkt hatten.

Als solist ist der Altmeister, der auf seinen Konzertreisen früher fast überall hingekommen und unsagbar gefeiert worden war, in Berlin in letzter Zeit nur noch selten aufgetreten; er fühlte doch wohl, dass sein Gehör etwas nachgelassen, sein Ton allmählich zu klein geworden war, um in den grossen Sälen dem Orchester gegenüber sich behaupten zu können. Wenn er aber spielte, was er besonders gern in den Konzerten der Meininger Hofkapelle, als diese noch unter Fritz Steinbach stand, tat, so fühlte man ordentlich, wie er innerlich wieder jung wurde. Und wie dankbar erwies sich das Publikum; es konnte nicht oft genug den Altmeister, der bei seinem Erscheinen auf dem Podium schon Huldigungen wie ein gekröntes Haupt empfing, immer wieder von neuem herausrufen, um ihm womöglich noch eine Zugabe abzulocken.

Bereits oben habe ich von dem Komponisten Joachim gesprochen. Ich wollte die chronologische Schilderung seines Lebensganges nicht durch Eingehen auf seine Werke unterbrechen und stelle nun erst zusammen, was er veröffentlicht hat, nämlich zunächst die mit Opuszahl erschienenen Werke und dann die ohne Opuszahl in ihrer ungefähren Zeitfolge.

op. 1. Andantino und Allegro scherzoso für Violine mit Orchester oder Pianoforte. Leipzig, Fr. Kistner

op. 2. Drei Stücke für Violine mit Pianoforte (Romanze, Phantasiestück, Frühlingsphantasie). Leipzig, Breitkopf & Härtel.

op. 3. Konzert (in einem Satze) für Violine mit Orchester oder Pianoforte; ibidem.

op. 4. Ouvertüre zu “Hamlet” für Orchester; ibidem.

op. 5. Drei Stücke für Violine und Pianoforte; ibidem.

op. 9. Hebräische Melodien (nach Eindrücken der Byronschen Gesänge) für Viola mit Pianoforte; ibidem.

op. 10. Variationen über ein eigenes Thema für Viola und Pianoforte; ibidem [c. 1859].

op. 11. Konzert in ungarischer Weise für Violine mit Orchester oder Pianoforte; ibidem.

op. 12. Notturno für Violine mit Orchester oder Pianoforte. Berlin, Simrock.

op. 13. Ouvertüre für grosses Orchester (dem Andenken des Dichters Heinrich v. Kleist), g-moll; ibidem.

op. 14. Szene der Marfa aus Schillers unvollendetem Drama “Demetrius” für Mezzosopran und Orchester oder Pianoforte; ibidem.

Rhapsodie Hongroise (zusammen mit Franz Liszt). Leipzig, J. Schuberth & Co.

Romanze für Violine mit Pianoforte. Leipzig, C. F. Kahnt [c. 1855].

Song. Rain, rain and sun in: Album of Settings of Tennyson.

“Ich hab’ im Traum geweinet.” Für eine Singstimme mit Pianoforte. Cassel, Luckardt [c.1870], jetzt Berlin, Raabe & Plothow.

Zwei Märsche für grosses Orchester (C-dur und D-dur). Berlin, Simrock [c. 1870].

Variationen e-moll für Violine mit Orchester oder Pianoforte. Berlin, Bote & Bock.

Konzert G-dur für Violine mit Orchester oder Pianoforte (in Hannover zu Anfang der 60er Jahre entstanden, aber 20 Jahre später umgearbeitet veröffentlicht). Berlin, Bote & Bock.

Ouverture [14] zu einem Gozzischen Lustspiel für grosses Orchester. Berlin, Simrock.

Violinschule (zusammen mit Andreas Moser), drei Bände; ibidem; 1905-07 (eigene Kompositionen Joachims im zweiten Bande).

Für ein so langes Leben sind das nicht eben viel Kompositionen. Weit grösser dürfte die Zahl der ungedruckten sein, die Joachim aus Resignation [15] in seinem Pulte zurückbehalten hat. Was er aber veröffentlicht hat (wunderbarerweise kein Streichquartett), ist fast durchweg wertvoll, zeugt von feinem, vornehmem Geschmack und ausgezeichneter Satzkenntnis. Schumannscher Einfluss ist darin entschieden mehr wahrzunehmen als Mendelssohnscher. Die drei Violinkonzerte, von denen das Brahms gewidmete ungarische bedeutend genannt werden muss und manches Eigenartige, besonders in der grossen Kadenz durch den Zutritt einzelner Orchesterinstrumente zu der Solostimme, enthält, sind durchweg in symphonischem Stil gehalten. Wenn man diesem ungarischen Konzert und dem in G-dur, dessen c-moll-Mittelsatz der Widmung an das Andenken an Giesla Grimm geb. von Arnim Rechnung trägt, verhältnismässig viel zu selten in den Konzertsälen begegnet, so liegt dies an den ausserordentlichen Anforderungen, die darin nicht bloss an den Solisten in jeder Hinsicht gestellt sind. Viel gespielt sind die geradezu klassisch zu nennenden Variationen, die übrigens Pablo de Sarasate gewidmet sind. Die zwei Werke, die Joachim für Bratsche komponiert hat (op. 9 und 10), stammen aus einer Zeit, wo man an eine Heranziehung dieses Instruments für Solozwecke noch höchst selten dachte; Joachim hat nämlich für die Bratsche eine gewisse Vorliebe gehabt und bis in die letzte Zeit gelegentlich in Konzerten sie als soloinstrument benutzt. Die Orchesterkompositionen Joachims stammen wohl ausschliesslich noch aus seiner hannöverschen Zeit. Auffällig ist die geringe Zahl seiner Vokalkompositionen, zumal er, wie wir noch sehen werden, mit einer Sängerin verheiratet war.

Zu den Kompositionen kommen noch eine kleine Anzahl von Bearbeitungen, von denen einige sich grosse Beliebtheit erfreuen. Es sind dies:

Franz Schubert, Grosses Duo op. 140. Für Orchester bearbeitet. Berlin, N. Simrock.

Brahms, Ungarische Tänze für Violine und Pianofortebearbeitet. 4 Hefte. Gleichfalls bei Simrock.

Beethoven. Drei Kadenzen zu Beethovens Violinkonzert op. 61, in zwei verschiedenen Ausgaben. Wien, Haslinger und Berlin, Schlesinger.

Rob. Schumann, op. 85, No. 12. Abendlied für Violine mit Orchester oder Pianoforte. Leipzig, J. Schuberth & Co.

Brahms. Kadenz zum Violinkonzert op. 77 von Brahms. Berlin, Simrock.

Im Gegensatz zu den anderen Geigern ist Joachim, obwohl er sich dadurch einen grossen Geldgewinn hätte verschaffen können (auch hierbei zeigte es sich wieder, dass er kein Geschäftsmann war), als Herausgeber klassischer Werke verhältnismässig nur wenig tätig gewesen. Wenn ich nicht irre, hat er sich als Herausgeber nur auf folgenden Werken genannt:

Archangelo Corelli, Werke. London, Augener (in Chrysanders Denkmälern).

Mendelssohn, Violinkonzert, Streichquartett, Quintette und Oktett, Klaviertrios. Berlin, Simrock.

Beethoven, Violinsonaten und Streichquartette. Leipzig, C. F. Peters.

Endlich hat er, gewissermassen als Vermächtnis an die Geiger, in dem dritten Bande der “Violinschule” von Andreas Moser, die auch seinen Namen mitträgt, die bedeutendsten klassischen Violinwerke, wie er sie vorzutragen pflegte, d. h. mit seiner Phrasierung, seinen Bogenstrichen, seinem Fingersatz und vor allem seinen Kadenzen veröffentlicht. Man vergleiche nur einmal damit ähnliche Ausgaben anderer Geiger, um zu erkennen, wie pietätvoll diese Joachimsche und wie nützlich sie für die Geiger ist.

Gedenken wir endlich nach dem Künstler auch der Freundschafts- und Familienverhältnisse Joachims, so hat ein grosser Kreis in him sein Oberhaupt verloren. Freilich hat sich die Schar der Gelehrten, Maler, Bildhauer, Musiker und sonstigen Persönlichkeiten, die den Künstler als Freund und Menschen über alles geliebt haben, durch den Tod schon gelichtet; so waren ihm z. B. Hellmuth von Moltke, Robert von Keudell, Carlyle, Tennyson, Hermann von Helmholtz und Herman Grimm nicht zu vergessen, Bettina von Arnim und Frau Enole Mendelssohn geb. Biarnez vorangegangen. Aus der reichen Korrespondenz, die Joachim namentlich mit zahllosen Künstlern geführt hat, wird hoffentlich noch mehr veröffentlicht werden als der Briefwechsel mit Brahms, den Andreas Moser bald im Auftrage der Deutschen Brahmsgesellschaft herausgeben wird.

Im Jahre 1863 verheiratete sich Joachim mit einer ihm kongenialen Künstlerin, der berühmten Altistin Amalie Schneeweiss (Künstlername Weiss), doch musste sich das Ehepaar nach neunzehnjährigem Zusammenleben leider trennen. Drei Söhne und dre Töchter sind dieser Ehe entsprossen, aber nur die älteste Tochter ist zeitweise dem Berufe der Eltern gefolgt. [16] Als Familienvater soll Joachim das Ideal eines treu sorgenden, unermüdlich auf das Wohl und Gedeihen seiner Kinder bedachten Vaters gewesen sein.

Wer ihm nahe gekommen ist, dem erschien er als Mensch ebenso gross wie als Künstler: er war eine “anima candida”. Sein Name wird unvergessen bleiben.


 

[1] Vgl. das ausgezeichnete Lebensbild Joachims von Andreas Moser (Berlin 1896).

[2] Am 16. Mai 1904 spielte Joachim bei dem grossen ihm zu Ehren anlässlich seines 60jährigen Auftretens in London veranstalteten Konzerte gleichfalls das Beethovensche Konzert und dirigierte seine Ouvertüre zu “König Heinrich IV”, — Am 8. März 1877 war er von der Cambridge Universität zum “Doctor of Music” ernannt worden, eine Auszeichnung, auf die er besonders stolz sein konnte.

[3] Vgl. Max Kalbeck, Joh. Brahms I, 96.

[4] Gemeint ist damit wohl der hannoversche Intendant Graf Platen. [Or, more probably, Heinrich Marschner. — RWE]

[5] Vgl. Eduard Reuss, Franz Liszt, ein Lebensbild, S. 300 ff. und Kalbeck, Joh. Brahms I, S. 419 ff. — Rich. Wagner sagt in den “Aufklärungen über das Judentum in der Musik” (Schriften, 3. Aufl., Bd. 8, 245): “Mit dem Abfalle eines bisher warm ergebenen Freundes, eines grossen Violinvirtuosen, trat jene wütende Agitation gegen den nach allen Seiten hin grossmütig unbesorgten Franz Liszt ein…”

[6] Rich. Wagner sagt in seiner Schrift “Über das Dirigieren” (Schriften, 3. Aufl. Bd. 8, S. 336) “Eine solche Schule ohne Herrn Joachim zu begründen, wo dieser zu gewinnen war, hätte jedenfalls als bedenklicher Fehler erscheinen müssen. Was mich für diesen hoffnungsvoll einnimmt, ist, dass nach allem, was ich über sein Spiel erfahren habe, dieser Virtuos den Vortrag kennt und selbst ausübt, welchen ich für unsere grosse Musik fordere; somit dient er mir neben Liszt und den zu seiner Schule Gehörigen als einziger sonst mir bekannt gewordener Musiker, auf welchen ich für meine obigen Behauptungen als Beweis und Beispiel hinweisen kann. Es ist hierbei gleichgiltig, ob es Herrn Joachim … verdriesslich ist, in diesen Zussammenhang gestellt zu werden … Dünkt es Herrn Joachim nützlich, vorzugeben, er habe seinen Vortrag im Umgange mit Herrn Hiller oder R. Schumann so schön ausgebildet, so kann dies auf sich beruhen, vorausgesetzt, dass er nur immer so spielt, dass man daraus den guten Erfolg eines mehrjährigen vertrauten Umganges mit Liszt erkennt.”

[7] Trotzdem wird sich jetzt eine Reorganisation der Hochschule, vor allem die Abschaffung des mehrköpfigen Direktoriums wohl als notwendig herausstellen; die jetzige Form des Direktoriums war gewählt worden, da Joachim, der seit 1888 zwar den Titel eines Direktors führte, eigentlich aber nur Vorsteher der Instrumentalklasse war, ein sechsmonatiger Urlaub im Jahre zu Konzertreisen zugestanden war. Die Schaffung eines Verwaltungsdirektors wird sich jetzt wohl als notwending ergeben. In den letzten Jahren hat man mehr oder minder öffentlich bereits Nachfolger für Joachim genannt. Unter allen diesen Persönlichkeiten dürfte als “Direktor” Fritz Steinbach sicherlich die geeignetste sein, doch wird er kaum Neigung haben, seine glänzende Kölner Stellung aufzugeben. Ein offenes Geheimnis ist es, dass Joachim den Wunsch gehabt hat, noch bei seinen Lebzeiten seine Geigenlehrstelle an der Hochschule Henri Marteau zu übertragen, dass dieser Künstler aber abgelehnt hat. Einer von den wenigen Schülern Joachims, die ihm als Geiger wirklich nahe gekommen sind, ist der junge Karl Klingler. Karl Halir galt lange dafür. Hoffentlich beachtet man bei der Wahl, dass ein vollendeter Geiger nicht immer auch ein vortrefflicher Lehrer ist. Dass in den letzten Jahren die “Hochschule” eine führende Stellung unter den ähnlichen Instituten eingenommen habe, werden wohl selbst ihre eifrigsten Anhänger nicht behaupten. Inzucht rächt sich immer. Das Lehrermaterial weist zu wenig markante Persönlichkeiten auf. Auch die vielfach beklagte, freilich nicht zugegebene Bevorzugung der Ausländer müsste ein Ende nehmen. Klagen (ob immer berechtigt, lasse ich dahin gestellt) über die Art der Aufnahmeprüfungen und besonders über die Bevorzugung von Schülern bestimmter Lehrer, namentlich in der Opernschule, hat man auch recht oft gehört.

[8] Bei Konzerten, in denen hochmoderne Werke aufgeführt wurden, war Joachim höchst selten zu sehen; noch weniger bei Opernpremieren.

[9] Vgl. meine “Chronik des Berliner Philharmonischen Orchesters”.

[10] Schon R. Wagner schrieb am Schlusse seiner Schrift “Über das Dirigieren”: “Der Taktstock soll ihm nicht recht pariert haben.” An heftigen Angriffen gegen den Dirigenten Joachim haben es Berliner Rezensenten besonders in den achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts nicht fehlen lassen.

[11] An de Ahnas Stelle, der die drei ersten Jahre Bratsche gespielt hatte, trat nach dessen Tode (1892) zunächst Johann Kruse, der aber 1897 infolge seiner Übersiedelung nach England durch Karl Halir ersetzt wurde; dieser behielt daneben die Führung seines eigenen Streichquartetts weiter.

[12] Freilich war der Besuch des Joachim-Quartetts für manchen nur Modesache; verirrte sich doch kaum einmal einer der Stammgäste Joachims z. B. in eine Soirée des so vorzüglichen Brüsseler Streichquartetts. Man ging weniger hin, um ein Quartett als um den Künstler zu hören. — Ein schönes Bild einer Joachimschen Quartettsoirée malte Menzel. Dieser pflegte bis zu seinem Tode auf einer Seitenbank der Singakademie, so oft Joachim-Quartett war, zu sitzen.

[13] Brahms liebte bekanntlich Bizets “Carmen” ungemein. Infolgedessen soll dieses Werk die einzige moderne Oper gewesen sein, die bei Joachim und daher auch bei dem ganzen Lehrerpersonal der Königlichen Hochschule Gnade gefunden hat! Solche Geschichten wurden gern kolportiert.

[14] In Grove’s Dictionary of Music (new edition) ist diese Ouvertüre als op. 8 bezeichnet; als op. 6 ist dort die unveröffentlichte Ouvertüre zu H. Grimms “Demetrius”, als op. 7 die gleichfalls unveröffentlichte Ouvertüre zu “Heinrich IV.” angegeben.

[15] Wagner sagt am Schlusse seiner Schrift über das Dirigieren, meines Erachtens mit Unrecht: “Auch das Komponieren scheint ihn mehr erbittert als andere erfreut zu haben.”

[16] Es ist dies Marie Joachim, eine hervorragende dramatische Sängerin, die zuerst in Elberfeld, dann in Dessau und Weimar, zuletzt am Casseler Hoftheater gewirkt hat und mit besonderem Glück als “Fidelio” und “Walküre” aufgetreten ist. Die zweiter Tochter, Josefa, war vor ihrer Verheiratung Schauspielerin.

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Sir Frederick Pollock: Address to Joseph Joachim, May 16, 1904

29 Monday Dec 2014

Posted by Joachim in Reminiscences & Encomia

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Sir Frederick Pollock, For My Grandson. Remembrances of an Ancient Victorian, London: John Murray, 1933, pp. 127-129.


Sir Frederick Pollock: Address to Joseph Joachim, May 16, 1904

NPG 3835; Sir Frederick Pollock, 3rd Bt by Reginald Grenville Eves

Sir Frederick Pollock (1845-1937)
Portrait by Reginald Grenville Eves (ca. 1926)
(National Portrait Gallery, London)

An address written by Sir Frederick Pollock, and delivered by Hubert Parry in Queen’s Hall at the Diamond Jubilee (sixtieth anniversary celebration) of Joachim’s English début. 

A

t a time known only by hearsay to most of us, you first brought before an English audience the promise of that performance which has been eminent among two generations of men; which, in gaining an unrivaled wealth of experience, has had no loss to count but that of novelty; which we still welcome as a continuing delight, and which will remain for many generations more as a tradition and example to be prized by those who are born too late for the happiness of immediate knowledge.  It was under the auspices of Mendelssohn that you played Beethoven’s Violin Concerto at the Philharmonic Society’s concert on May 27, 1844. No combination could have been more prophetic of your career, though neither its duration in time nor the singular quality of its achievement was then within any probable foresight.

 At that day the fine arts, and music among them, languished in this country. It was not understood that the function of art is to be not merely the recreation of a privileged class, but an integral element of national life. We have now learnt to know and to do better. Opportunities of becoming acquainted with the music of the great masters have been multiplied tenfold, and the general competence of both execution and criticism has been raised beyond comparison. This great and salutary change which we have witnessed in the course of the last generation is largely due to your exertions. Learning from Mendelsohn and Schumann, and working with Brahms in the comradeship of lifelong friends, you have devoted your whole energies, as executant and as composer, to continuing the tradition and maintaining the ideal of classical music.

 We now hold it fitting that the sixtieth anniversary of your first appearance here should not pass without a special greeting. The welcome we offer you is alike for the artist who commands every power of the trained hand, and for the musician whose consummate knowledge and profound reverence for his art have uniformly guided his execution in the path of the sincerest interpretation. Your first thoughts as a performer have ever been for the composer and not for yourself. In no hour have you yielded to the temptation of mere personal display, and the weight of your precepts in one of the greatest musical schools of Europe is augmented by the absolute fidelity with which your example illustrates them.

 The present occasion will, we hope, be memorable of itself. None the less, we desired that you should possess a visible record of it. Mr. Sargent has brought us the willing and generous aid of a sister art, and we have the pleasure of presenting  to you the portrait of yourself, which he has employed no common zeal to complete within the time at his disposal.

 As the names of Mendelsson, Schumann and Brahms link you in a special manner with the great masters of the past, this concert includes some of their work. We rejoice that it is your pleasure to take an active part which will enhance for both performers and hearers the significance of this commemoration.


From For My Grandson. Remembrances of an Ancient Victorian, pp. 123-126.

In the latter days of Joachim’s work in England the relations of the quartet with the firm who had for many years been their managers became unsatisfactory, and in 1900 a body of guarantors was formed under the name of the Joachim Quartet Concerts, afterwards the Joachim Concerts Committee, to take over the enterprise. It came into action in 1901, and continued for several years with complete success. The survivors of the first executive committee include my friend Mr. Edward Speyer (who was the specially active founder), Mr. Douglas Freshfield, and myself; Alma Tadema’s name stood at the head. Later Mr. Hugh Godley, now Lord Kilbracken, Lord Monteagle (the present), and Sir Herbert Thompson joined us; later still, after Joachim’s quartet ceased to be heard here, and the name was changed to the Classical Concerts Committee, Mr. Rowe, now the Under-Treasurer of Lincoln’s Inn and still active in the cause of good music.

There is a seeming paradox about the functions of a committee of guarantors. In this, as in every kind of suretyship, a real and substantial responsibility is undertaken as being the necessary means of obtaining credit for some purpose in which the undertaker is interested. In almost every case the surety hopes with more or less confidence that he may not be called upon. But in the case of a common enterprise backed by guarantees the confidence has to amount to something like an act of faith: for an actual calling up of the sums guaranteed or any considerable part of them would signify the failure of the enterprise. […]

could not be unframed in S.E.

Joseph Joachim
Portrait by John Singer Sargent (1904)
Presented to Joachim on the occasion of his Golden Jubilee
(Art Gallery of Ontario, Toronto)

In our case the plan was quite successful. Joachim’s quartet continued to play regularly in London till 1906, within a year of his death, and the Classical Concerts Committee was active till 1912. It was finally wound up some years after the War, and a small balance remaining in its hands was applied — alas! for the purpose being necessary — to the benefit of Joachim’s family. Twice the Committee took the lead in rendering special honours to Joachim. In 1904 he celebrated the diamond jubilee of his first appearance in England in 1844. On the 16th of May a reception followed by a concert was held in Queen’s Hall. An address written by myself was read by Hubert Parry, and then, together with a portrait of Joachim by Sargent, presented to Joachim by Arthur Balfour. The musician himself took an active part in the concert as both soloist and conductor. My friend Robert Bridges contributed a sonnet which may be seen in his Poetical Works (ed. 1914, p. 377).

The address was printed with the program me but not otherwise published, so I reproduce it as an appendix: I took some pains about it and understood that Joachim was pleased with it.

Then, in 1908, Joachim having died in August 1907, a memorial concert was given in London under the direction of the Committee (Jan. 23). Dr. Allen, of Oxford, conducted, Lady Hallé was the violinist — the most fitting for the occasion, for she had constantly played with Joachim — and Dr. Tovey contributed a short but very instructive estimate of Joachim as an original musician. It may be that in your time, when his execution is only a recorded memory, his musical genius will be more fully appreciated.

More than a score of years later I was again in the company with my old colleague, Mr. Rowe, in honouring Joachim’s centenary at Lincoln’s Inn […]

Sir Frederick Pollock- Address to Joseph Joachim, May 16, 1904Download

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Sigmund Beel: A Reminiscence (1893)

21 Friday Nov 2014

Posted by Joachim in Reminiscences & Encomia

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The Morning Call (San Francisco), Vol. 74, No. 95 (September 3, 1893), p. 20.

Reminiscence articles are posted here for historical interest only, with the caveat that they may contain false or misleading information.


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SIGMUND BEEL.

A Rising San Francisco Violinist.

HIS STUDIES IN GERMANY.

Mr. Beel Speaks of Concerts Here and Compares Them With Those in Europe.

The Carr and Beel Saturday “populars” have now become one of San Francisco’s established institutions. Before they started into existence there were no regular series of concerts which continued season after season.

The success of the “pops” — as they are termed by anglomaniacs — however, has encouraged other musicians to branch out on similar lines, and now San Francisco is beginning to be considered a very promising concert field.

“I believe it was Mrs. Carr’s idea,” remarked Sigmund Beel, when questioned by the CALL reporter on the subject. “We had been speaking of the Saturday and Monday ‘pops’ that are a feature of music in London, and she remarked that she did not see why the same idea could not be made a success here. We naturally had to work very hard at the beginning to insure anything like success, but I think it speaks well for the people here that twenty-eight concerts should have been prosperous.

“Times have changed wonderfully in late years,” continued Mr. Beel, reflectively. “The people here are really musical, although until recent years they have scarcely had the opportunity to develop their tastes in that direction. When I was a boy it was impossible to get first-class violin lessons. Why? Well, I think people were looking more for gold dust than for anything else. They did not devote much time to developing their latent taste for music.”

Sigmund Beel, however, like one or two other young Californians who are beginning to make a name in the musical world, seems to have studied in spite of obstacles. He was born in North Oakland, and as a boy devoted a great deal of time to the violin, although his parents intended him to follow a medical career. Indeed, Sigmund Beel matriculated at the State University and studied there for two years, but finally resolved to abandon his collegiate studies and devote his life entirely to music.

It was toward Germany that he turned his steps when he made this resolution, for as every one knows, Germany is the home of Joachim, the master among the violinists of the age. In Munich, Levy, the conductor of the Bayreuth festivals, chanced to hear the young Californian play, and was so charmed with his talent that he immediately persuaded him to go to the high school in Berlin, with a warm letter of recommendation to Joachim, who directs that celebrated institution.

Joachim was thoroughly satisfied with Sigmund Beel’s ability, and took him as his own personal pupil for the violin, an honor by no means conferred upon all the students of the high school. In this congenial atmosphere the young Californian plunged into hard study, supplementing his violin lessons by instruction in theory from Franz Schultz, in piano from Alexander Dorn, whose father was the teacher of Schumann, the famous composer, and by attending Professor Spitta’s musical lectures.

When questioned respecting his student life in Berlin Mr. Beel replied enthusiastically: “Of course it was delightful. It is not alone the music heard that gives the life its charm, but the fact of living in an entirely artistic and musical world. It has always seemed to me such a simple, sincere life that they had over there. I remember once when several of us were giving a concert in the town of Potsdam. We met the old pastor in the afternoon when we were looking through the beautiful memorial church. He promised to come to our concert, and in the evening after the performance he thanked us for the pleasure we had given him by laying a hand on each of our heads and giving us his blessing. I think we were all deeply impressed by the incident.

“But my pleasantest recollection of student life is that of Joachim’s fiftieth anniversary as a musician. It was a great day, for Joachim is adored by his pupils and friends as well as by the public. All of his old pupils came from far and near to take part in the festivities of his anniversary.

“Years before Joachim had composed two overtures, one to ‘Hamlet’ and one to ‘Richard III.’ [sic. recte: Henry IV] They had never been performed and he had them under lock and key in his desk, and seemed, in fact, to have forgotten their existence. The students found out about them, however, and managed to steal them without Joachim’s knowledge. Then they assembled an immense chorus and orchestra and rehearsed them, with Valdemar Bargiel as conductor.

“On the anniversary day all the students and professors assembled in the hall of the high school. The exercises opened with a cantata by Bach, which Joachim conducted. Then Professor Spitta surprised the master by unveiling his bust and presenting it to him in a few well-chosen words. After that we began to perform a Joachim overture, and I never saw a man so taken aback in my life.

“‘A speech!’ we all called out at the end, but Joachim was feeling so affected that he could scarcely utter a word, though he is a very capable speaker on ordinary occasions. Then the student began to cry, ‘Play something,’ and he took up the nearest violin and played a chacone of Bach as he had never in his life played before. That is my happiest recollection of student life,” concluded Sigmund Beel.

“And how did the day end?” was asked.

“There was to be a banquet in Joachim’s house in the evening, and I suggested that we should take the horses out of the carriage and drag our master there ourselves. Such a thing had never been heard of in Berlin, but the students caught on to the idea. At the banquet Johannes Brahms presented him, in the name of his friends in Berlin, with $2500, and the Emperor sent him a great gold medal for art and science. It had never been presented to anyone since Spontini’s time.

“That is Joachim’s picture,” said Mr. Beel, pointing to a large photograph that hung over the piano in the music-room of his home in California street, “and that picture in the corner, he added, “is Paganini. What a wonderful genius Paganini must have been to dare to branch out into such original lines, and break through the traditions of his age! No wonder the people said he was possessed by an evil spirit when they heard of his playing on one string and playing on a shoe. I would give a good deal to have been able to hear Paganini though. He must have possessed an extraordinary power over the violin.”

“Are you the happy owner of a Cremona violin?” was asked.

Mr. Beel shook his head sadly. “I used a beautiful Bergonzi for three years in Germany that Joachim lent me, but I returned it on coming to America. I have a valuable old Italian violin though, but it is from a Venetian workshop, not from Cremona. Would you like to see it?

And with the true violinist’s affection for the bits of wood and string that cunningly handled speak more sweetly than the human voice Sigmund Beel brought his treasure from its case and pointed out its unscratched varnish and its rich, deep color.

“Did you play much in Europe?” was asked.

“Oh, yes; a great deal,” was the reply. “I toured through Holland as soloist with the Philharmonic Orchestra of Berlin, playing the Beethoven concertos [sic] and other classical music, besides performing in a number of German towns.”

“And how do the audiences here and there compare?” asked the reporter.

“There is fully as much sympathy and intelligence to be found here. In fact, I have never felt so much pleasure as when playing for a San Francisco audience. Of course there is a great deal in the way a programme is arranged. It must be given with a view of not tiring people. An hour and a half is quite long enough for a morning concert to last. This season we intend to give one programme devoted entirely to compositions by American composers.

“Mrs. Carr, Mr. Heine and myself have been working together for three years now,” concluded Mr. Beel, “and we feel more satisfied than ever with the outlook for music in this city.”


Sigmund Beel was born in North Oakland, CA in 1863. He studied with Joseph Joachim at the Berlin Hochschule. He died in San Francisco in 1953.

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Die Trauerfeier für Joseph Joachim (Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung)

29 Wednesday Oct 2014

Posted by Joachim in Obituaries, Reminiscences & Encomia

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Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung (August 20, 1907), p. 2.

N. B.: Obituaries are posted for historical interest only, and should not be taken as sources of accurate biographical information.


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The Obsequies for Joseph Joachim

Deathbed

Yesterday afternoon at 4 o’clock a final and devout host of listeners congregated around Joseph Joachim. But it no longer was the golden tone of his violin that entranced the gathering. Joachim’s genius had lowered his flambeau, now only the rustling of the wings of death moved quietly through the hall.


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Invitation to the memorial service for Joseph Joachim


In the entrance hall of the Academy of Arts which had been transformed into a chapel stood the casket veiled with a dark red blanket. The black walls of the chapel swallowed the little light that came from the covered lamps, and the only reflection came from the red coulour of the blanket, a small portion  of the shine of the personality of the man which only a short while ago shone over all the world.



The sizeable hall could not accommodate all that had come to spend one last time with Joachim under the same roof, far into the corridors people stood in silence, and outside in the summer’s afternoon light further thousands waited to see the casket of the master being taken to the burial site.

The family of the deceased was seated to one side of the resplendent bed which had been formed by the laying all around the catafalque the abundance of flowers that had been received. The Kaiser was represented by the not unknown composer First Lieutenant von Chelius [Oskar von Chelius (*1859 — †1923)], while the Kaiserin sent Count Mirbach [Wilhelm Graf von Mirbach-Harff (*1871 — †1918)]. Prince Friedrich Wilhelm von Prussia as well as the Fürst Reuss [Prince Heinrich XXIV Reuss of Köstritz (*1855 — † 1910)] also attended. The Government was represented by the Minister for Cultural Affairs Holle [Ludwig August Hugo Holle (*1855 — †1909)], the City of Berlin by its Mayor Reicke [Georg Reicke (*1863 — †1923)], and the Police President von Borries [Georg Hermann Julius Bodo Friedrich von Borries Jr. (*1857 — †1922)]. Further Chief of the General Staff von Moltke [Helmuth Johann Ludwig von Moltke (*1848 — †1916)], and Gerhard Hauptmann [(*1862 — †1946)] appeared on behalf of literature.

For Music the entire teaching staff appeared together with their colleagues from the Academy of Art, The University of Berlin sent a deputation, the Technical High school was represented by Professor Kammerer [Otto Kammerer (*1865 — †1951)] . Further deputations came from the City of Bonn, and the Bonn Beethoven House, the Meininger Court Band, the Privy Councillor of the Court Theatre of Dresden, and General Music Director Steinbach [Fritz Steinbach (*1855 — †1916)] for the Music Academy Köln. The ceremony was introduced through the solemn sounds of Bach’s hymn “when one day I shall die” softly transmitted from the side hall.

The Priest Niethack-Stahn [Walther Niethack-Stahn, or Nithack-Stahn  (*1866 — †1942)] of the Kaiser Wilhelm Memorial Church approached the casket and held the commemorative address, pleasant therein sounded the phrase that for decades Joachim had been the musical conscience of Germany. After the minister the president of the Academy of Arts Privy Councillor Otzen [Johannes Otzen (*1839 — †1911)] spoke, among other things he said: There have been other great violinists prior to Joachim as well as in his time, but most have been forgotten, and of those that have not been fully forgotten one can say that their artistic perfection had retained their name in posterity.

What a difference here. You will sympathize with me when at this moment I wish that I were a musician, or that one who had sat at the master’s feet, and were filled with his intellect were to stand here in my place.

I can not and must not dare to touch the immortal artistic merits of the great master, which I can barely foresee, or understand or delineate. The appreciation of the artistic being of Joseph Joachim must at first remain the prerogative of a musical ceremony, only late generations will fully understand. But what I may and can do in this solemn farewell is to highlight the relationship towards other members of the Academy by the deceased.

All of you honored members who have gathered here with reverence before the supreme greatness of the deceased will even if in the first instance you revere Joachim the musician, have difficulty separating him from Joachim the man.

Often in high quality artistry we painfully miss that which really indicates greatness. The harmonious penetration of the artist with the human, hence the triumph of such an appearance from which it seems that humanity must first draw its true goal to recognize its true value at the same time that it realizes that such harmony can only be found in choice favourites of the gods.

The speech by Otzen was followed by music, and the modest nut brown casket was carried out of the hall.

Personen / Musiker / Joachim, J. / Tod

THE FUNERAL PROCESSION

The streets of Old-Charlottenburg from the high school to the cemetery on the Fürstenbrunner Weg were lined with mourners. One could see that someone of great stature was being laid to rest, the procession stretched itself into an endless row. Ahead went students carrying the banner of the Academy of Music, then the plain hearse followed by five large carts carrying the load of wreaths and floral tributes. It was especially noted that in this procession the use of the empty imperial gala wagen [sic] as has been customary with the funeral of other important personalities was absent, instead the imperial representative accompanied the casket travelling in a court carriage to the cemetery. The row of carriages were accompanied by the uniformed band masters of each of the Berlin regiments.

AT THE GRAVE

Around six o’clock the impressive funeral procession arrived at the churchyard of the Kaiser Wilhelm-Memorial Church on the Fürstenbrunner Weg. Here the band of the 4th Guard Regiment under the direction of Army Music Superintendent Professor Rossberg led the casket with the sounds of Beethoven’s funeral march to the grave. After the minister had consecrated the corpse, the band intoned the song “what God does is benevolent” while at the same time family members moved closer to enable each to add to the tomb the customary handful of earth. Then the earth closed over Joseph Joachim.

Joachim's Grave

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof
Berlin-Charlottenburg, Germany

Grave: D-G2 Gitter (Ehrengrab)
Amalie Joachim (1839-1899) and Joseph Joachim (1831-1907)

©Robert W. Eshbach 2014


jj-initials1-e1395761217629Die Trauerfeier für Joseph Joachim.

Gestern nachmittag um vier Uhr geschah es zum letzten Male, daß eine andächtig lauschende Schar um Joseph Joachim versammelt war. Aber nicht mehr der goldene Ton seiner Geige hielt die Erschienenen im Bann, der Genius Joachims hatte seine Fackel gesenkt, und nur das Rauschen des Todesfittichs zog leise durch die Halle.

Im Vestibül der Kunsthochschule, das zu einer wunderschönen Trauerkapelle umgewandelt war, stand der Sarg, von einer dunkelroten Decke verhüllt. Die schwarzen Wände verschlangen das Licht, das aus den verhüllten Lampen strömte, und nur von dem Rot dieser Decke über dem Sarge Joachims strahlte ihr Glanz zurück — ein geringer Teil jenes Glanzes, der noch vor kurzem von der Persönlichkeit des Mannes im Sarge über die ganze Welt geleuchtet hatte.

Die geräumige Halle vermochte die Zahl derer, die gekommen waren, zum letzten Male unter einem Dache mit Joachim zu weilen, nicht zu fassen. Bis weit in die Gänge hinaus standen die schweigenden Scharen. Und draußen im hellen Lichte des Sommernachmittags warteten weitere Tausende, um den Sarg des Meisters zu sehen, wenn er zu Grabe getragen würde.

Zur Seite des prangenden Beetes, das aus den Blumen der in schier unendlicher Fülle rings um den Katafalk niedergelegten Kränze gebildet wurde, hatte die Familie des Verstorbenen Platz genommen. Als seinen Vertreter hatte der Kaiser den als Komponisten nicht unbekannten Oberstleutnant v. Chelius entsandt, die Kaiserin den Grafen Mirbach. Auch Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen war erschienen, ebenso Fürst Reuß. Die Staatsregierung war durch den Kultusminister Holle vertreten, der Magistrat von Berlin durch Bürgermeister Reicke, und auch der Polizeipräsident v. Borries hatte sich eingefunden. Desgleichen der Chef des Generalstabes v. Moltke. Gerhart Hauptmann vertrat die Literatur, von der Musik war selbstverständlich der gesamte Lehrkörper der Hochschule erschienen, zusammen mit den Kollegen von der bildenden Kunst. Die Universität Berlin hatte eine Deputation gesandt, für die Technische Hochschule war der Rektor Professor Kammerer erschienen. Abordnungen hatten ferner die Stadt Bonn und das dortige Beethoven-Haus entsandt, desgleichen die Meininger Hofkapelle, die Generalintendanz der Dresdener Hoftheater und das Konservatorium in Köln mit Generalmusikdirektor Steinbach an der Spitze.

Die Feier wurde durch die ernsten Klänge des Bachschen Chorals “Wenn ich einmal soll sterben” eingeleitet, die von einem Nebensaal nur leise herüberwehten. Dann trat der Pfarrer der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche Niethack-Stahn an den Sarg und hielt die Gedächtnisrede. Besonders wohltuend berührte darin der Satz, in dem er sagte, daß Joachim Jahrzehnte hindurch das “musikalische Gewissen” Deutschlands gewesen sei.

Johannes-otzen

Johannes Otzen

Nach dem Geistlichen ergriff der Präsident der Akademie der Künste, Geheimrat Otzen das Wort. Er sprach unter anderem:

“Es hat ja vor Joachim und neben ihm große Geiger gegeben. Die meisten sind vergessen, und  bei den nicht ganz vergessenen ist es fast immer ein großes Virtuosentum gewesen, das ihren Namen der Nachwelt erhalten hat.

Wie anders hier. Sie werden es mir nachfühlen, daß ich in diesem Augenblick wünschen muß, ich wäre ein Musiker, oder aber ein solcher, der zu des Meisters Füßen gesessen und seines Geistes voll ist, stände an meiner Stelle!

Ich kann und ich darf nicht wagen, die unsterblichen künstlerischen Verdienste des großen Meisters auch nur zu berühren, die ich kaum zu ahnen, nicht zu verstehen und noch weniger zu schildern vermag.

Diese Tat — die volle Würdigung des künstlerischen Wesens von Joseph Joachim, muß zunächst einer Trauerfeier der Musik vorbehalten bleiben und wird in ihrer vollen Lösung wohl erst späteren Geschlechtern zufallen.

Was ich aber darf, und was ich kann, das ist, in dieser feierlichen Abschiedsstunde des schönen Menschentums unsere Verblichenen zu gedenken und insbesondere sein Verhältnis zu uns, den Mitgliedern der Akademie, in Liebe und Wehmut zu zeigen. Ihnen allen, hochverehrte Mitglieder dieser Versammlung, die voll Ehrfurcht vor der Majestät solches Toten hier erschienen sind, wird es, auch wenn Sie den Musiker Joachim in erster Reihe verehren, doch schwer werden, diesen von dem Menschen Joachim zu trennen.

Wie oft und wie schmerzlich vermissen wir bei hoher Künstlerschaft dasjenige, was erst wahre Größe verleiht, die harmonische Durchdringung des Künstlers mit dem Menschen. Aber daher auch das Sieghafte solcher Erscheinung. Es ist, als wenn die Menschheit aus dieser erst ihr wahres Ziel und ihren wahren Wert erkennt, — aber auch die bedrückende Gewißheit, daß eine solche Harmonie nur von den ganz Auserwählten und Lieblingen der Götter zu erreichen ist.

Ein solcher Liebling war unser Joseph Joachim und dabei von einer solchen Bescheidenheit, Güte und wahren Menschenliebe, die ihn jedem unvergesslich machte, der auch nur vorübergehend je das Glück seiner Bekanntschaft genossen hat.” Nach der Rede Otzens erklang wiederum Musik, und der bescheidene nußbraune Sarg wurde hinausgetragen.

Der Leichenzug.

Die Straßen Alt-Charlottenburgs von der Hochschule bis zum Friedhof am fernen Fürstenbrunner Weg waren von einem lebenden Spalier eingesäumt. Man merkte es dem Straßenbilde an, daß ein ganz Großer zu Grabe getragen wurde. Der Leichenzug selbst dehnte sich in endloser Reihe. Voran fuhren Studenten mit dem Banner der Hochschule für Musik. Dann folgte der einfache Leichenwagen und dahinter auf fünf großen Tafelwagen die Last der Kränze. Es fiel besonders auf, daß in dem Zuge nicht wie bei den Begräbnissen anderer großer Männer das tote Prunkstück eines leeren kaiserlichen Gala-wagen mitfuhr, sondern daß der Vertreter des Kaisers an einer Hofequipage den Sarg bis zum Friedhof begleitete. Die Reihe der Wagen wurde dann noch einmal durch eine uniformierte Gruppe unterbrochen. Die Kapellmeister sämtlicher Berliner Regimenter schritten im Zuge mit. Auf diese Weise ehrte auch das militärische Oberkommando den Meister.

Trauerfeier Notice copy

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof
Berlin-Charlottenburg, Germany

Grave: D-G2 Gitter (Ehrengrab)
Amalie Joachim (1839-1899) and Joseph Joachim (1831-1907)

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Pester Lloyd: Graf Géza Zichy’s Anecdote

11 Saturday Oct 2014

Posted by Joachim in Reminiscences & Encomia

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Pester Lloyd, Vol. 63, No. 229 (August 18, 1916), p. 6


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(Graf Géza Zichy’s Liszterinnerungen)

Graf Géza Zichy schildert in seinem zweibändigen, überaus unterhaltenden und anekdotenreichen Memoirenwerk “Aus meinem Leben” (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart) eine Versöhnung zwischen Joachim und Liszt: Es war Anfang der achtziger Jahre, als Josef Joachim frühmorgens in mein Zimmer trat. “Helfen Sie mir, lieber Graf, ich bin in einer sehr schlimmen Lage,” sprach der Meister und schien sehr erregt. “Sie wissen es ja, ich stand Liszt sehr nahe, doch später, mein Gott, wir dienten andern Göttern. Und dann die vielen Ohrenbläser, ich verließ ihn.” — “Ich weiß es,” sagte ich trocken. — Joachim fuhr mit seiner Hand über sein gekräuseltes braunes Haar und fragte mich zögernd: “Wird er mich empfangen? Da bin ich nun in Budapest, laufe um sein Haus herum und traue mich nicht hinauf. Ich möchte ihn sehen, den großen, bedeutenden und so guten Mann! Joachim sprach weich, in aufrichtiger, warmer Weise. “Er wird Sie gewiß empfangen und morgen speisen Sie sogleich mit mir. Um Sie aber ganz zu beruhigen, kommen Sie sogleich mit mir. Ich werde bei Liszt vorsprechen und fragen, ob er Sie empfangen will. Nein, nicht “will”, aber wann er Sie empfangen “wird.” Liszt versteht, vergibt und verschenkt alles!” — Wir gingen in Liszt’s Wohnung. Joachim blieb im Vorzimmer. Als ich eintrat, saß mein lieber Meister an seinem Schreibtisch und schrieb. Ich trat langsam zu ihm hin und legte meine Hand auf seine Schulter. Er wandte sich um, schob seine Augengläser auf die Stirn und frug mich: “Was ist denn los, Géza, daß Sie schon so früh kommen?” — “Ich bringe einen Büßer, den nur Sie freisprechen können!” “Ist’s schon geschehen!” sprach der engelsgute Mann, “wer ist es denn?” — “Er traut sich nicht herein, weil er sich dereinst an Ihnen vergangen hat!” — Liszt lächelte. “Wenn wir nur mit jenen Freunden und Bekannten verkehren wollten, die sich nicht an uns vergangen, so müßten wir Einsiedler werden… also wer ist’s?” “Josef Joachim!” “Joachim!” rief Liszt freudig erregt, “Joachim!” Ja wo ist er denn?” “Hier.” sprach ich und öffnete die Tür. Beide flogen sich in die Arme und hielten sich lange umschlungen. “Vergib mir, Franz!” sprach Joachim. — “Kein Wort darüber!” entgegnete Liszt und führte den großen Geiger zu seinem Kanapee. Den nächsten Tag speisten beide bei mir, und ich kaufte so starke Champagnergläser, daß man dieselben kaum mit der Faust hätte zerschlagen können.



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Paul Bekker: Joachim (1907)

28 Wednesday May 2014

Posted by Joachim in Reminiscences & Encomia

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Paul Bekker, Klang und Eros, (vol. 2 of Gesammelten Schriften), Stuttgart & Berlin: Deutsche Verlags-Anstalt, 1922, pp. 215-219.

__________

Bekker, a devotee of the New German School, here gives a sympathetic but unsentimental look at Joachim’s life and career. In some instances (such as his remark about Joachim’s staccato) he is undoubtedly wrong, but, overall, his judgement seems fair.

Joachim (1907)

By Paul Bekker

Bekker

Paul Bekker (1882-1937)

Manchen reißt das Schicksal im freudigsten Anstieg aus der Bahn, mancher tritt auf der Höhe seines Wirkens vom Schauplatz ab — Joseph Joachim hatte seinen Lauf vollendet, als er heimberufen wurde. Es war ein reiches, schönes Leben, dem auch noch im Tode peinigende Schmerzen erspart blieben. Was ihm zu sagen gegeben war, hatte er ausgesprochen, seine Sendung war erfüllt. Wenn die ihm persönlich näher Stehenden den Verlust eines liebenswerten Menschen betrauern, so neigt sich der größere Kreis der Kunstwelt zum letzten Male vor Joachim als einem ehrwürdigen Denkmal einstiger großer Taten und Zeiten.

Zugleich mit den bedeutendsten Persönlichkeiten des vorigen Jahrhunderts, Liszt und Wagner, war Joachim erschienen. Mit ihnen verbunden, strebte er anfangs neuen Zielen zu, schwenkte dann aber plötzlich ab und bekannte sich rückhaltlos als Gegner der neudeutschen Kunstideale. Schumann und der junge Brahms mußten ihm den Lisztschen Umgangskreis ersetzen. Ihre Gedankenwelt machte er von nun an zu der seinigen, ihren Anschauungen blieb er unerschütterlich treu, auch als die Zeit sich gegen ihn wandte und ihm offenkundig unrecht gab. Es liegt etwas Stolzes, Imposantes in diesem Festhalten an der erkämpften Überzeugung, in diesem unbeirrten Widerspruch gegen die künstlerischen Machthaber der Gegenwart. Es gehört Persönlichkeitswert dazu, um die Folgen einer derart hartnäckigen Opposition zu tragen: die Lockerung der Fühlung mit den vorwärtstreibenden Kräften, die immer stärker werdende Isolierung inmitten des reichsten Musikgetriebes der Welt. Etwas Tragisches liegt in diesem vergeblichen Ankämpfen gegen eine unbesiegbare Zeitströmung. Die Erkenntnis dieser Tragik spricht aus dem Wort, das Joachim im Leben begleitete: Frei, aber einsam.

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Einen Fortschritt auf rein violinistischem Gebiet hat Joachim nicht gebracht. Künstler, die der Technik neue Wege erschlossen, unbekannte Ausdrucksquellen aufdeckten, waren unmittelbar vor ihm Paganini und Spohr gewesen. Paganini als abenteuerlicher Zaubermann, dessen märchenhafte technische Künste Anlaß zur Legendenbildung gaben und die größten Geister seiner Zeit faszinierten. Spohr eine feinpoetische Natur mit reicher produktiver Veranlagung. Neben Spohr gehalten, verblast Joachims Bild ein wenig. Jener war der geborene Komponist, der zufällig Geige spielte. Joachim war der geborene Geiger, dem kein anderes Ausdrucksmedium zu Gebote stand, dem die Produktionskraft versagt blieb. Man kann von Spohrscher Technik, Spohrscher Kantilene sprechen, aber man kann die gleichen Worte nicht auf Joachim anwenden. Wir Jüngern, die ihn nicht mehr im Vollbesitz seiner Fähigkeiten hören konnten, sind ohne abschließendes Bild seiner Kunst, spätere Generationen werden ihn nur der Sage nach kennen. Paganinis oder Spohrs Spiel dagegen kann man sich immerhin aus ihren Kompositionen annähernd rekonstruieren.

Aber dieses Manko von Joachims Begabung wurde gleichzeitig das Fundament seiner Größe. War es ihm verschlossen, persönliche Eitelkeit zu pflegen, so nahm er sich der vererbten älteren Literatur um so eifriger an. War es ihm versagt, durch unentdeckte mechanische Fertigkeiten die Welt zu verblüffen, so strebte er desto inniger, die überkommenen Vorlagen geistig zu durchdringen, ihren Inhalt zu erforschen, als reproduzierender Künstler im edelsten Sinne aus seinem Spiel die Psyche des Werkes aufleuchten zu lassen. Ein natürlicher Ernst des Charakters ließ ihn von vornherein alle leichte Ware, alles Reißertum verschmähen. Eine gewisse, angeborene Schwerfälligkeit — es ist bekannt daß Joachim nie ein gutes Staccato besessen hat — hielt ihn noch mehr von der gangbaren Virtuosenliteratur zurück.

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So wandte er sein Können ungeteilt an die musikalischen Meisterwerke der Violinliteratur: Bach, Mozart, Beethoven. In der lebens- und schönheitsvollen Gestaltung dieser Stücke liegt der Schwerpunkt von Joachims Künstlerschaft. Hier war es ihm gegeben, ohne eigentlich selbstschöpferische Veranlagung doch produktiv im weitesten Sinne zu wirken, wenn man mit Goethe von einer “Produktivität der Taten” reden will.

Darin besteht das Merkwürdige, kulturhistorisch Bedeutende an Joachim: er ist eigentlich nur ausübender Instrumentalvirtuos. Seine angeborenen allgemein musikalischen Gaben sind aber so überragend, daß sie ihm eine Position verschaffen, wie sie sonst nur Künstler von umfassender Begabung einzunehmen befähigt sind. Bei ihm baut sich alles auf der Basis des Violinspiels auf. Aber die damit gegebene scheinbar enge Begrenzung verliert sich ganz, ein Musiker von denkbar höchstem Intellekt, von vielseitigster Aufnahmefähigkeit, von feinstem, allumfassenden Empfinden, von einer seltenen Bildung des Geschmacks, von Verständnis für die subtilsten Kunstfragen ersteht. Man muß diesen geistigen Vollgehalt von Joachims Natur erkennen, um seine Bedeutung für die Musikgeschichte richtig zu würdigen. Es ist daher schwer, den Geiger Joachim gesondert von dem Musiker zu betrachten, denn beide erklären einander.

Joachims Ton blendete und schmeichelte nicht durch empfindsame Sinnlichkeit. Seinem Spiel wie seiner Persönlichkeit lag jedes äußere Dekor fern. Es war ein Ton, der mehr innerlich wärmte, zu Fühlen und Denken in absoluter Reinheit anregte, ein Ton, der in seiner keuschen Schönheit etwas Transzendentes an sich trug. Joachims Spiel vergeistigte, verklärte. Es lag nichts Gefallsüchtiges, gar keine Koketterie darin, sondern das Streben zu abstrahieren, eine geheime Neigung zur Mystik. Das Mechanische blieb bei ihm stets in untergeordneter Bedeutung. Wenn er es

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schon liebte, seine etwas massive Doppelgrifftechnik gelegentlich hervorzukehren, so wußte er doch stets die rechtfertigende gedankliche Grundlage zu schaffen. Das bezeugen seine Kadenzen zu Beethovens Violinkonzert, die alle ähnlichen Versuche andrer Geiger überragen. Die übrigen Kompositionen Joachims, von denen hauptsächlich das ungarische Violinkonzert, die ungarischen Variationen sowie einige Ouvertüren bekannt geworden sind, haben nur durch den Namen ihres Autors zeitweilig Interesse erregt. Seine Werke zeichnen sich durch peinliche Gediegenheit aus, lassen aber wenig originelle Phantasie und Gestaltungskraft erkennen. Länger als der Komponist wird der Geiger Joachim in Gedächtnis der Nachwelt leben: als kongenialer Interpret Bachs und Beethovens in Solo- wie in Kammermusikwerken. Die Joachimsche Quartettkunst wird allen unvergeßlich bleiben, die sie je miterlebt haben. Was der Solist Joachim noch dem Virtuosestem an Tribut entrichten mußte, das fiel beim Kammermusikspiel gänzlich fort. Hier offenbarte sich die große, tiefschauende und denkende Persönlichkeit, die bis auf den Grund der Dinge blickt und geheimste Intentionen der schöpferischen Genien nachfühlend zu deuten weiß.

In verhältnismäßig einfachen Linien bewegt sich Joachims Lebensgang. Am 28. Juni 1831 zu Kittsee bei Preßburg geboren, kam er als Wunderzögling der Wiener Geigerschule bald in die Welt hinaus und empfing in Leipzig die letzte Einführung in alle Disziplinen der Musikwissenschaft. Von großen Kunstreisen, die ihn namentlich in England bekannt und populär machten abgesehen, bilden Weimar und Hannover die wichtigsten Stationen auf seinem Wege. 1868 vertauschte er Hannover mit Berlin, um hier die neugegründete Hochschule für Musik zu leiten. Bewunderungswürdig war die Frische und lebendige Rüstigkeit, die er sich bis auf die letzte Zeit bewahrte, wer ihn sah, staunte über die urgesunde, kräftige körperliche Natur des Sechsundsiebzigjährigen eben-

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so wie über sein wachsames geistiges Interesse für die ihn berührenden Dinge.

Joachim war der apollinische Künstler. Das Dionysische fehlte ihm. Seine Kunst trug priesterliche Züge. Wenn es etwas gibt, das alle Gegensätze versöhnend ausgleicht, so ist es die Überzeugung von der unantastbaren Reinheit, von dem stolzen Adel seiner Künstlerschaft.

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